Shell will Betonpfeiler mit Ölresten im Meer stehen lassen

Vier Brent-Ölplattformen aus den Siebzigerjahren haben ausgedient und werden abgebaut. Geht es nach Shell, bleiben mit Öl gefüllte Betonträger im Meer zurück.

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Seit 1976 pumpen Shell und Esso Erdöl aus dem britischen Brent-Ölfeld in der Nordsee. Es war eine der ergiebigsten Ölquellen Grossbritanniens. Jetzt werden die vier Plattformen von Shell abgebaut. Ein wesentlicher Teil der riesigen Anlagen soll aber im Meer verbleiben. Darin enthalten: Grosse Mengen an Ölresten. Der Konzern will die Betonpfeiler stehen lassen. Dazu reicht er diese Woche ein Gesuch ein.

Das hat Umweltschützer auf den Plan gerufen. «Shell hat eine rechtliche und moralische Verpflichtung, ihren Müll zu beseitigen», sagt Lang Banks, der Direktor von WWF Schottland, dem «Independent». Etwas gelassener nimmt man Shells Pläne in der Fischerei-Industrie. Man würde zwar eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands bevorzugen. Dennoch hat man auch Verständnis für Shell. Die schottische Fishermen's Federation etwa versteht Shells Beweggründe und fühlt sich vom Erdölkonzern sogar umsorgt, wie der «Guardian» schreibt. Shell hat nämlich versprochen, die aus dem Meer ragenden Betonkolosse für die Fischerboote sichtbar zu machen.

So gross wie der Eifelturm

Die Füsse, auf denen die Zehntausende Tonnen schweren Plattformen stehen, sind 174 Meter hoch. Es sind hohle Betonkonstruktionen, sogenannte Condeeps, in denen Öl gelagert wird. Insgesamt sind die Brent-Bohrinseln mit 324 Metern so hoch wie der Eifelturm. Sollten sie im Meer belassen werden, könnten sie laut dem «Independent» die nächsten 500 Jahre überdauern.

Shells Brent-Plattformen in der Nordsee liegen zwischen den Shetlandinseln und Norwegen. (Karte: Google Maps)

Der WWF Schottland stört sich insbesondere daran, dass Öl in den Betonsockeln zurückbleibt. Dennoch wird die Umweltorganisation nicht gegen die zurückbleibenden Betonfüsse einsprechen, da es das Gesetz erlaubt, Strukturen im Meer zu belassen, wenn die Risiken für einen Abbau zu gross sind. Und doch weist der WWF darauf hin, dass die zurückbleibende Ölmenge grösser sei, als es das Völkerrecht erlaubt.

Kosten in Milliardenhöhe

Bei Shell verteidigt man sich damit, dass die Brent-Plattformen in Eile gebaut worden seien und – anders als später gebaute Bohrinseln – nicht für einen Rückbau konzipiert wurden. Auch aus ökologischen Gründen sei es die beste Lösung, die insgesamt zehn Betontürme stehen zu lassen. Dies, weil beim Abbau die Umwelt verseucht werden könnte. Dieses Risiko sieht man auch bei Greenpeace. Dem «Guardian» sagt der leitende Wissenschaftler von Greenpeace, Doug Parr, man befürchte aber, dass einzig aus Kostengründen eine Ausnahme gemacht werde - obschon das Völkerrecht aufgrund der grossen Ölreste in den Sockeln einen Rückbau verlange.

Shell schätzt die Kosten für den Rückbau auf eine Summe im Milliardenbereich. Ein Sprecher der britischen Regierung sagt, man werde die Öffentlichkeit befragen, bevor eine Entscheidung getroffen werde. Die Regierung werde Shells Antrag genau prüfen und neben Sicherheit und Kosten auch die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen. Kritiker gehen aber laut dem «Guardian» davon aus, dass Shells Antrag durchkommt. Das sei ungerecht, da letztlich der Steuerzahler für das toxische Vermächtnis aufkomme. (oli)

Erstellt: 08.02.2017, 17:04 Uhr

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