Wespenplage – das müssen Sie wissen

2018 ist schon jetzt ein Rekordjahr für Wespen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Umgang mit den Insekten.

Werden von süssen Speisen und Getränken besonders angelockt: Wespen in einem Glas. Bild: Getty Images

Werden von süssen Speisen und Getränken besonders angelockt: Wespen in einem Glas. Bild: Getty Images

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Kaum steht auf dem Balkon oder im Garten das Essen auf dem Tisch, sind die ungebetenen Gäste auch schon zur Stelle: Gierig stürzen sich Wespen auf die Wurst vom Grill oder das Süssgetränk. Die kleinen Raubinsekten gehören zu den lästigsten Aspekten des Sommers.

Und heuer gibt es sie besonders zahlreich. «2018 wird ein extremes Wespenjahr», sagte Gabi Müller, Leiterin der Schädlingsprävention der Stadt Zürich, kürzlich zu DerBund.ch/Newsnet. Gemäss Zahlen von Wespeneinsätzen der Feuerwehr im ganzen Land ist es bereits jetzt ein Rekordjahr.

Einsatz mit Schutzbekleidung: Zwei Feuerwehrmänner rücken im Kanton Zürich wegen eines Wespennests aus. Video: Ruedi Baumann

Doch warum hat es derzeit so viele Wespen? Und was kann man gegen die Plagegeister unternehmen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wieso gibt es dieses Jahr so viele Wespen?
Seit Wochen ist es heiss und trocken – ideale Voraussetzungen, damit Wespenpopulationen besonders gut wachsen. Zudem war schon der Frühling überdurchschnittlich warm. Die Königinnen, die überwintern, erwachten deshalb schon im April statt erst im Mai aus der Winterstarre und konnten früher mit dem Nestbau und dem Aufbau ihrer Völker starten.

Welche Wespen sind besonders aufdringlich?
Es gibt hierzulande neun Wespenarten, wozu auch die Hornissen zählen. Nur zwei davon werden uns aber lästig: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Sie werden vom Essen angelockt und werden als aggressiv empfunden, weil sie oft aufdringlich sind und den Menschen hektisch umfliegen. Dabei sind sie weder aufgeregt noch stechlustig. Die Tiere sehen auf kurze Entfernungen schlicht nicht gut und kompensieren das durch hohe Fluggeschwindigkeit.

Trotzdem haben sie den Wespen ihren schlechten Ruf eingebracht. Alle anderen Arten sind nützliche Schädlingsbekämpfer und friedfertig, solange sie nicht durch den Menschen gestört werden.

Was provoziert die Tiere?
Wenn Wespen herumschwirren, neigen viele Menschen dazu, die Tiere mit der Hand zu vertreiben. Fuchteln und Schlagen, allgemein hastige Bewegungen machen sie aber nervös. Auch ein längeres Verstellen der Flugbahn und vor allem das Wegpusten empfehlen sich nicht. Das CO2 in unserer Atemluft macht sie aggressiv. Wenn man (unbeabsichtigt) einem Nest zu nahe kommt, verteidigen die Wespen ihr Revier und können uns im Notfall mit ihren giftigen Stichen verletzen.

Wie gefährlich sind Stiche?
Im Gegensatz zu den Bienen behalten die Wespen nach dem Stich den Stachel und können somit mehrmals stechen. Dies ist zwar schmerzhaft, aber im Normalfall nicht besonders gefährlich. Anders sieht es bei Allergikern aus: Für sie kann ein Stich lebensbedrohlich sein. In der Schweiz leiden 3,5 Prozent der Bevölkerung an einer Insektengiftallergie. Sie reagieren auf einen Stich mit starken Schwellungen, Juckreiz, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit. Im schlimmsten Fall kann es zu einem allergischen Schock kommen. Schweizweit kommt es jährlich zu 3 bis 4 Todesfällen.

Allergiker müssen Stiche sofort mit einem Medikament behandeln. Ausgerechnet jetzt gibt es laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung aber einen Engpass beim Injektionsmittel Epipen. Es hat die Arztpraxen deshalb aufgefordert, keine Hamsterkäufe von Epipen zu tätigen.

Wie kann man sich schützen?
Experten raten Allergikern zu einer spezifischen Immuntherapie. Bei allen anderen ist das nicht nötig. Sie können sich ein paar einfacher Regeln bedienen. So sollte man zum Beispiel draussen kein grosses Buffet aufbauen, sondern nur so viel Essen mit rausnehmen, wie man wirklich isst. Bier lockt Wespen ebenfalls an, also nie direkt ab Flaschen oder Dosen trinken. Zudem wird von stark parfümierten Haarsprays, Shampoos und Sonnencremen abgeraten. Man kann versuchen, die Insekten mit Lebensmitteln weit genug vom Tisch entfernt abzulenken. Aber Vorsicht: Diese Massnahme kann noch mehr Wespen anlocken.

Bei Wespennestern in unmittelbarer Nähe Ihres Wohnortes sollten Sie die Feuerwehr rufen. Sie können auch Ihre Vermietung damit beauftragen, einen Schädlingsbekämpfer kommen zu lassen. Schutz bieten ausserdem Insektenschutzgitter, insbesondere in Schlafräumen. Ein Tipp fürs kommende Jahr: Kleine Öffnungen und Löcher unter dem Dach oder in Storenkästen schon vor dem Frühling mit geeigneten Mitteln abdichten.

Wie kann man Wespen vertreiben?
Um sich die Raubinsekten vom Leib respektive vom Tisch zu halten, kursieren unzählige Tipps im Internet: Basilikumblätter, Kaffeepulver, Duftkerzen usw. Ihnen gemeinsam ist, dass sie alle nicht wirklich helfen. Was sich allerdings bewährt hat: Eine Sprühflasche mit Wasser füllen und die Insekten mit dem Sprühnebel nass machen. Sie nehmen dann an, es regne, und ziehen sich im Idealfall ins Nest zurück. Alternativen sind verschiedene Produkte und Wespenfallen, die es im Handel zu kaufen gibt.

Wann verschwinden die Wespen wieder?
Bei Wespen sterben nach dem Sommer alle Tiere bis auf die jungen Königinnen. Die meisten Wespenarten sind ab Ende August wieder verschwunden. Spätestens nach den ersten Frostnächten im Herbst gehen dann auch die Deutsche und die Gemeine Wespe ein.

(wig./AFP)

Erstellt: 08.08.2018, 17:15 Uhr

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