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Der Fingerabdruck verrät Spuren von Drogen und Sprengstoff

C.S.I. wird wahr: Der Fingerabdruck verrät unsere Identität und viel über unseren Lebensstil. Aber trotz raffinierten Methode lässt sich nicht jede Spur eindeutig einer Person zuordnen.

Verbrecher haben in den amerikanischen C.S.I.-Fernsehkrimis keine Chance. Die cleveren Forensiker entlarven jeden Täter dank ausgeklügelter Spurensicherung. Hier wird Naturwissenschaft als unfehlbar zelebriert. Wissenschaftler attestieren ihren TV-Kollegen zwar eine gewisse Realitätsnähe, doch die Resultate der forensischen Methoden seien nicht immer so unschlagbar wie es in den TV-Serien scheint.

Wer den Bericht des amerikanischen Chemikers Demian Ifa liest (Science, Bd. 321, S. 805), bekommt allerdings einen anderen Eindruck. Zumindest was den Fingerabdruck betrifft. Der Forscher an der Purdue-Universität in West Lafayette, beschreibt eine Methode, die nicht nur übereinander liegende Fingerabdrücke am Tatort «glasklar» unterscheiden könne. Die Forscher identifizieren im Rillenmuster der Fingerkuppe auch Spuren von Drogen wie Kokain und Cannabis oder Rückstände des Sprengstoffs RDX.

Dafür besprayen sie Fingerabdrücke auf Glas, Metall oder Plastik mit einem ein Lösungsmittel, das elektrisch positiv geladene Wassermoleküle enthält. Der Effekt: Die Restanzen gehen als geladene Moleküle, als Ionen in Lösung. Ein so genanntes Massenspektrometer analysiert anschliessend die Verunreinigungen in den feinen Wassertröpfchen entlang der Mikrorippen des Hautmusters. So lässt sich Punkt für Punkt des Fingerabdruckes im Abstand von einem Sechstel Millimeter chemisch untersuchen.

Gleichzeitig können die Wissenschaftler mit dieser Methode die chemischen Werte in ein Bild umsetzen, das in seiner Struktur mit dem klassischen Fingerabdruck aus Tintenschwärze vergleichbar ist. Die Forscher scannen die Abbildung und bearbeiten sie am Computer. Falls in der Täterdatenbank eine Referenz vorliegt, so Chemiker Demian Ifa, lasse sich der Fingerabdruck mit Hilfe einer Erkennungssoftware am Computer einer Person zuordnen. Und noch einen Vorteil sieht der Wissenschaftler: Die chemische Analyse lässt sich künftig am Tatort durchführen ohne die gefundenen Fingerabdrücke aufwendig zu präparieren. Das Forscherteam an der Purdue-Universität schliesst damit an chemische Abdruckmethoden früherer Jahre an. Britischen Wissenschaftlern der Universität East Anglia in Norwich war es zum Beispiel im letzten Jahr gelungen, Fingerabdrücke von Rauchern und Nichtrauchern zu unterscheiden. Die Forscher zeigten sich zuversichtlich, künftig den Lebensstil eines Menschen aus dem feinen Hautmuster der Finger zu lesen. Winzige Spuren von Medikamenten oder Nahrungsmitteln liessen sich im Schweiss der Fingerkuppen nachweisen.

Internationale Richtlinien fehlen

Peter Pfefferli, Leiter der Kriminaltechnischen Abteilung der Kantonspolizei Zürich, kann zwar ermittlungstechnisch den chemischen Verfahren etwas abgewinnen, auch wenn sie für einen Einsatz am Tatort noch viele Fragen aufwerfen. Der Kreis der Verdächtigen liesse sich eingrenzen, wenn man bestimmte chemische Rückstände im Fingerabdruck entdeckt. Das eigentliche Problem der Personenidentifikation ist aber auch bei diesem Verfahren nicht gelöst. Die Konturen eines Fingerabdruckes werden mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen geschärft. Die Muster auf den Fingerkuppen - egal, ob chemisch, per Scanner oder mit Tintenschwärze sichtbar gemacht - bestehen aus feinen Schleifen und Bögen, so genannten Minuzien. Hier stelle sich die Frage, so Pfefferli, ob überhaupt und wie Fingerabdrücke digital nachgebessert werden dürfen. «Bei einer starken Nachbesserung können Informationen verloren oder verfälscht werden».

Bis heute ist wissenschaftlich umstritten, wie viele eindeutig gemeinsame Minuzien es braucht, bis zwei Fingerabdrücke als 100-prozentig identisch gelten. Die Zeitschrift Plädoyer titelte vor drei Jahren «Der Fingerabdruck steht unter Verdacht», und verwies unter anderem auf eine Studie des FBI. Die amerikanische Bundespolizei schätzt, dass die Beamten pro Jahr knapp 2000 fehlerhafte Zuweisungen machen. Spektakulär war zum Beispiel der Fall Brandon Mayfield. Das FBI identifizierte den Anwalt aus Oregon anhand von Fingerabdrücken auf einer Plastiktüte «eindeutig» als einen der Terroristen, die am 11. März 2004 Anschlag auf Züge in Madrid verübten. Es stellte sich allerdings heraus, dass Mayfield zur betreffenden Zeit nicht in Spanien war.

Keine Wissenschaft

So sind viele Richter der Meinung, dass die Fingerabdruck-Analyse ein Handwerk ist und keine Wissenschaft - und deshalb als Beweismittel nur beschränkt einsetzbar. Noch heute gibt es keine internationale Richtlinien, die festlegen, wann eine Person als identifiziert gilt. Die Schweiz befolgte lange die Regel, dass es mindestens 12 eindeutig gemeinsame Mustermerkmale braucht für eine Identifikation. Andere europäischen Länder arbeiten mit unterschiedlichen oder gar keinen Vorgaben. Einen wissenschaftlich fundierten Grenzwert gibt es aber nicht. Deshalb soll nun in der Schweiz der Standard für die Zahl der gemeinsamen Merkmale nicht mehr zwingend sein.

Die Schweizer Bundesbehörden haben in den letzten Jahren auf diese Unsicherheiten reagiert. «Heute haben alle kriminaltechnischen Dienste für die Beurteilung wenigstens den gleichen Kompetenzstandard», sagt Pfefferli. «In kritischen Fällen, wenn die gemeinsamen Merkmale unter 12 liegen, muss ein Fingerabdruck von Experten mit grossem Fachwissen begutachtet werden können». Weiter hat das Bundesamt für Polizei unter anderem auch Richtlinien erlassen, welche Qualitätskriterien ein digital dokumentierter Fingerabdruck erfüllen muss, um in der Datenbank korrekt verarbeitet zu werden.

Auch der Computer vertraut nicht dem eingescanten Abbild eines Fingerabdruckes. Er vergleicht Fingerabdrücke anhand der Algorhythmen, also den mathematischen Koordinaten für die Minuzien. «Doch auch da können Fehler passieren, wenn die Qualität des Musters ungenügend ist», sagt Forensiker Peter Pfefferli.

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