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Populäre Pilzirrtümer

Mit dem Herbst steht auch die Pilzsaison wieder vor der Tür: Einige verbreitete Irrtümer sorgen dabei nicht nur für Verwirrung, sondern können auch ganz schön gefährlich werden.

Pilze gibt es nur im Herbst:Keineswegs. Es existieren sogar regelrechte Winterpilze, wie der Austernseitling (Pleurotus ostreatus), der auf Frost angewiesen ist, um überhaupt Fruchtkörper ausbilden zu können, oder auch der Forstschneckling. Ab Juni und vor allem ab September nimmt die Anzahl der Pilze, die wir hier zu Lande finden, allerdings deutlich zu.

Die Pilze haben meist einen Stiel und ein Schirmchen: Mal ganz abgesehen davon, dass viele Pilze diese Form nicht aufweisen, so sind selbst die Gebilde mit Stiel und Schirm gar keine Pilze, sondern lediglich deren Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz sitzt als Myzel im Boden. Aus diesem Grund sollte man die Löcher, die entstehen, wenn man den Fruchtkörper mit einem Messer aus dem Boden heraushebelt, wieder verschliessen. So bleibt das Myzel geschützt.

Ein Pilz lebt nur eine Saison lang:Ganz im Gegenteil vergehen lediglich viele Fruchtkörper innerhalb kurzer Zeit, der eigentliche Pilz, also das Myzel, aber lebt länger. Eines der ältesten Lebewesen der Welt ist ein Hallimasch im Malheur National Park in den USA. Das mehrere Quadratkilometer grosse Myzel wird von Experten auf ein Alter von 2400 Jahren geschätzt.

Frassspuren von Tieren bedeuten, dass der Pilz ungiftig ist: Auf Frassspuren sollte man sich nie verlassen, das kann sogar tödlich enden, denn viele Tiere ernähren sich von Pilzen, die für den Menschen giftig sind.

Als Sammelgefäss eignet sich am besten eine Plastiktüte: Auf keinen Fall. Pilze müssen locker und luftig liegen, um nicht zu verderben. Auch Speisepilze können bei unsachgemässer Lagerung Giftstoffe entwickeln. Am besten eignet sich ein Korb.

Gifte erkennt man daran, dass sich mitgekochtes Silber verfärbt: Es gibt keine einfachen Hausmittel, mit deren Hilfe man Giftpilze zweifelsfrei ausschliessen kann. Das notwendige Fachwissen hat nur ein geprüfter Pilzsachverständiger (siehe auch Info am Artikel-Ende).

Je schwerer eine Vergiftung ist, desto früher macht sie sich bemerkbar: Es ist genau umgekehrt. Vor allem lebensgefährliche Vergiftungen machen sich erst ab etwa sechs Stunden nach der Mahlzeit bemerkbar. Es kann sogar sein, dass die Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Schwindelgefühl erst 48 Stunden zeitverzögert auftreten. Auf jeden Fall sollte bei ersten Anzeichen sofort der Arzt aufgesucht werden (Reste der Pilzmahlzeit zur Giftbestimmung mitbringen).

Die grösste Gefahr geht vom Fliegenpilz aus: Der Fliegenpilz ist zwar giftig, aber nicht so schlimm wie sein Ruf – einige kleine Stückchen oder gar ein kleiner Pilz sind im Allgemeinen nicht tödlich. Der gefährlichste Giftpilz ist hier zu lande der grüne Knollenblätterpilz, auf dessen Konto fast alle Vergiftungen durch Giftpilze gehen. Auch heute noch sterben über zehn Prozent an den Folgen. Die weitaus meisten Vergiftungen werden aber nicht durch die eigentlichen Giftpilze verursacht, sondern durch eine «unechte Pilzvergiftung», wie Fachleute das nennen, also durch falsch gelagerte, überalterte und mit Krankheitserregern kontaminierte Speisepilze. Grossen Schaden können Pilze, wie Kartoffelfäule oder Echter Mehltau, auch in der Land- und Forstwirtschaft anrichten. Im 19.Jahrhundert verdarben Pilze in Irland drei Kartoffelernten hintereinander. Hungersnöte waren die Folge, etwa eine Millionen Iren starben damals.

Bei Vergiftungen sollte man möglichst viel Milch oder Salzwasser trinken: Weder die gute alte Finger-in-den-Hals-Methode noch Salzwasser helfen bei Vergiftungen, da sich deren Symptome erst Stunden nach der Mahlzeit bemerkbar machen. Und dann ist es meist zu spät, um sich der Pilzmahlzeit folgenlos zu entledigen. Auch auf Milch ist kein Verlass: Sie neutralisiert das Gift nicht.

Pilze, die im Handel erhältlich sind, werden heute künstlich angebaut: Das ist ein Irrtum. Zwar lassen sich einige Sorten, wie Champignons oder Austernseitlinge, gut künstlich anbauen, aber viele Arten, wie etwa die Pfifferlinge, nicht. Das bedeutet aber auch, dass die im Handel erhältlichen Pfifferlinge schon eine längere Reise hinter sich haben und nicht mehr allzu lange im Kühlschrank auf ihre Weiterverarbeitung warten sollten.

Pilzgerichte sollte man nicht wieder aufwärmen: Als es noch keine Kühlschränke gab, war das in der Tat vor allem bei warmer Witterung nicht sehr zu empfehlen. Gut gekühlt kann eine fertige Pilzmahlzeit aber durchaus für den nächsten Tag aufbewahrt werden.

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