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Asteroid bis zur Ankunft im Visier

Erstmals ist es Astronomen gelungen, einen Gesteinsbrocken bis zur Erde zu verfolgen – von der Entdeckung über die Ortsprognose bis zum Verglühen in der Atmosphäre.

Weit über dem Norden des Sudan ereignete sich am vergangenen Donnerstag eine gewaltige Explosion: «2008TC3» flog in die Atmosphäre der Erde und die Reibungshitze zerstörte ihn zum grössten Teil – ungefähr zu der Zeit und an dem Ort, wo Dutzende Astronomen ihn vermutet hatten, wie das Wissenschaftsmagazin «Nature» auf seiner Webseite berichtet. Es war «das erste Mal, dass wir einen Einschlag entdecken und vorhersagen konnten», sagte Donald Yeamans vom Near-Earth-Object-Programm (Neo) der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa.

Das Abenteuer hatte am Sonntag zuvor begonnen, als Astrophysiker nahe Tucson im Bundesstaat Arizona den Brocken entdeckten. Am nächsten Morgen, so berichtet «Nature» weiter, bestätigten drei weitere Institute den nahenden Asteroiden: Das Neo-Büro, das Minor Planet Center in Cambridge, Massachusetts, und ein italienisches Institut namens Neodys errechneten, dass er über einem Dorf im Nordsudan in die Atmosphäre rasen würde.

Lichtblitz von einem Piloten gesichtet

Obwohl zahlreiche Wissenschaftler dem Brocken im Visier hatten, gab es schliesslich nur einen mutmasslichen Augenzeugen der Ankunft: Ein Pilot der niederländischen Airline KLM, der 1400 Kilometer entfernt flog, berichtete von einem hellen Blitz, wie der Wissenschaftler Edward Beshore von University of Arizona mitteilte.

Die beteiligten Forscherinnen und Forscher bekamen von 2008TC3 dank ihrer technischen Möglichkeiten freilich mehr mit. Der Astronom Peter Brown von der University of Western Ontario in Canada bestätigte, dass die Ankunft um 2:45 Uhr (GMT) am Dienstag stattfand – anhand von Schallwellen, die in Kenia von Messgeräten aufgezeichnet wurden, die normalerweise verbotene Tests mit Nuklearwaffen aufspüren sollen. Laut Brown zeigen die aufgezeichneten Signale, dass der Asteroid mit einer gewaltigen Energie in die Atmosphäre prallte, bevor er zerstört wurde – vergleichbar mit der Detonation von 2000 Tonnen TNT.

Drei Meter Durchmesser, viel Kohlenstoff

Um welche Art von Asteroid es sich handelte, zeigen Teleskop-Daten, die in La Palma auf den Kanaren aufgezeichnet wurden. Ein Spektrogramm zeigte, dass er einen Durchmesser von rund drei Metern hatte und wahrscheinlich ein «kohlenstoffhaltiger Chrondrit» war – ein widerstandsfähiger Brocken, so dass die Wissenschaftler noch immer hoffen, dass vielleicht Überbleibsel für weitere Analysen gefunden werden. Schliesslich wollen die beteiligten Forscher in Zukunft noch besser verstehen, auf welche Weise kleinere Asteroiden exakt in die Atmosphäre eindringen.

Bei nahenden Objekten, die 50 mal so gross oder noch gewaltiger sind, wäre freilich eine ganz andere Vorgehensweise üblich: «Wir hätten ihn schon mehrere Tage vorher entdeckt», sagt Donald Yeomans – und natürlich wären die Menschen aus der Einschlagszone gebracht worden, so der Nasa-Wissenschaftler. Derzeit hat das Jet Propulsion Laboratory der Nasa, wo er arbeitet, mehr als 5600 Objekte unterschiedlicher Grössen im Visier, die eines Tages auf die Erde treffen könnten.

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