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Raubbau macht 25 Prozent der globalen Landflächen unbrauchbar

Laut einer Studie, die am Rande des Klimagipfels in Durban vorgestellt wurde, droht ein «Einbrechen der globalen Versorgungssysteme». Auch in Europa seien ganze Landstriche betroffen, warnen Wissenschaftler.

Kein Tropfen Flüssigkeit mehr: Dürre im September 2011 in Texas.
Kein Tropfen Flüssigkeit mehr: Dürre im September 2011 in Texas.
Keystone
Trocken wie am Mittelmeer: Die mangelnden Niederschläge in der Schweiz haben zu einem tiefen Pegel im Verzasca-Stausee geführt. (20. Oktober 2011)
Trocken wie am Mittelmeer: Die mangelnden Niederschläge in der Schweiz haben zu einem tiefen Pegel im Verzasca-Stausee geführt. (20. Oktober 2011)
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Magere Ausbeute in Indien: Frau in Indien sucht Äste vor dem Taj Mahal. (Archivbild 2002)
Magere Ausbeute in Indien: Frau in Indien sucht Äste vor dem Taj Mahal. (Archivbild 2002)
Keystone
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Zum Auftakt des Weltklimagipfels in Durban haben die Vereinten Nationen in Rom vor einem Verschleiss von Land- und Wasserressourcen mit verheerenden Folgen gewarnt. Schon heute seien 25 Prozent der Landflächen für die Landwirtschaft unbrauchbar, hiess es in einem neuen Bericht über den Zustand der weltweiten Land- und Wasserressourcen (SOLAW) der UNO- Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

Aufgrund einer Kombination aus steigender Bevölkerung, unhaltbaren Praktiken in der Landwirtschaft und fortschreitendem Klimawandel drohe ein «Einbrechen der globalen Versorgungssysteme». «Die heutigen Produktionssysteme werden möglicherweise nicht einmal mehr in der Lage sein, wie bisher erwartet, die Nachfrage zu befriedigen», erklärte der FAO-Direktor Jacques Diouf.

Die Versorgung der für 2050 auf 9 Milliarden Menschen geschätzten Weltbevölkerung sei zunehmend infrage gestellt. Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung in Form von Hunger und Armut seien nicht hinnehmbar, erklärte Diouf. «Wir müssen jetzt handeln».

Keine Region immun

Dem Bericht zufolge ist ein Viertel der weltweiten Landressourcen hochgradig unbrauchbar. Acht Prozent der Gebiete sind mittelschwer und 36 Prozent leicht betroffen. 40 Prozent der landwirtschaftlich unbrauchbaren Gebiete lägen in den armen Ländern.

Doch sei keine Region der Welt immun. Das Problem betreffe die Westküste Nord- und Südamerikas, die südeuropäische Mittelmeerregion wie auch Nordafrika und Asien. Nur zehn Prozent der Landressourcen des Planeten überhaupt wurden positiv beurteilt.

Als Schlüsselelement für eine Verbesserung der Situation sieht der Bericht vor allem eine effizientere Wasserwirtschaft. Aber auch neue Praktiken im Agrikulturbereich - wie etwa mit Vieh- oder Forstwirtschaft kombinierter Anbau - könnten helfen.

Allein um die Wasserwirtschaft in den Entwicklungsländern bis 2050 zu verbessern seien Investitionen von knapp einer Billion Dollar notwendig, so die FAO. Weltweit hungern heute laut dem letzten Welthungerbericht der FAO etwa 925 Millionen Menschen.

WWF befürchtet Verlust von Waldflächen

Der Umweltverband WWF befürchtet bis 2030 den Verlust von 1,25 Millionen Quadratkilometer Wald, sollten keine wirksamen Gegenmassnahmen ergriffen werden. Das geht aus einem Bericht hervor, den der WWFam Rande der UN-Klimakonferenz in Durban vorstellte.

Die gigantische Abholzung würde bis 2030 rund 24 Gigatonnen CO2 freisetzen, heisst es darin weiter. Das wären mehr Emissionen, als sie der gesamte Verkehr in der Welt verursache. Auf der Konferenz im südafrikanischen Durban wird unter anderem über die Ausgestaltung und Umsetzung des sogenannten REDDplus-Programms für Waldschutz beraten. Dieses sieht vor, dass waldreiche Entwicklungsländer durch Zahlungen der Industriestaaten dafür entschädigt werden, dass sie ihren Wald bewahren und nicht aus wirtschaftlichen Gründen abholzen.

Den WWF-Angaben zufolge wären bis 2020 etwa 30 bis 50 Milliarden US-Dollar aus öffentlichen und privaten Mitteln erforderlich, um die Abholzung zu stoppen. «Die Kosten durch den Klimawandel würden ein Vielfaches ausmachen», erklärte dazu der Waldexperte von WWF International, Gerald Steindlegger. Auch spätere Neupflanzungen seien keine Lösung, weil junge Bäume zunächst viel weniger CO2 speichern als ältere.

Zuma warnt vor sozialen Folgen

Zum Beginn der Weltklimakonferenz in Durban hat der südafrikanische Präsident Jacob Zuma vor den sozialen und politischen Folgen des Klimawandels gewarnt. In Afrika verursache die Klimaerwärmung bereits Leid und Konflikte, sagte Zuma in seiner Eröffnungsrede.

«Für die meisten Menschen in Entwicklungsländern und Afrika ist der Klimawandel eine Frage von Leben und Tod», sagte der Präsident. Er forderte die Delegierten aus 191 Staaten und der EU auf, jenseits ihrer nationalen Interessen nach Lösungen zu suchen. Zuma machte die Dürre im Sudan für die bewaffneten Konflikte dort verantwortlich.

Zudem habe die jüngste Hungersnot die Menschen in Somalia aus ihrer Heimat vertrieben. Und auch in Südafrika hätten Überschwemmungen in den Küstenregionen Häuser und Arbeitsplätze vernichtet. «Veränderungen und Lösungen sind immer möglich. In den Gesprächen müssen die Parteien über ihre nationalen Interessen hinausblicken, um eine globale Lösung für das Allgemeinwohl und zum Nutzen der Menschheit zu finden», sagte Zuma.

Senkung von Treibhausgasemissionen

Bei der zweiwöchigen Konferenz soll vor allem eine Einigung über die Senkung von Treibhausgasemissionen erzielt werden. Zur Debatte steht ein rechtlich verbindliches Abkommen, das das Kyoto-Protokoll ablösen soll. Ein Grossteil der Industrienationen hat ihre Zustimmung zu einem solchen Vertrag von der Bereitschaft von Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien abhängig gemacht.

UN-Klimachefin Christiana Figueres nannte die Reduzierung des Ausstosses von Treibhausgasen «das massgebliche Thema dieser Konferenz». Das sei zwar eine grosse Herausforderung. «Alles scheint unmöglich, bis es getan wird», zitierte sie jedoch auch den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela.

Vertreter von Nichtregierungsorganisationen erklärten, das Ergebnis der Konferenz sei vollkommen unklar. «Alles scheint in Bewegung zu sein. Alles steht auf dem Spiel», sagte Tasneem Essop von der Umweltschutzorganisation WWF.

sda/dapd/miw

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