Der Weltraum muss entrümpelt werden

Um die Raumfahrt zu retten, muss der Weltraum gemäss Experten schleunigst von Schrottteilen befreit werden. Ohne Massnahmen werde der Abfall unkontrolliert anwachsen.

Die Teile umfliegen den Planeten: Grafik der von Trümmern umgebenen Erde. (Archivbild)

Die Teile umfliegen den Planeten: Grafik der von Trümmern umgebenen Erde. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Weltraummüll muss so schnell wie möglich beseitigt werden, sonst droht der Raumfahrt auf einigen Flugbahnen das Aus. Darüber waren sich die über 350 Teilnehmer einer internationalen Tagung über Weltraumtrümmer in Darmstadt, die heute endete, einig. «Die Anzahl der Schrottteile wird in Zukunft ohne weitere Massnahmen unkontrolliert anwachsen, was eine Kollision von grossen Objekten alle fünf bis zehn Jahre bedeutet», teilte der Astronom Thomas Schildknecht von der Universität Bern, Mitglied im Planungskomitee der Konferenz, per Mail der Nachrichtenagentur sda mit.

Durch Weltraummüll drohen Kollisionen mit Satelliten für Wetterdaten, Handy-Netze und Navigation. Auch die Raumstation ISS musste schon mehrere Male ausweichen. Die Zahl der Trümmer nimmt zu, auch weil ausgedientes Material explodiert und es zudem Zusammenstösse der Teile gibt.

Anstrengungen, um Kollisionen zu verhindern, seien unbedingt nötig, sagte Schildknecht. Vor allem müssten Satelliten und Oberstufen von Raketen in tiefer Umlaufbahn entfernt werden. Indem die Bahnhöhe abgesenkt wird, lässt sich die Zeit, die ein Objekt im Orbit verbringt, auf maximal 25 Jahre verringern. Die Zahl der Schrottteile werde aber dennoch langfristig zunehmen.

Aufräumen unabdingbar

«Nur die aktive Beseitigung von fünf bis zehn grossen Objekten pro Jahr kann die Zunahme von Weltraumschrott umkehren», erklärte deshalb Heiner Klinkrad, Chef für Weltraumtrümmer bei der europäischen Weltraumorganisation ESA und Leiter der Tagung, zum Abschluss des viertägigen Treffens. «Wir müssen schnell handeln.»

Vorschläge für eine Pilot-Mission zur Beseitigung von Weltraumschrott sollten bald auf dem Tisch liegen. «Ideal wäre innerhalb der nächsten zehn Jahre», sagte Klinkrad. Die Beseitigung von Weltraummüll sei ein globales Umweltproblem.

Einer Idee zufolge sollen ausgediente Himmelskörper per Satellit mit einem riesigen Netz eingefangen und in einen Bereich gebracht werden, wo sie keine Gefahr mehr darstellen. In erdnahen Bahnen könnten Trümmer kontrolliert zum Absturz gebracht werden.

Teure Vermeidung

«Die Vermeidungsstrategien können je nach Mission einen bedeutenden Anteil der Missionskosten verursachen», fügte Schildknecht hinzu. «Die aktive Entfernung von Objekten wird sogar so teuer sein, dass kein einzelnes Land diese alleine tragen kann.» Dennoch überwiegen laut Klinkrad die Kosten, wenn ein Satellit durch eine Kollision verloren geht.

Inzwischen rasen geschätzte 23'000 Objekte von einer Grösse von mehr als zehn Zentimeter mit einem Tempo von durchschnittlich 25'000 Kilometer pro Stunde um die Erde. Gefährlich ist die enorme Geschwindigkeit, auch bei noch kleineren Teilen. «Die Energie, die bei Kollisionen entwickelt wird, ist gigantisch», erklärte Klinkrad.

Schildknechts Team an der Universität Bern beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Weltraumschrott. Mit Hilfe von Teleskopen in Teneriffa und dem Observatorium in Zimmerwald suchen und charakterisieren die Astronomen für die ESA kleine Schrottteile.

rbi/sda

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