Klimawandel lässt die Erde ergrünen

Treibhausgas-Emissionen haben die Erde unerwartet positiv verändert, haben Forscher herausgefunden. Warum das aber kein Grund zur Erleichterung ist.

In den vergangenen Jahren gedieh durch CO<sub>2</sub> frisches Grün im Ausmass der doppelten Fläche der USA: Lastwagen fahren auf der Bundesstrasse BR 163 durch das Amazonasgebiet. (Archivbild)

In den vergangenen Jahren gedieh durch CO2 frisches Grün im Ausmass der doppelten Fläche der USA: Lastwagen fahren auf der Bundesstrasse BR 163 durch das Amazonasgebiet. (Archivbild)

(Bild: Keystone Alexandre Meneghini)

Wie sich der CO2-Anstieg der letzten Jahrzehnte auf die weltweite Pflanzenwelt ausgewirkt hat, haben Zaichun Zhu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie werteten sie Vegetationsdaten aus, die drei Satelliten in der Zeit von 1982 bis 2009 aufgezeichnet hatten.

Die Wissenschaftler entdeckten einen positiven Effekt des Treibhausgases, das aus Autos, Fabriken und Kraftwerken strömt: Es dünge quasi Pflanzen, berichten sie im Fachmagazin «Nature Climate Change».

70 Prozent des Ergrünens der Erde sei auf den Düngeeffekt der steigenden CO2-Werte zurückzuführen, wie die Forscher berichten. Dieser Effekt wirke sich nahezu flächendeckend in allen Regionen der Erde aus. Insgesamt nehme die Vegetation dabei rund ein Viertel des jährlich ausgestossenen CO2 auf.

«Das von uns berichtete Ergrünen über die vergangenen 33 Jahre ist äquivalent mit einem zusätzlichen grünen Kontinent von der doppelten Fläche der USA: 18 Millionen Quadratkilometer», erklärt Zhu seine Ergebnisse aus der Studie. Die grösste Zunahme entdeckten die Forscher in Europa, Südostasien, Zentralafrika, Nordamerika und im nördlichen Amazonas, schreibt «Spiegel online».

Mehr Regen in der Sahelzone

Weitere Ursachen kamen infrage: mehr Niederschlag, angepflanzte Bäume, mehr Stickstoff, weniger Abholzung oder höhere Temperaturen. Die Computermodelle der Wissenschaftler, die sie mit Daten über all diese Einflüsse gefüttert hätten, deuteten auf den dominierenden Einfluss von CO2.

In Gebirgen und höheren Breiten hätte hingegen vor allem die Klimaerwärmung das Wachstum der Pflanzen begünstigt. In der Sahelzone förderte vermehrter Regen das Spriessen der Gewächse.

Kein Grund zur Erleichterung

Der weiter steigende Ausstoss von CO2 werde aber wohl kaum für ein stetes Ergrünen der Welt sorgen, meinen die Forscher. Studien hätten ergeben, dass Pflanzen sich an die grössere CO2-Menge anpassen würden, ihr Wachstum also nachlasse. Der Grund: Es stünden gleichzeitig nicht mehr Nährstoffe zur Verfügung, deren Menge im Boden sei begrenzt.

Bei stark steigendem CO2-Gehalt der Luft, so glauben die Gelehrten, würde sich der Effekt bei grassierendem Klimawandel sogar umkehren: Pflanzen dürften vermehrt Hitze, Dürren oder Starkregen ausgesetzt sein.

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur die Vegetation, sondern hat auch zahlreiche für Menschen negative Folgen. «Zu den vielen negativen Folgen gehören der Meeresspiegelanstieg, die schmelzenden Gletscher und Eiskappen, mehr tropischen Stürme und vieles andere mehr», sagt Co-Autor Philippe Ciais vom französischen Forschungslabor für Klima- und Umweltforschung in Gif-sur-Yvette.

nag

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