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Die grösste Baustelle Europas

Wien wächst schneller als alle anderen Grossstädte der EU. Um Wohnungsnot zu verhindern und die Immobilienpreise zu drücken, werden neue Quartiere aus dem Boden gestampft – mit neuen Konzepten.

Dieser Tage blasen die Stürme heftig über den Nordhang des Wienerbergs. Dennoch drängen sich die Besucher auf der Aussichtsplattform. Studenten der Technischen Universität Graz sind für diesen Blick extra angereist, Schulklassen haben ihn fix im Programm. Selbst Touristen aus Japan und den USA kommen her.

Wien hat ein neues Wahrzeichen: das Bahnorama an der Grenze zwischen dem bürgerlichen 4. und dem proletarischen 10. Bezirk. Vom laut Eigenwerbung «höchsten begehbaren Holzturm Europas» sieht man nicht nur das Häusermeer der Stadt, sondern vor allem direkt auf «Europas grösste Baustelle»: den neuen Hauptbahnhof und daneben ein Wohnquartier, das mit 35 Hektaren die Grösse einer Kleinstadt hat. Über 5000 Wohnungen, ein Park, eine Tramlinie und mehrere Bürotürme sollen bis 2020 rund um den Bahnhof mit seinem Rautendach entstehen. Baukräne und Schotterhügel prägen das Bild, gearbeitet wird Tag und Nacht. Die Zeit drängt. Wien wächst, und die Gemeindeverwaltung muss neuen Wohnraum zur Verfügung stellen. Schafft sie das nicht, geraten die Immobilienpreise ausser Kontrolle. Das «rote Wien», dessen sozialdemokratische Stadtregierung immer stolz auf die erschwinglichen Wohnungen war, würde so teuer wie Paris, London oder Zürich.

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