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Mehr Köpfchen dank Kooperation

Intelligente Vogelarten kommen häufiger vor als kluge Säugetiere – weil Vögel einander häufiger helfen, Junge aufzuziehen.

Wie Forscher der Universität Zürich herausfanden, sparen die Tiere auf diese Weise Energie, die sie in die Entwicklung des Gehirns investieren können. Carel van Schaik und Karin Isler vom Anthropologischen Institut und Museum der Universität Zürich trugen für ihre Studie Daten von rund 400 Vogel- und 540 Säugetierarten zusammen. Sie untersuchten, wie die Gehirngrösse der Arten mit dem Fortpflanzungserfolg und der Fortpflanzungsgeschwindigkeit zusammenhängen.

Seit langem ist bekannt, dass grosse Tiere langsamer wachsen und weniger Nachkommen haben als kleine. «Wir aber stellten die Hypothese auf, dass es in Wahrheit die Gehirn- und nicht die Körpergrösse ist, die die Geschwindigkeit bestimmt, mit der eine Population wachsen kann», sagt van Schaik auf Anfrage.

Das Hirn als «teures» Organ

Das Gehirn ist, so Schwaik weiter, nämlich ein besonders «teures» Organ; es verbrauche pro Gramm viel mehr Energie als andere Körperteile wie Muskeln. Investiert nun ein Tier viel in Intelligenz, so die Annahme zu der Studie, bleibt weniger Energie für die Fortpflanzung.

Tatsächlich zeigte die Untersuchung, dass bei den untersuchten Säugetieren Gehirn- und nicht Körpergrösse bestimmen, wie rasch eine Art sich vermehren kann. Diese Resultate wurden kürzlich in der Fachzeitschrift «Biology Letters» publiziert.

Bei Vögeln entdeckten die Forscher diesen Zusammenhang nur bei Nestflüchtern. Bei Nesthockern hingegen fanden sich keine Hinweise darauf, dass in Intelligenz investierte Energie bei der Fortpflanzung eingespart wird. Vogelarten mit vergleichsweise grossen Gehirnen hatten kein langsameres Populationswachstum als weniger kluge.

Hilfsbereitschaft unter Vögeln

«Das hatten wir erwartet», sagt van Schaik, «denn bei den allermeisten Vogelarten, die ihre Jungen nach der Geburt noch füttern und pflegen, hilft auch der Vater dabei - und oft gar zusätzliche Verwandte.» Die Weibchen werden so entlastet.

So kooperative Tiere können so beides haben: eine rasche Fortpflanzung und ein grosses Gehirn. Das widerspiegle sich auch in einem Vergleich über ganze Tierklassen, sagt van Schaik. Intelligente Artgruppen seien bei den Vögeln im Verlauf der Evolution häufiger entstanden als bei den Säugetieren.

Gültigkeit auch für Menschen

Auch bei Säugetieren gibt es Gruppen und Arten, bei denen das Weibchen bei der Aufzucht der Jungen nicht auf sich alleine gestellt ist. Neben dem Menschen gehören dazu beispielsweise diverse Arten von Hunden.

«Im Einklang mit unserer Hypothese haben diese Arten gemessen an ihrer Körpergrösse ein besonders grosses Gehirn», sagt van Schaik. Es sei also davon auszugehen, dass auch der Mensch unter anderem deshalb so intelligent werden konnte, weil Männer, Grosseltern und Bekannte bei der Erziehung von Kindern mithelfen.

Intelligent, aber ausgestorben?

Die weniger schnelle Fortpflanzungsrate birgt auch Nachteile für Intelligente. Je langsamer eine Population wachsen könne, desto anfälliger sei sie auf Katastrophen, sagt van Schaik. Wird eine solche Art – zum Beispiel durch Hungersnöte oder Erdbeben – stark dezimiert, kann sie sich kaum mehr erholen und riskiert auszusterben.

Ob intelligente Tierarten häufiger aussterben als weniger kluge, möchten van Schaik und Isler nun anhand von Fossilien untersuchen. Einen Hinweis gibt laut dem Anthropologen das Schicksal der Menschenaffen: «Vor 10 Millionen Jahren existierten noch sehr viele Menschenaffen-Arten – heute noch eine Handvoll», sagt er.

SDA/raa

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