Der Spuk hinter dem Mond

Vor 50 Jahren nahm eine Mondkapsel mysteriöse, unerklärliche Geräusche auf. Jetzt darf die Öffentlichkeit sie erstmals hören.

Seltsame Mondmusik: Die fünfzig Jahre alten Aufnahmen.
Video: Nasa

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Als die Mondkapsel wieder Funkkontakt hatte, meldete sich der Astronaut Jim Lovell und berichtete, dass der Mond auch auf seiner Rückseite im Wesentlichen grau ist. Die Erleichterung an jenem 24. Dezember 1968 war gross. Es war das erste Mal, dass sich Menschen hinter den Mond begaben. Die Mission hiess Apollo 8.

Ein halbes Jahr später startete Apollo 10 zu weiteren Umrundungen des Mondes, diesmal mit Testversuchen des Landeprozesses für die spätere Mondlandung. Doch nun erlebte die Crew mysteriöse Momente. Die Astronauten sollen seltsame Laute über ihre Funkanlage gehört haben, dies, obschon sie hinter dem Mond keinen Funkkontakt mit dem Kontrollzentrum hatten. Die Aufnahmen wurden in einer aktuellen Dokumentation des Discovery Channels nun erstmals der Öffentlichkeit vorgespielt. Es tönt unheilvoll: windig, heulend, pfeifend. Laut einem Nasa-Protokoll mutmassten die Astronauten über «a sort of an outer-space-thing» – dass das Geräusch aus dem All kommt.

Man liest: «Boy, that sure is weird music.» «We’re going to have to find out about that. Nobody will believe us.»

Nach einer Stunde verstummten die mysteriösen Klänge wieder. Die Crew diskutierte darüber, ob sie der Kommandozentrale diese Erfahrung besser vorenthalten sollte – niemand werde ihnen glauben, waren sie sich sicher.

Das Summen geladener Teilchen?

Schall kann sich im Weltall nicht ausbreiten. Es gibt aber elektromagnetische Schwingungen im All, die von komplexen Interaktionen geladener Partikel ausgehen. Solche Schwingungen können von Funkantennen erfasst werden und als Schall wiedergegeben werden. 1997 startete etwa die Cassini-Huygens-Doppelsonde, die nach siebenjähriger Reise den Saturn erreichte und ähnliche Geräusche aufnahm, wie sie die Apollo-10-Astronauten hörten. Hier ist man sicher, dass die Töne von geladenen Partikeln stammen, die sich durch das magnetische Feld und die Atmosphäre von Saturn bewegen. Der Mond hat aber weder ein magnetisches Feld noch eine Atmosphäre. Die Apollo-10-Crew muss also etwas anderes gehört haben.

Laut der Discovery-Channel-Dokumentation sei die Weltraummusik der Apollo 10 bis heute ein ungelöstes Rätsel. Es wird gezielt Interpretationsraum für das Zutun Ausserirdischer gewahrt. Die Nasa widerspricht aber: Man gehe nicht davon aus, dass die Töne das Werk Ausserirdischer seien. Die hauseigenen Funkspezialisten würden vermuten, dass eine Überlagerung zweier Funksignale die Geräusche in der Kapsel erzeugten.

Für das Testen des Landeprozesses wurde bei Apollo 10 die Mondlandefähre nämlich vom Raumschiff abgetrennt und mittels der Abstiegstufe bis 14 Kilometer über die Mondoberfläche gebracht, während das Raumschiff in seiner höheren Umlaufbahn 110 Kilometer über dem Mond blieb. Demnach hätten die Astronauten wohl immer dann die seltsamen Geräusche gehört, wenn ihr Funksignal sich mit jenem ihres Raumschiffs rund 100 Kilometer über ihnen traf. Das würde auch erklären, weshalb von der früheren Apollo-8-Mission keine Geräusche aufgezeichnet wurden. Denn damals wurde der Landeprozess nicht geprobt. Die Crew trennte sich nie vom Raumschiff, womit keine Überlagerung stattfinden konnte.

Doch auch diese Erklärung überzeugt offenbar nicht restlos. So sagte der US-Astronaut Al Worden, der auf der späteren Apollo-15-Mission war: «Wenn da etwas aufgenommen wurde, dann war da auch etwas.» Wären die Geräusche technischen Ursprungs gewesen, dann hätten seine Astronautenkollegen sie als solche erkannt, ist er überzeugt.

Nie darüber gesprochen

Die Crew von Apollo 10 soll öffentlich nie über ihre Erfahrung gesprochen haben. Gemäss den strengen Richtlinien des US-Weltraumprogramms wurden Astronauten, die psychische Auffälligkeiten zeigten, strikt suspendiert. Die Apollo-10-Crew fürchtete sich, für verrückt erklärt zu werden, so die Interpretation in der Discovery-Channel-Dokumentation.

Der Schweizer Raumfahrtexperte Bruno Stanek, der die Apollo-10-Astronauten Tom Stafford, Eugene Cernan und John Young persönlich kennt, glaubt das allerdings nicht: «Wie ich mich erinnere, haben Stafford und Cernan das Ganze nie ernst genommen und eher als ein Artefakt aus dem Kopfhörer gedeutet. Young hätte ich gar nicht erst zu fragen gewagt. Er war bekanntermassen sehr schnippisch.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2016, 16:09 Uhr

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