Zum Hauptinhalt springen

«Ganze Landstriche könnten mit Mammuts besiedelt werden»

Vor 60 Jahren entdeckten Forscher die Struktur der DNA und läuteten damit das Zeitalter der Gentechnik ein. Auch wenn es vorerst keinen Jurassic Parc geben wird: Beim Klonen scheint ein Durchbruch nah.

Vor sechzig Jahren sind Forscher der DNA auf die Spur gekommen. Sie erkannten die Struktur der DNA-Moleküle, die Doppelhelix. Im Bild ein Modell.
Vor sechzig Jahren sind Forscher der DNA auf die Spur gekommen. Sie erkannten die Struktur der DNA-Moleküle, die Doppelhelix. Im Bild ein Modell.
Keystone
Die Entdecker der DNA sind die beiden Forscher James Watson und Francis Crick. Hier in den 1950er-Jahren an der britischen Universität Cambridge.
Die Entdecker der DNA sind die beiden Forscher James Watson und Francis Crick. Hier in den 1950er-Jahren an der britischen Universität Cambridge.
AP
Ein «Jurassic Park» mit lebenden Dinosauriern erscheint immer noch unmöglich – die Ansiedlung von Mammuts in Sibieren hingegen nicht mehr: Ein Mann berührt eine Mammutstatue im russischen Khanty-Mansiysk.
Ein «Jurassic Park» mit lebenden Dinosauriern erscheint immer noch unmöglich – die Ansiedlung von Mammuts in Sibieren hingegen nicht mehr: Ein Mann berührt eine Mammutstatue im russischen Khanty-Mansiysk.
AFP
1 / 15

Durch die sibirische Tundra streifende Mammuts, brüllende Säbelzahntiger und jagende Höhlenlöwen? Forscher weltweit arbeiten an Möglichkeiten, mit Hilfe der Gentechnik längst ausgestorbene Tierarten wieder zum Leben zu erwecken.

Technisch scheint es möglich. Erst im März gaben Forscher an der australischen Universität von New South Wales bekannt, Genmaterial einer seit Anfang der 80er Jahre ausgestorbenen Froschart in entkernte Eizellen einer verwandten Art eingepflanzt zu haben. Tatsächlich entwickelten sich Embryonen, die aber alle innerhalb weniger Tage starben.

Bereits 2009 war erstmals eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben erweckt worden, allerdings nur für kurze Zeit: Ein von einer Ziege ausgetragener Klon des 2000 gestorbenen letzten Pyrenäensteinbocks starb wenige Minuten nach seiner Geburt wegen einer Lungenanomalie.

«Ein, zwei Jahre» bei Fröschen

Von den Rückschlägen lassen sich die Forscher nicht entmutigen. 60 Jahre, nachdem den Biochemikern Francis Crick und James Watson die Entschlüsselung der DNA-Struktur und damit ein Meilenstein in der Genforschung gelang, rechnen Wissenschaftler mit einem baldigen Durchbruch beim Klonen ausgestorbener Tierarten.

«Bei den Fröschen könnte es ein oder zwei Jahre dauern», sagt Gentechnik-Experte Hendrik Poinar von der kanadischen McMaster-Universität der Nachrichtenagentur afp. «Bei einem Mammut vielleicht 20 oder 30 Jahre, womöglich aber auch weniger.»

Tasmanischer Tiger, Dodo, Mammut

Tatsächlich arbeiten Wissenschaftler bereits an der Wiederauferstehung einer ganzen Reihe ausgestorbener Tiere: Australische Forscher wollen den Tasmanischen Tiger klonen, ein Beuteltier, das in den 30er Jahren ausstarb.

Wissenschaftler der britischen Universität Oxford wollen den Dodo wiederauferstehen lassen, einen bereits im 17. Jahrhundert ausgerotteten flugunfähigen Vogel. Und in Japan kündigten Wissenschaftler 2011 an, binnen sechs Jahren das in der letzten Eiszeit ausgestorbene Mammut neu erschaffen zu wollen.

Was die Forscher brauchen, sind Gewebestücke der Tiere mit ausreichend gut erhaltenem DNA-Material. Mit bis zu 200'000 Jahre alter DNA könnte ein Klonen möglich sein - ein «Jurassic Park» mit den bereits vor rund 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Dinosauriern ist also völlig utopisch.

Andere Tiere aus grauer Vorzeit könnten aber durchaus wieder zum Leben erweckt werden: «Wenn kein Gesetz es verbietet und die ethischen Standards ausgearbeitet sind, könnten ganze Landstriche in Sibirien mit Mammuts und Höhlenlöwen neu besiedelt werden», sagt der Genetik-Forscher Poinar. «Die Frage ist: Sollen wir das tun?»

Leben im Zoo

Für die Soziologin Carrie Friese von der London School of Economics wird diese moralische Frage nicht ausreichend gestellt. Bei der Begeisterung für die technischen Möglichkeiten drohe ausser Acht gelassen zu werden, was mit den geklonten Lebewesen passiere.

Denn viele Tierarten starben aus, weil ihr natürlicher Lebensraum zerstört wurde. Ihre geklonten Nachfahren wären vermutlich zu einem Leben im Zoo verdammt, zumal sie keine Eltern hätten, die ihnen etwa das Jagen beibringen könnten. «Ein Tier ist mehr als sein Erbgut», sagt Friese. «Wie lernt ein Dodo, ein Dodo zu sein?»

Einwände, die der Bioethiker Hank Greely von der US-Eliteuniversität Stanford nicht gelten lassen will. «Ich denke, der beste Grund es zu tun ist, dass es einfach überwältigend wäre. Es wäre wirklich cool.»

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch