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Tonnen über Tonnen von Plastik im Meer

Mindestens 5,25 Billionen Plastikteilchen findet man in den Ozeanen. Auch in Seen wie dem Genfersee werden Mikroplastikteilchen zum Problem.

Fast 270'000 Tonnen Plastikmüll schwimmen im Meer und gefährden das Ökosystem: Fische schwimmen im Roten Meer um einen Plastiksack herum.
Fast 270'000 Tonnen Plastikmüll schwimmen im Meer und gefährden das Ökosystem: Fische schwimmen im Roten Meer um einen Plastiksack herum.
Epa/Mike Nelson, Keystone
Auch im Genfersee wurde eine hohe Konzentration von Plastikteilchen entdeckt: Ein Schild warnt wegen Umweltverschmutzung vor dem Baden im Lac Leman.
Auch im Genfersee wurde eine hohe Konzentration von Plastikteilchen entdeckt: Ein Schild warnt wegen Umweltverschmutzung vor dem Baden im Lac Leman.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Jährlich gelangen 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer: Ein Freiwilliger zeigt Plastikabfall, der am Strand von La Rochelle, Frankreich gefunden wurde.
Jährlich gelangen 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer: Ein Freiwilliger zeigt Plastikabfall, der am Strand von La Rochelle, Frankreich gefunden wurde.
Reuters
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Mehr als fünf Billionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von fast 269'000 Tonnen treiben Schätzungen zufolge in den Weltmeeren. Der Grossteil dieses Mülls besteht aus Krümeln und befindet sich in grossen subtropischen Meereswirbeln.

Das berichtet eine internationale Forschergruppe um den amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles in der Fachzeitschrift «PLOS ONE».

Dass die Ozeane - und immer öfter auch Seen wie der Genfersee - mit grossen Mengen Plastikmüll verschmutzt sind, ist bekannt. Doch eine genaue Abschätzung dieses Problems ist schwierig. Eriksen und seine Kollegen haben für ihre Berechnung nun Daten aus 24 Untersuchungen mit mehr als 1500 einzelnen Sammlungen und Beobachtungen zusammengetragen.

Müll sammelnde Meereswirbel

Diese umfassen nicht nur alle fünf subtropischen Meereswirbel – kreisförmige Strömungen, an denen sich besonders viel Müll sammelt – sondern auch belebte Küstengebiete vor Australien, den Golf von Bengalen und das Mittelmeer. Zudem decke die vorliegenden Studie erstmals auch grössere Plastikteile mit mehr als fünf Millimeter Durchmesser ab, erklären die Forscher.

Ein Vice-Reporter segelte 2008 mit einem Forschungsteam zum Müll im Nordpazifikwirbel. (Video: Youtube/Vice)

Mit Hilfe der gesammelten Daten errechneten Eriksen und seine Kollegen die Verbreitung von Plastikmüll auf allen Weltmeeren. Mindestens 5,25 Billionen Plastikteilchen mit einem Gesamtgewicht von fast 269'000 Tonnen treiben demnach auf den Ozeanen herum. Nahe der Küsten sind grosse Stücke häufiger, beispielsweise Flaschen oder Styroporteile.

In den Ozeanwirbeln werden diese grossen Stücke dann zusehends zerkleinert, erklären die Forscher. Die kleinsten Krümel finden sich in abgelegenen Gebieten nahe dem Nordpol. Das deute darauf hin, dass die Wirbel den Plastikmüll wie ein Reisswolf zerkleinern und dann wieder im Ozean verteilen.

In die Tiefe

Ein Vergleich der Mengen an grossem Plastikmüll und den daraus entstehenden Kleinteilchen ergab, dass ein grosser Teil dieses sogenannten Mikroplastiks von der Meeresoberfläche verschwindet, berichten die Forscher.

Teil 2 der Vice-Reportage. (Video: Youtube/Vice)

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Müllteppiche in den fünf subtropischen Meereswirbeln nicht die letzte Ruhestätte des umhertreibenden Plastikmülls sind», sagt Eriksen in einer Mitteilung von «PLOS ONE». Die Krümel könnten zum Beispiel durch Absinken oder Zersetzung in tiefere Meeresregionen gelangen.

In einer im April ebenfalls in der Fachzeitschrift «PLOS ONE» veröffentlichten Studie, die den Müll auf dem Meeresgrund vor Europa untersuchte, fanden Forscher beispielsweise an allen untersuchten Stellen des Meeresbodens Abfälle - von den Küsten bis in die Tiefseegräben. «Der Endeffekt des Mikroplastiks ist sein Einwirken auf den gesamten Lebensraum Meer», betont Eriksen.

Teil 3 der Vice-Reportage. (Video: Youtube/Vice)

Laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms Unep gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise: Tiere - insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel - können sterben, wenn sie den Müll fressen oder sich darin verfangen. Auch können giftige Substanzen angereichert oder die Ausbreitung invasiver Arten gefördert werden. Durch die Haltbarkeit von Plastik bleibt das Problem lange bestehen.

Plastikteile im Genfersee

Aber nicht nur im Meer, auch in den Binnengewässern werden Plastikmüll und insbesondere die Mikroplastikteilchen zusehends zum Problem. Im Genfersee haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) letztes Jahr nach eigenen Angaben überraschend hohe Konzentrationen von winzigen Plastikteilchen gefunden.

Die Kunststoffe fanden sich an Stränden, im Wasser und im Vogelkot. Am häufigsten waren Styropor-Kügelchen. Es fanden sich aber auch viele harte Kunststoffe, Plastikmembrane und Teile von Angelschnüren. Auch in der Donau und im Gardasee wurden bei Untersuchungen im letzten Jahr massenweise Plastikkrümel entdeckt.

SDA/jym

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