Warum das Beben nicht zur Katastrophe wurde

Die wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Erdbeben in Mexiko.

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Warum sind die Schäden trotz der grossen Stärke 8,2 verhältnismässig gering?
Die Tiefe und der Ort des Erdbebens sind entscheidend, neben der Dichte und der Art der Besiedlung, für das Ausmass der Schäden. Liegt das Zentrum weniger tief als 10 Kilometer, dann sind die Schäden bei vergleichbarer Bebenstärke weitaus grösser als bei grösseren Tiefen. Starke Beben sind ab einer Tiefe von 25 Kilometern selten katastrophal. Das Beben vor der pazifischen Küste Mexikos war laut dem amerikanischen geologischen Dienst (USGS) in einer Tiefe unter dem Meer von knapp 70 Kilometern. Am stärksten betroffen ist das Gebiet um Pijijiapan an der Küste, dort ist mit grossen Schäden zu rechnen, die Region ist jedoch gering besiedelt.

Das Gebiet um Pijijiapan ist gering besiedelt. Karte: USGS

Warum war 1985 das Beben für Mexiko-Stadt bei gleicher Stärke katastrophal?
Das liegt vor allem an der geringen Tiefe des Herdes. Er lag 1985 15 Kilometer tief. Mexiko-Stadt ist jedoch im Vergleich zu anderen Regionen bei jedem grossen Beben stärker betroffen: Die Stadt ist auf einem ausgetrockneten See erbaut worden. Diese Sedimentschichten verstärken laut dem deutschen Geoforschungszentrum GFZ die durch ein Erdbeben ausgelösten Bodenbewegungen.

Gehört die Region zu den gefährlichsten Erdbebengebieten weltweit?
Die Wahrscheinlichkeit für starke Beben ist hier gross. Ereignisse mit einer Stärke zwischen 7 und 8 gibt es immer wieder. Die Ursache: Zwei tektonische Platten der Erdkruste bewegen sich vor der pazifischen Küste aufeinander. Die Cocos-Platte, ein Teil der Pazifischen, schiebt sich dabei unter die Nordamerikanische. Solche Regionen nennt man Subduktionszone. So verläuft entlang der Pazifikküste von Mexiko der Mittelamerikagraben, eine bis zu 6642 Meter tiefe und 2500 Kilometer lange Tiefseerinne. Die Platten bewegen sich mehrere Zentimeter pro Jahr. Dabei wird eine tektonische Spannung in der Erdkruste aufgebaut, die plötzlich durch einen Ruck entlang von Gesteinsnähten freigesetzt wird.

Video: Erdbeben in Mexiko

Die Erschütterung war in der Hauptstadt zu spüren: Das Epizentrum liegt rund 736 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt. Video: Tamedia/AP

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hurrikanen und Erdbebenereignissen?
Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Arbeiten, die einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen feststellen. Allerdings ist es laut GFZ durchaus möglich, dass das starke Beben die Aktivität einzelner Vulkane in der Region erhöht hat.

Sind Voraussagen von Erdbeben möglich?
Bis heute ist es nicht möglich, bereits Stunden oder sogar Tage zuvor ein Beben vorauszusagen. Dazu gibt es keine Indikatoren, die gemessen werden könnten. Möglich sind Warnungen wie zum Beispiel beim Frühwarnsystem in Istanbul, das 15 bis 60 Sekunden nach einem Ereignis Spitäler informiert oder bei Verkehrssystemen die Ampeln auf Rot stellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2017, 15:06 Uhr

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