Fällt am 20. März der Strom aus?

Noch nie hatte eine Sonnenfinsternis einen derart starken Einfluss auf unser Leben wie diejenige vom 20. März. Netzwerkbetreiber in ganz Europa rüsten sich. Auch in der Schweiz wurde eine Taskforce eingesetzt.

Am 20. März auch in Europa zu sehen: Eine partielle Sonnenfinsternis in den USA. (23. Oktober 2014)

Am 20. März auch in Europa zu sehen: Eine partielle Sonnenfinsternis in den USA. (23. Oktober 2014)

(Bild: Keystone)

Am Freitagmorgen, dem 20. März, verdunkelt sich die Sonne in Europa für gut zwei Stunden. Vor allem Länder, die einen grossen Teil ihrer Stromproduktion aus Solarenergie beziehen, müssen in dieser Zeit mit einem markanten Abfall der Stromleistung rechnen.

«Das Problem ist nicht, dass es während der Sonnenfinsternis zu wenig Strom gäbe. Es ist vielmehr die Geschwindigkeit, mit welcher der Schatten des Mondes an einem wolkenlosen Tag die Leistung aller Photovoltaik-Anlagen in ganz Europa erst reduzieren, und dann wieder steigern würde», erklärte Christian Schubert von der Schweizer Netzgesellschaft Swissgrid der Nachrichtenagentur SDA.

Vernetzte Schweiz betroffen

Konventionelle Gas-, Kohle- und Wasserkraftwerke in ganz Europa müssten deshalb gleichzeitig hoch- und wieder runtergefahren werden. «Betroffen sind insbesondere Länder mit einem hohen Anteil an Photovoltaik wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien», sagte Schubert.

In der Schweiz ist der Anteil an Solarstrom mit rund einem Prozent gering. Weil die Schweiz Bestandteil des europäischen Übertragungsnetzes ist und direkt an drei Länder mit hohem Solarstromanteil grenzt, sei aber auch unser Land betroffen, sagte Schubert. Wie in anderen Ländern auch wurde eine Taskforce eingesetzt. Diese untersuchte die Einflüsse der Sonnenfinsternis auf das Stromnetz.

Am Tag der partiellen Sonnenfinsternis steht mehr Personal im Einsatz. Die Swissgrid ist dann permanent in Kontakt mit den Netzleitstellen der umliegenden Länder. Sinkt die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen wegen der Sonnenfinsternis, werden möglichst rasch andere Kraftwerke hochgefahren. «Es besteht das Risiko von Frequenzschwankungen im Netz. Deshalb sind wir sind gut vorbereitet», sagte Schubert.

Wetter ist entscheidend

Die potenziellen Auswirkungen einer Sonnenfinsternis seien noch nie so gross gewesen wie jetzt. «Bei der totalen Sonnenfinsternis von 1999 machte die Photovoltaik in Europa gerade einmal 0,2 Prozent am Strommix aus, heute sind es 10 Prozent.»

Wie «dramatisch» die Folgen der Sonnenfinsternis tatsächlich ausfallen, hängt gemäss Schubert vor allem vom Wetter ab. Scheint in ganz Europa die Sonne, und fällt diese dann plötzlich aus, ist der Abfall der Stromleistung markant. Bis zu 30 Gigawatt könnten dann plötzlich ausfallen – das entspricht etwa 30 Mal der Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt.

Ist es am Tag der Sonnenfinsternis hingegen bewölkt, wird das Netz ohnehin bereits von anderen Kraftwerken gespiesen. Die Schwankung fällt deutlich geringer aus – und damit sinkt das Risiko für einen Stromausfall.

Fast 75 Prozent bedeckt

Vorsorglich können die Photovoltaikanlagen im Übrigen nicht vom Netz genommen werden, um die Schwankung zu vermeiden. «In der Schweiz gibt es vor allem kleinere Photovoltaikanlagen, die in privater Hand sind. Die Produktion aus diesen Anlagen lässt sich kaum regeln», sagte Schubert.

Die partielle Sonnenfinsternis beginnt in der Schweiz um zirka 9.25 Uhr und dauert bis 11.45 Uhr, wie die Schweizerische Astronomische Gesellschaft (SAG) auf ihrer Homepage schreibt. Die maximale Bedeckung von fast 75 Prozent erreicht die Sonne zwischen 10.30 und 10.36 Uhr. In einem breiten Streifen zwischen Island und Norwegen ist für fast drei Minuten sogar eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Die SAG warnt davor, das Schauspiel ohne Spezialbrille mitzuverfolgen.

rar/sda

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