So bezahlen wir in Zukunft

Technik

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer bezahlen kontaktlos. Nun soll sich auch das Bezahlen mittels Smartphone durchsetzen.

Möglich, aber noch nicht verbreitet: Eine Frau bezahlt in einer Coop-Filiale in Zürich mit ihrem Smartphone. (1. Juli 2014)

Möglich, aber noch nicht verbreitet: Eine Frau bezahlt in einer Coop-Filiale in Zürich mit ihrem Smartphone. (1. Juli 2014)

(Bild: Keystone)

Sie halten einfach ihre Kreditkarte kurz ans Zahlungsterminal, worauf der Betrag in Sekundenschnelle abgebucht wird – bei Beträgen unter 40 Franken muss man nicht einmal mehr den PIN-Code eingeben: Immer mehr Menschen in der Schweiz bezahlen ihre Einkäufe kontaktlos.

Bei McDonald's würden mittlerweile über 3 Prozent aller Kartenzahlungen kontaktlos ausgeführt, sagte Rolf Fäh von der Kreditkartenherausgeberin Aduno vor den Medien in Zürich. Bei den Kiosken und Avec-Läden seien es gar über 6 Prozent.

Es seien nicht mehr nur Technikfreaks, die kontaktlos bezahlten, sondern man komme mittlerweile in Grössenordnung, wo man sehe, dass es die Leute vermehrt benutzten. «Es sind nicht mehr 500 Transaktionen pro Monat, sondern 15'000 bis 20'000 kontaktlose Transaktionen bei McDonald's», sagte Fäh.

Schub dank Migros und Coop

Schub fürs kontaktlose Zahlen habe die Einführung neuer Zahlterminals bei den beiden Grossverteilern Migros und Coop im letzten Jahr gegeben, sagte Fäh. Bei der Migros seien knapp 20 Prozent aller Kreditkartenzahlungen kontaktlos, sagte Benedikt Zumsteg vom Migros Genossenschaftsbund (MGB). Während in den Läden erst 12 Prozent der Kreditkartenzahlungen kontaktlos seien, seien es bei den Selbst-Check-out-Kassen fast schon 40 Prozent.

Bislang funktioniert das kontaktlose Bezahlen allerdings nur mit Kreditkarten. Richtig Schub dürfte die einfachere Bezahlmethode erhalten, wenn sie auch auf Debitkarten und der Postfinance-Karte eingeführt wird. Wann das sei, konnte UBS-Kartenverantwortlicher Matthias Meihofer auf Anfrage nicht sagen.

Mit dem Smartphone bezahlen

Noch tiefer in den Kinderschuhen steckt das digitale Portemonnaie. In der Schweiz wollen die drei grossen Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Orange der Bevölkerung die Kreditkarte auf dem Smartphone mit dem im Juli gestarteten eigenen System namens Tapit schmackhaft machen.

Damit können Swisscom-Kunden über die App Tapit ihre Waren bezahlen, indem sie im Geschäft einfach ein Smartphone auf ein Terminal halten auf diese Weise fällige Beträge abbuchen. Sunrise und Orange wollen bis Ende Jahr nachziehen. Für iPhone-Besitzer funktioniert der Dienst aber noch nicht.

Hoffnungen auf neues iPhone 6

Hoffnungen setzen die drei Mobilfunker auf das neue iPhone 6, das morgen Freitag in der Schweiz in die Läden kommt. Das neueste Apple-Phone ist endlich mit der NFC-Kurzfunktechnologie ausgerüstet, die kontaktloses Zahlen erst ermöglicht.

«Dass Apple jetzt auf den NFC-Zug aufspringt, wird dieser Technologie Rückenwind verleihen», hatte Swisscom-Sprecher Carsten Roetz vor zwei Wochen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda gesagt. Ins selbe Horn stiessen Sunrise und Orange. Insgesamt gab es hierzulande im Juli rund 1 Million NFC-fähige Smartphones. Mit den neuen iPhones dürften es noch viele mehr werden.

Die Postfinance macht bei Tapit nicht mit. Man wolle eine eigene Lösungen entwickeln, hatte Postfinance-Chef Hansruedi Köng am Wochenende in einem Zeitungsinterview gesagt. «Wir werden dereinst in irgendeiner Form auch Zahlungsverkehr mit Handys anbieten.»

Apples Konkurrenz zu Tapit

Vor der Türe dürfte auch das von Apple angekündigte Bezahlsystem Apple Pay stehen. Dieses ist ebenfalls ein digitales Portemonnaie und damit die direkte Konkurrenz zu Tapit. McDonald's installiert Apple Pay in den USA. «Wenn die Kunden das wünschen, führen wir das auch in der Schweiz ein», sagte Thomas Truttmann von McDonald's Schweiz.

Die Migros zeigt sich zurückhaltender. «Wann das in der Schweiz kommt und in welcher Form, ist noch total offen», sagte Zumsteg: «Ich gehe nicht davon aus, dass das schnell passieren wird.»

rar/sda

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