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Himmlisches Rendezvous am Wochenende

In der Nacht auf Sonntag schiebt sich der Mond vor den Jupiter. Sogar mit blossem Auge wird zu erkennen sein, wie der grösste Planet des Sonnensystems hinter dem Erdtrabanten verschwindet.

In der Fachsprache als Okkultation, als Verdeckung bezeichnet: Hier eine Aufnahme aus Zagreb, wo 2008 eine Bedeckung des Jupiters durch den Mond zu beobachten war.
In der Fachsprache als Okkultation, als Verdeckung bezeichnet: Hier eine Aufnahme aus Zagreb, wo 2008 eine Bedeckung des Jupiters durch den Mond zu beobachten war.
AFP

Zum zweiten Mal innerhalb von knapp sechs Wochen freuen sich Himmelsgucker auf ein seltenes Schauspiel: Sonntagfrüh hat der Mond eine Verabredung mit Jupiter – dann schiebt sich die grosse Mondscheibe vor das kleine Scheibchen des Planeten. Ein solche Jupiterbedeckung, wie Astronomen das Ereignis nennen, wird an unserem Nachthimmel danach erst wieder in knapp 19 Jahren zu sehen sein. Viele Sterngucker hoffen nun auf besseres Wetter als beim ersten Himmelsschauspiel des Jahres: Als am 6. Juni die Venus vor der Sonne vorbeizog, versperrten vielerorts Wolken den Blick auf das damalige Jahrhundertereignis.

Zwar ist eine Jupiterbedeckung durch den Mond bei weitem nicht so selten wie ein Venustransit vor der Sonne. Dennoch gilt der bevorstehende Besuch des Erdmondes beim hell strahlenden Jupiter als das zweite und zugleich letzte grosse Astronomie-Schauspiel des Jahres. In der Schweiz zeigt sich der Planetenriese im Teleskop als deutliches Scheibchen. Bis er vollständig hinter der Mondsichel verschwunden ist, dauert es ab 3.35 Uhr rund 100 Sekunden, wie die Astronomische Gesellschaft Winterthur mitteilt. Ab 4.14 Uhr taucht der Jupiter dann auf der anderen, dunklen Mondseite wieder auf. Die nächste Jupiter-Bedeckung ist in der Schweiz erst wieder im Jahr 2016 zu sehen.

Auch die Venus ist dabei

Den Himmelsguckern wird sich in vergleichsweise geringer Höhe über dem Horizont ein reizvoller Anblick bieten: Zu den Hauptakteuren, der Sichel des abnehmenden Mondes und dem hellen Jupiter, gesellen sich an diesem frühen Morgen der hellste Planet Venus als strahlender Morgenstern, der rötlich leuchtende Hauptstern des Sternbilds Stier, Aldebaran, und mit ihm die offenen Sternhaufen der Hyaden und Plejaden. Für Fotografen dürfte diese Konstellation ein schönes Motiv bieten, zumal in die Aufnahmen auch die Landschaft am nahen Horizont mit einbezogen werden kann.

Je nach Beobachtungsstandort wird das Jupiter-Scheibchen dann zwischen etwa 03.30 und 03.45 Uhr hinter dem Mond verschwinden. Am gegenüberliegenden Mondrand wieder auftauchen wird Jupiter zwischen 04.15 und 04.20 Uhr – zu dieser Zeit ist die Morgendämmerung allerdings schon ziemlich weit fortgeschritten. «Für die Beobachtung sind Instrumente nicht unbedingt notwendig», sagt die Leiterin des Bochumer Planetariums, Susanne Hüttemeister. «Mit blossem Auge geht es auch.»

Die Jupiter-Monde verschwinden

Dabei werden Beobachter erleben, dass der Riesenplanet Jupiter im Gegensatz zu einem punktförmigen Fixstern bei der Bedeckung durch den Mond keineswegs von einer auf die andere Sekunde verschwindet. «Jupiter wird nicht von jetzt auf gleich ausgeschaltet», sagt Hüttemeister. «Sein Licht wird vielmehr über einen Zeitraum von rund zwei Minuten schwächer, bis das Planeten-Scheibchen zur Gänze hinter dem Mond verschwunden ist.»

Mit einem Fernglas oder Teleskop können Astronomie-Fans allerdings noch viel mehr Einzelheiten des seltenen Schauspiels verfolgen als mit blossem Auge. Denn mit einem Feldstecher, besser noch einem kleinen Fernrohr, sind auch die vier grossen Monde des Jupiter zu erkennen, die den grössten Planeten unseres Sonnensystems umrunden wie der Erdmond die Erde. Und mit dem Jupiter werden am frühen Sonntagmorgen natürlich auch seine grossen Monde Europa, Io, Ganymed und Kallisto von der Scheibe unseres Mondes «verschluckt».

Alle auf einer Reihe

Für Beobachter auf der Erde befinden sich diese nach ihrem Entdecker Galileo Galilei benannten Monde zum Zeitpunkt der Jupiterbedeckung in ausgesprochen günstigen Positionen. «Die galileischen Monde stehen dann schön in einer Reihe», weiss die Astronomin Hüttemeister. Das heisst: Von der Erde aus gesehen sind die vier grossen Jupiter-Trabanten links und rechts neben dem fernen Gasplaneten aufgereiht, wenn die Scheibe des Erdmondes langsam Kurs auf das Jupiter-System nimmt.

Teleskop-Besitzer können daher bei wolkenfreiem Himmel sehen, wie nicht nur der Jupiter, sondern nacheinander auch seine grossen Monde hinter unserem Trabanten verschwinden und später wieder auftauchen. Zuletzt war eine Jupiterbedeckung durch den Mond am Nachthimmel über Deutschland im Februar 2002 zu beobachten. Die nächste Chance nach Sonntagmorgen gibt es erst wieder am frühen Morgen des 20. Januar 2031.

AFP/sda/mw

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