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Das Geheimnis ihrer Grösse

Weil sie ihr Fressen unzerkaut hinunterschlangen, konnten die Sauropoden so riesig werden. Das haben zwei Wissenschaftler aus Zürich und Bonn herausgefunden.

Riesendinosaurier wurden durch hochmoderne Anpassungenen möglich.
Riesendinosaurier wurden durch hochmoderne Anpassungenen möglich.
Keystone

40 Meter lang, 17 Meter hoch und bis zu 100 Tonnen schwer wurden die pflanzenfressenden Sauropoden. Sie waren damit die allergrössten Landtiere, die jemals gelebt haben. Und ihr Dasein war nicht ein kurzes Gastspiel: Volle 100 Millionen Jahre lang dominierten sie in 120 verschiedenen Gattungen sämtliche Ökosysteme der Welt.

Der Tierarzt Marcus Clauss von der Vetsuisse-Fakultät hat zusammen mit dem Paläontologen Martin Sander von der Universität Bonn «verschiedene physiologische Tatsachen zusammengetragen», wie Clauss gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärt. Darauf basierend stellten die beiden Wissenschaftler Berechnungen an und zogen Schlüsse.

Vier Hauptgründe für Riesen-Ausmasse

Vier Hauptgründe fanden Clauss und Sander für die gigantischen Ausmasse der Sauropoden. Die Ergebnisse erläutern sie in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Science», wie die Uni Zürich am Donnerstag mitteilte.

Erstens: Die Riesendinosaurier kauten ihre Nahrung nicht. Sie brauchten also keine grossen Zähne, welche den Kopf entsprechend den übrigen Körperausmassen gross und schwer gemacht hätten. Der kleine Kopf erlaubte einen sehr langen Hals - ein Giraffenhals wäre im Vergleich kurz. Die Nahrung wurde statt beim Kauen direkt im Darm aufgeschlossen.

Zweitens: Sie legten Eier. Sie verloren also keine Energie mit der Aufzucht eines einzigen Jungtiers. Wurden bei einer Naturkatastrophe viele Tiere getötet, so waren rasch zahlreiche neue Nachkommen da.

Leichte Knochen

Drittens: Die Sauropoden hatten vogelartige Lungen. Das Lungensystem der Vögel ist durch grosse Luftsäcke im Körper gekennzeichnet, die auch in die Knochen hineinreichen und diese dadurch leicht machen. Vor allem in den Halswirbeln der Sauropoden wurden viele Hinweise auf eine solche «Pneumatisierung» gefunden.

Viertens: Sie hatten vermutlich eine flexible Stoffwechselrate. Im Laufe der Entwicklung vom jungen zum erwachsenen Tier wurde der Stoffwechsel immer langsamer. Ein entsprechendes Phänomen gebe es im heutigen Tierreich nicht. Von einem Körpergewicht von rund 10 Kilo beim Schlüpfen nahmen die Sauropoden innert 20 Jahren rund 30 Tonnen zu.

Ein solches Wachstum sei ohne säugetier-ähnliche Stoffwechselrate nicht denkbar, wird Clauss in der Mitteilung zitiert. Aber: Bliebe die Stoffwechselrate unverändert, so würde der ausgewachsene Sauropode überhitzen. Die einfachste Erklärung sei deshalb, dass die Stoffwechselrate mit zunehmender Körpergrösse absinke.

Keineswegs «Sackgasse der Evolution»

Die Aussage, die Dinosaurier seien eine «Sackgasse der Evolution» gewesen, könne angesichts der Sauropoden widerlegt werden, sagte Clauss. Überall auf der ganzen Welt gebe es Fundstellen mit Überresten der Giganten.

Sander selbst habe zudem Teile gefunden, die auf eine Zwergform hinwiesen, die sich auf einer Insel gebildet hatte. Erst mit dem Ende der Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren verschwanden die Sauropoden.

AP/bru

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