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Das Wasser steht ihnen bis zum Hals

Der Meeresspiegel steigt und zwingt die Bewohner der Südseeinseln, sich auf die grosse Umsiedlung vorzubereiten.

Mary Meita steht im ersten Stock eines weissen Gebäudes an der Mac Gregor Road 36 in Suva, der Hauptstadt von ­Fidschi. Die 33-Jährige mit den langen schwarzen Haaren und dem runden Gesicht blickt durchs vergitterte Fenster. Regen fällt auf den Innenhof, die Strasse und die Palmen. Es ist nicht ihr Land, aber das könnte es eines Tages werden, eine neue Heimat für ihr Volk. Sie hat daran mitgewirkt. Meita arbeitet in der Botschaft von Kiribati, einer Gruppe aus Inselatollen, die 2000 Kilometer entfernt von Fidschi weit verstreut mitten im Pazifik liegen. Die Flagge mit den weissblauen Wellenlinien, der Sonne und dem gelben Fregattvogel flattert im Hof an einem Fahnenmast. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Die Regierung Kiribatis hat vor drei Jahren Land auf den viel grösseren Fidschi-Inseln gekauft, mehr als 2000 Hektar. Meita hat das mitorganisiert. Sie war damals die rechte Hand von Präsident Anote Tong. Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, erzählt die heutige Sekretärin des Botschafters Kiribatis auf Fidschi; aber der Präsident habe beschlossen, dass es besser sei, seine Landsleute schon jetzt darauf vorzubereiten, in Würde umzusiedeln, als abzuwarten, bis die Katastrophe unmittelbar bevorsteht. Das heisst: Die Inselbewohner besser auszubilden, damit sie auch anderswo Arbeit finden können, und dann nach und nach die 115'000 Menschen alle umzusiedeln.

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