Zum Hauptinhalt springen

«Seit 2001 hat sich die Zahl der Fälle mehr als verzehnfacht»

Die Asiatische Tigermücke dringt über die Alpen nach Norden. Sie überträgt das Dengue-Fieber, das immer stärker um sich greift. Die Fussball-WM potenziert das Risiko einer Ausbreitung nach Europa.

Keystone

Dengue-Fieber verbreitet sich rasant um die Welt. Die Viren bedrohen Milliarden Menschen in über 100 Ländern. Selbst in Europa gab es wiederholt Infektionen. Auch Urlauber sind gefährdet – etwa bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Per Flugzeug oder Schiff reisen Menschen und Waren um die Welt. Oft sind blinde Passagiere mit an Bord, etwa Mücken und Krankheitserreger. Sie können Tropenkrankheiten weltweit verbreiten – auch nach Europa. Gerade Dengue-Fieber breitet sich seit Jahren rapide aus: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stieg die Zahl der Fälle in den vergangenen 50 Jahren um das 30-Fache.

Dengue-Fieber zählt zu den Erkrankungen, deren Erreger durch sogenannte Vektoren, übertragen werden, die selbst nicht erkranken – in diesem Fall Mücken. Der Weltgesundheitstag am 7. April ist den vektorübertragenen Krankheiten gewidmet.

Dengue-Viren bedrohen der WHO zufolge zurzeit etwa 2,5 Milliarden Menschen. Forscher schätzten vor einem Jahr, dass sich jährlich rund 390 Millionen Menschen mit dem Erreger infizieren.

Seit 2001 verzehnfacht

In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr 879 Dengue-Infektionen, die Reisende sich unterwegs zugezogen hatten. «Das sind so viele gemeldete Fälle wie noch nie. Seit 2001 hat sich die Zahl mehr als verzehnfacht», sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Auch in der Schweiz nehmen die Fälle zu: Im ersten Halbjahr 2013 wurden dem Bundesamt für Gesundheit 75 Fälle gemeldet – so viele wie im ganzen Jahr 2010. Einen Schutz vor der Krankheit, etwa in Form einer Impfung, gibt es nicht. Lediglich lange Kleidung oder mückenabwehrende Mittel senken das Risiko, von einer infizierten Mücke gestochen zu werden.

Im Fall einer Infektion reicht das klinische Spektrum von milden Formen, die fast symptomfrei verlaufen, über grippeartige Beschwerden mit Muskel- und Gelenkschmerzen bis zu hohem Fieber. In seltenen Fällen treten Schock oder Blutungen auf, die tödlich enden können.

Durch Reisende eingeschleppt

Die Krankheit wird nicht nur aus Ländern wie etwa Thailand, Indien oder Brasilien eingeschleppt, auch in Europa können sich Menschen den Erreger zuziehen: 2010 wurde ein Reisender in Kroatien mit dem Dengue-Virus infiziert, kurz darauf gab es Fälle in Südfrankreich.

2012 infizierten sich auf der portugiesischen Insel Madeira mehr als 2000 Menschen. Zwar gilt der Ausbruch dort als beendet, aber dauerhafte Entwarnung gibt es für Madeira nicht. «Es kann immer wieder zu einem Ausbruch kommen», sagt Thomas Jänisch vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Hauptüberträger von Dengue-Viren sind zwei Mückenarten, wie Jänisch erklärt: die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Im Tessin angesiedelt

Die Asiatische Tigermücke lebt inzwischen etwa in Italien, Frankreich, Spanien und seit etwa drei Jahren auch in Süddeutschland. In der Schweiz hat sie sich schon vor Jahren im Tessin angesiedelt; 2013 wurden erstmals Eier nördlich der Alpen gefunden.

Allerdings trug in Deutschland – wie auch in der Schweiz – bisher kein untersuchtes Exemplar das Dengue-Virus, sagt Schmidt-Chanasit. Zumindest theoretisch könnte sich das jederzeit ändern: «Prinzipiell kann jede Mücke, die einen Infizierten sticht, das Virus weiter übertragen», sagt Schmidt-Chanasit.

Risiko Fussball-Weltmeisterschaft

Ein Risiko für die weitere Ausbreitung des Dengue-Fiebers sind internationale Grossveranstaltungen. Zur Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien werden allein aus Deutschland Zehntausende Besucher erwartet. Manche Bundesstaaten wie etwa Bahia, wo auch das deutsche Team spielt, seien Hochendemie-Gebiete, sagt Schmidt-Chanasit. Dort tritt Dengue gehäuft auf.

Mit den vielen Fans, die zur WM reisen, steige die Gefahr, dass infizierte Mücken nach Europa gelangen. Ausserdem könnten sich Reisende in Brasilien unbemerkt infizieren und das Dengue-Virus zu Hause auf Asiatische Tigermücken übertragen. Und wenn Mücken das Virus einmal in sich tragen, können sie es auch an ihre Nachkommen weitergeben.

SDA/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch