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Kleiner Erfolg im Fraubrunnenmoos

Vor einigen Jahren wurde im Fraubrunnenmoos ein Paradies für Kiebitze geschaffen: Während im letzten Jahr kein Küken schlüpfte, wurden heuer wieder sechs Jungtiere flügge.

Für Kiebitze ist es schwierig, sich zu behaupten.
Für Kiebitze ist es schwierig, sich zu behaupten.
zvg

Man kann mit gutem Gewissen von einem Grosserfolg sprechen: Im luzernischen Wauwilermoos sind in diesem Jahr so viele Kiebitze geschlüpft wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. 53 Kiebitz-Paare haben dort gebrütet, über 60 ihrer Kücken sind flügge geworden. Dies war nur möglich, weil die Schweizerische Vogelwarte Sempach und die dort ansässigen Landwirte einen grossen Aufwand betrieben haben, um dem bedrohten Vogel ideale Brutbedingungen zu schaffen: So wurden Elektrozäune aufgestellt, welche Nesträuber von den Vögeln fernhalten sollen. Weiter wurden Brachstreifen eingerichtet, auf denen keine intensive Landwirtschaft betrieben wird. Und: Es wurden pflegeleichte Kulturen ausgewählt, die nur minimal unterhalten werden müssen, sodass Kiebitze ungestört brüten können.

Kleines Paradies errichtet

Zwar gibt es im Kanton Bern keine derart grossen Kolonien mehr wie im Wauwilermoos; doch auch hier sind Bemühungen im Gange, den taubengrossen Vögeln Bedingungen zu schaffen, damit sie sich wieder ansiedeln können. So zum Beispiel im Fraubrunnenmoos, einem Gebiet am Urtenenbach zwischen Fraubrunnen und Schalunen. Hier hat Christian Studer, Landwirt aus Grafenried, bereits vor rund 15 Jahren die erste Hektare Land ausgeschieden und in einen Brutplatz umfunktioniert. Vor drei Jahren wurde die Fläche um 1,5 Hektaren vergrössert und mit der Unterstützung der Stiftung Bufo aus Hindelbank und der Gemeinde Fraubrunnen ein kleines Paradies für die Vögel geschaffen. Es wurden Flachteiche angelegt, Hügel ausgeschüttet und verschiedene Wildpflanzen gesetzt, die Brutplätze mit elektrischen Zäunen gesichert.

Verluste trotz Elektrozaun

Den Vögeln mit dem charakteristischen Federschopf scheint es im Fraubrunnenmoos zu gefallen: In diesem Jahr hätten sieben Kiebitz-Paare auf dem Gelände gebrütet, sagt Samuel Bachmann von der Stiftung Bufo auf Anfrage. Insgesamt sechs Jungvögel seien flügge geworden. Das sei zwar nicht mit dem Erfolg im Kanton Luzern zu vergleichen, doch er sei froh, dass es heuer überhaupt wieder geklappt habe. Im letzten Jahr hätten sich Füchse, Marder und Krähen an den Eiern gütlich getan, es sei kein einziges Kiebitz-Junges geschlüpft. Damit dies nicht noch einmal passiert, sei der elektrische Zaun verstärkt worden, sagt Bachmann. Eine hunterprozentige Sicherheit garantiere dieser zwar nicht, aber immerhin könnten so Füchse abgehalten werden. Es sei aber nicht möglich, die Kiebitze vor Raubvögeln zu schützen, weshalb es trotz Zaun und Überwachung immer wieder zu Verlusten komme.

Von den getroffenen Massnahmen habe ein weiterer Bodenbrüter profitieren können: So seien im Fraubrunnenmoos in diesem Jahr insgesamt sechs Flussregenpfeifer geschlüpft, sagt Bachmann. Das sei ein grosser Erfolg, seien doch auch diese Vögel sehr selten.

Kiebitze waren zu exponiert

Während sich der Flussregenpfeifer auch im Hechtenloch bei Rubigen durchsetzen konnte, sind an dieser Stelle hingegen keine jungen Kiebitze geschlüpft. Eigentlich sei das Gebiet, das vor kurzem renaturiert worden war, ein idealer Brutplatz für Kiebitze, sagt der Biologe Marc Rosset, Präsident der Stiftung Aaretal, unter deren Federführung die Renaturierung durchgeführt wurde. In diesem Jahr sei ein Kiebitz-Paar in das Hechtenloch gekommen, allerdings seien die Eier gar nie ausgebrütet worden. Ihm sei aber von Anfang an klar gewesen, dass es für das Kiebitz-Paar schwierig werden würde. «Die Tiere waren schlicht zu exponiert», sagt er. «Im und um das Hechtenloch leben Füchse, Wiesel, Turmfalken, Milane und Graureiher; alle kommen als Eierdiebe oder Feinde der Küken in Frage».

Brüte ein Kiebitz-Paar alleine, sei der Druck auf dieses enorm gross. Bei einer Kolonie wie im Wauwilermoos können sich die Vögel hingegen unterstützen. Nähert sich ein Feind, zum Beispiel ein Raubvogel, müssen jeweils nur fünf oder sechs Vögel ihre Nester verlassen, um ihn zu vertreiben, erklärt Rosset. Die anderen Vögel können hingegen in Ruhe weiterbrüten.

Dennoch hält es Rosset für ausgeschlossen, dass im Hechtenloch dereinst elektrische Zäune aufgestellt werden: «Entweder funktioniert die Naturbrut oder eben nicht.»

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