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«Mehr als 10'000 Zwergwale wurden erlegt»

Für den Biologen Bruno Mainini ist das Urteil aus Den Haag lediglich ein Etappensieg.

UNO-Gericht anerkennt die Wissenschaftlichkeit des Walfangprogramms nicht an: Ein Zwergwal wird in Kushiro auf der Nordjapanischen Insel Hokkaido von einem Walfangschiff geladen. (September 2013)
UNO-Gericht anerkennt die Wissenschaftlichkeit des Walfangprogramms nicht an: Ein Zwergwal wird in Kushiro auf der Nordjapanischen Insel Hokkaido von einem Walfangschiff geladen. (September 2013)
Keystone

Ist das Urteil aus Den Haag nun ein Meilenstein?

Es ist ein deutliches Signal und ein Etappensieg, um das unnötige Töten der Wale zu stoppen. Doch wenn man ehrlich ist, hat das wissenschaftliche Forschungsprogramm der Japaner in der Antarktis trotz der hohen Anzahl der erlegten Tiere die Population der Zwergwale nicht gefährdet, weil die Art dort nicht bedroht ist. Ein viel grösserer, weltweiter Handlungsbedarf bestünde dagegen vor allem bei der Hochsee­fischerei, weil dort jedes Jahr Schätzungen zufolge um die 100'000 Wale qualvoll in den Netzen verenden.

Wie viele Wale wurden jedes Jahr in der Antarktis zu Forschungszwecken getötet?

Im Zeitraum von 1988 bis 2013 wurden in der Antarktis insgesamt 10'460 Zwergwale und 18 Finnwale getötet. Eigentlich wären diese Zahlen noch höher ausgefallen, hätten die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd vor Ort nicht mehrmals Störaktionen durchgeführt.

Die Antarktis ist ein Schutzgebiet für Wale. Dennoch konnten dort über 10'000 Zwergwale mit einer Sprengharpune erlegt werden. Wie war das möglich?

Japan ist zwar Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC), hat aber im Gegensatz zu den anderen Ländern das Schutzgebiet Antarktis nicht anerkannt und war deshalb auch nicht daran gebunden.

Das UNO-Gericht hat in erster Linie die Wissenschaftlichkeit des Walfangprogramms angefochten.

Ja, weil die Japaner in all den Jahren nur in zwei international renommierten Zeitschriften publiziert haben. Das ist viel zu wenig. Alle anderen veröffentlichten Studien haben sie auf Japanisch in nationalen Zeitschriften erscheinen lassen, was nicht dem Standard in der Wissenschaft entspricht und die notwendigen Kriterien nicht erfüllt.

Kann man das Töten nun auch im zweiten Forschungsprogramm der Japaner im Nordpazifik stoppen?

Das wird sicherlich auch versucht. Denn ich glaube nicht, dass Japan jetzt von sich aus das ebenfalls staatlich finanzierte Projekt zurückzieht. Im Nordpazifik wurden im Vergleich zum Südpazifik weniger Wale getötet. Es wurden dort aber nicht nur Zwergwale, sondern auch andere Arten wie etwa Seiwale, Brydeswale und vereinzelt sogar Pottwale gefangen. Im Zeitraum von 1988 bis 2013 wurden insgesamt 4167 Wale erlegt.

Was haben die Japaner im Auftrag der Wissenschaft untersucht?

Sie haben sich zum Beispiel das Innenohr angesehen, um anhand der Jahresringe der knöchernen Ohrkapsel Altersbestimmungen zu machen. Des Weiteren haben sie die Ernährung untersucht, was Zwergwale fressen und ob sie Nahrungskonkurrenten für andere Arten sind — etwa Buckel- oder Finnwale. Gemäss dem Gerichtsbeschluss hat dies aber nicht das Töten von so vielen Tieren legitimiert.

Was wurde mit dem Walfleisch gemacht?

Man hat es verkauft. Und das ist der andere springende Punkt des Urteils: Es wurde damit Geld verdient. Andererseits wäre es ethisch kaum vertretbar gewesen, das Fleisch eines bereits erlegten Tiers einfach zu entsorgen.

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