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Kleiner Bauer siegt über Energieriesen

Erstmals kann ein privates Unternehmen für Klimaschäden verantwortlich gemacht werden. Der Peruaner Saúl Lliuya sammelt Beweise gegen den Energiekonzern RWE.

Der Fall Huaraz: Saúl Lliuyas Heimat in den peruanischen Anden ist vom Klimawandel betroffen. (Video: Germanwatch)

Der Bauer und Bergführer aus der Andenstadt Huaraz hat einen grossen Zwischenerfolg erreicht. Bisher wurde noch nie eine Klimaklage gutgeheissen, die darauf abzielt, private Unternehmen wegen Klimaschäden haftbar zu machen.

Das Oberlandgericht Hamm gibt nun Saúl Lliuya die Chance, zu beweisen, dass der deutsche Energiekonzern RWE mitverantwortlich ist für die prekäre Lage in seiner Heimatregion. Ein Gletscher oberhalb von Huaraz ist massiv geschmolzen, weil es in den letzten Jahrzehnten wärmer geworden ist. Dadurch ist ein natürlicher Gletschersee entstanden, der zu bersten droht. «Vor 30 bis 40 Jahren betrug das Wasservolumen des Palcacocha-See eine halbe Million Kubikmeter, heute sind es gegen 17 Millionen», sagt der Zürcher Geografe Christian Huggel, der die Gletscher der Region seit Jahren studiert.

Allein schon der Einstieg in eine Beweisaufnahme schreibe ein Stück Rechtsgeschichte, beurteilt die Rechtsanwältin Roda Verheyen den Entscheid. Verheyen vertritt den Kläger gegen die RWE. Die grosse Herausforderung der Wissenschaft ist es nun, detailliert zu belegen, dass die Treibhausgase, die Kohlenkraftwerke der RWE produzieren, für die heikle Lage in Huaraz mitverantwortlich sind. Dabei geht es um die Abschmelzrate des Gletschers, die Abflussmenge, das Volumen des Gletschersees und das entsprechende Risiko einer Flutkatastrophe. Betroffen wären 50'000 Menschen.

Folgen für Grossemittenten

Falls den Experten die Beweisführung gelingt, müsste sich die RWE an den Schutzmassnahmen finanziell beteiligen. Kosten würden entsprechend dem globalen Anteil der Emissionen kalkuliert. Die RWE stösst knapp 0,5 Prozent der globalen Emissionen aus.

Wie auch immer die Verhandlungen gegen die RWE ausgehen. Für die Umweltanwältin Roda Verheyen hat der Entscheid jetzt schon eine grosse Bedeutung weltweit. Der Entscheid des deutschen Gerichtes hat Präzedenzcharakter und könnte in mehr als 50 Staaten angewendet werden, da diese über die entsprechenden rechtlichen Grundlagen verfügten.

Die deutsche Umweltorganisation Germanwatch unterstützt Saúl Lliuya administrativ und finanziell. Für Germanwatch hat die erfolgreiche Klage erhebliche Folgen für die Rechtspflichten der grossen Emittenten weltweit. Das entsprechende Klagerisiko müsse nun gegenüber den Aktieninhabern mitgeteilt und entsprechende finanzielle Rücklagen gebildet werden, falls Projekte geplant sind, die das Klima belasten. Investoren müssten, so Germanwatch, dieses Risiko bei ihrer Anlageentscheidung berücksichtigen.

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