Der Herbst wird immer schöner, wärmer – und länger

Im Oktober gibt es in der Schweiz mehr Sonne und weniger Nebel als früher. Davon profitiert auch der Tourismus.

Aktivitäten im Herbst können wegen des guten Wetters länger ausgeübt werden als früher: Eine Wanderin beim Seealpsee in Appenzell Innerrhoden.

Aktivitäten im Herbst können wegen des guten Wetters länger ausgeübt werden als früher: Eine Wanderin beim Seealpsee in Appenzell Innerrhoden.

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In fast allen Kantonen sind derzeit Herbstferien. Und diejenigen, die ihre freien Wochen zu Hause oder anderswo in der Schweiz verbringen, dürfen sich über stabiles und gutes Wetter freuen. Der Oktober beschert ihnen nochmals trockene und ziemlich sonnige Tage. Das ist keine Ausnahme. Zahlen von Meteo Schweiz zeigen, dass der Herbst hierzulande immer sonniger, wärmer und trockener wird.

Der letztjährige Herbst, der durch anhaltend mildes Altweiberwetter bestach, hat das exemplarisch gezeigt. Im Westen und Süden der Schweiz war es regional der sonnigste Oktober seit Messbeginn. Die Stadt Neuenburg beispielsweise verzeichnete 193, Lugano sogar 226 Sonnenstunden. Bern, Luzern und Zürich erlebten den zweit- oder drittsonnigsten Oktober, der je gemessen wurde.

Im Mittelland und im Tessin lag die monatliche Sonnenscheindauer 2017 deutlich über der Norm 1981–2010. Dementsprechend warm war es: Die Oktobertemperatur stieg im landesweiten Mittel 1,2 Grad über die Norm. Auf der Alpensüdseite und im Wallis lag sie in tieferen Lagen bis 2 Grad, in Berglagen sogar bis 3 Grad über der Norm.

Gleichzeitig war der Herbst regenarm. Vor allem auf der Alpensüdseite zeigte sich der Oktober extrem trocken. Aber auch im Mittelland gab es weniger Niederschlag als normalerweise. Bei der Messstation Zürich-Fluntern fielen im ganzen Monat nur knapp 40 Millimeter Regen anstatt der üblichen 86 Millimeter.

2017 mag ein besonders schönes Jahr gewesen sein. Die Messreihen von verschiedenen Wetterstationen zeigen aber, dass der Herbst in der ganzen Schweiz immer wärmer wird – auch in höheren Lagen.

Bei der Station Davos in Graubünden beispielsweise, die auf 1594 Meter über Meer liegt, stieg die Temperatur im Oktober in den letzten 140 Jahren kontinuierlich an.

Die Herbstsaison wird nicht nur wärmer, sie dauert heute im Schnitt auch 12 Tage länger als noch im Jahr 1970. Schuld ist der Klimawandel beziehungsweise der verspätete erste Schneefall, wie das Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF festgestellt hat.

Wetterdaten deuten zudem darauf hin, dass die Herbstsaison stabiler wird. Zwar fegte auch dieses Jahr schon ein Sturmtief über die Schweiz – «Fabienne» erreichte am 23. September Geschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometern – doch langfristige Messungen zeigen, dass die Anzahl an Herbststürmen seit 1950 abgenommen hat.

Zudem gibt es im Herbst immer weniger Nebeltage, gerade im Flachland. Ein typisches Beispiel ist der Messstandort Zürich-Kloten, wo in der Periode 1971–1990 während der Herbstmonate September bis November durchschnittlich 30 Tage mit Nebel verzeichnet wurden. In den zwei Jahrzehnten 1996–2015 waren es durchschnittlich nur noch 24 Tage.

Trotzdem bleiben die Herbstmonate Spitzenreiter in Sachen graue Tage. In Zürich-Kloten ist im Oktober durchschnittlich an jedem dritten Tag mit Nebel zu rechnen. Dieser besteht aus kleinsten, in der Luft schwebenden Wassertröpfchen. Weil sie das Licht gleichmässig streuen, erscheint Nebel weiss bis grau.

Um dem Nebel zu entfliehen, zieht es viele in hoch gelegene Gebiete sowie auf die Alpensüdseite. Laut dem Tourismus-Monitor 2017 bevorzugen die Schweizerinnen und Schweizer, die den Grossteil der Gäste ausmachen, spontane Kurztrips (ein bis drei Nächte) in einer Bergdestination. 2017 verbrachten sie ihre Herbstferien am häufigsten in den Kantonen Graubünden, Bern und Tessin.

Ferienorte und Bergbahnen profitieren vom guten Wetter im Herbst und der längeren Saison. In den letzten Jahren beobachteten laut der Organisation Schweiz Tourismus viele von ihnen eine positive Gästeentwicklung. Die Zermatt Bergbahnen AG etwa konnte ihre Erträge in den Monaten September und Oktober im Fünfjahresschnitt um 20 Prozent steigern.

Schweizweit nahmen die Ankünfte im Oktober zwischen 2005 und 2017 um ganze 36 Prozent zu. Obwohl die Gäste weniger lang bleiben als früher, gab es deshalb ein Wachstum bei den Logiernächten um 22 Prozent im selben Zeitraum. Vor allem bei den Einheimischen werden Ferien im eigenen Land immer beliebter: Im vergangenen Jahr generierten sie gut 58 Prozent aller Hotellogiernächte im Herbst.



(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.10.2018, 18:03 Uhr

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