Das Besondere am neuen Klima-Bericht

Hunderte Forscher haben tausende Studien für den Report des Uno-Klimarates IPCC zu den Klimafolgen ausgewertet und schätzen die künftigen Risiken ein.

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Martin Läubli@tagesanzeiger

Der Uno-Klimarat IPCC hat einen weiteren Klimabericht veröffentlicht und nutzt damit die Gelegenheit, eine weltweite Risikodebatte zu lancieren. Dies tat er bereits in früheren Reports, doch diesmal zeigt er konkret in der Kurzfassung, die an die Regierungen und Behörden gerichtet ist, welches in den nächsten Jahrzehnten die Schlüsselrisiken sein werden.

Die meisten Klimaforscher sind sich schon lange einig, dass der Klimawandel bereits heute Korallenriffe gefährlich ausbleicht und das arktische Meereis stärker schmelzen lässt als erwartet. Einigkeit herrscht auch darin, dass eine weitere Erderwärmung die Nahrungssicherheit besonders in armen Weltregionen infrage stellt, die schon unter Trockenheit leiden. Sie kann das Ausmass von Stürmen, Hochwassern und Dürren weiter verstärken. Sie kann Ökosysteme wie die Regenwälder an den Rand eines Kollapses bringen. Die Welt ist dabei unterschiedlich betroffen. Es gibt Verlierer und Gewinner. Die Ärmsten müssen in den nächsten Jahrzehnten um ihre Ernte bangen, Menschen in den höheren Breiten werden vom wärmeren Klima vorerst profitieren.

Stürme, Fluten und Dürren

Das ist nicht neu, Hunderte Studien zeigen dies. Das Besondere des neuen IPCC-Berichts sind die Abschätzungen, welches Risiko wir eingehen, wenn der Mensch die Treibhausgase in den nächsten Jahrzehnten nicht rigoros reduziert und wenn er sich nicht anpasst und sich vor den Gewalten der Stürme, Fluten und Dürren schützt.

Die Klimaforscher zeigen deutlich: Noch kann der Mensch reagieren, um das Risiko von extremen Ereignissen möglichst klein zu halten. Doch mit jedem weiteren Grad Erwärmung wird der technologische und ökonomische Spielraum kleiner. Die Grenze liegt nach wie vor bei 2 Grad Celsius, wird dieser Wert stark überschritten, sind Ernten immer öfters bedroht, die Artenvielfalt ist noch stärker gefährdet und das Risiko steigt, dass der Schaden in verschiedenen Ökosystemen nicht mehr reparierbar ist. Wird der Bogen überspannt, kann sich der Mensch nur noch beschränkt mit technischen Mitteln helfen.

«Eine gefährliche Störung»

Die Frage, die sich die Gesellschaft stellen muss: Welches Risiko will sie eingehen und welchen Preis will sie bezahlen? Es liegt in der Natur der Sache, dass der Blick in die Zukunft stets unscharf ist, weil viele Prognosen mit grossen Unsicherheiten behaftet sind. Auch das geht aus dem Bericht des IPCC hervor. Trotzdem sind inzwischen genügend Daten und Wissen vorhanden, um die Schlüsselrisiken für politische Beschlüsse sorgfältig genug einschätzen zu können.

Die Uno hat bereits 1992 in Artikel 2 der Klimarahmenkonvention festgelegt, dass «eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems» verhindert werden soll. Der neue IPCC-Bericht legt ein weiteres Mal dar, welche Gefahren vorliegen und in welchen Regionen der Welt der Mensch bereits zu weit gegangen ist.

Nimmt man die internationale Politik als Massstab, so ist sich die Völkergemeinschaft immer noch nicht über die Risiken bewusst. In die Klimafonds jedenfalls, welche die Vertragsstaaten der Klimakonvention eingerichtet haben, um die Entwicklungsstaaten im Klimaschutz zu unterstützen, fliesst nach wie vor nur spärlich Geld. Und vor allem in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind die Regierungen zurückhaltend, Zugeständnisse zu machen. Ein anderes Problem ist: Die Meinungen, welche Klimaentwicklung nun gefährlich ist, gehen unter den Staaten je nach Betroffenheit auseinander.

DerBund.ch/Newsnet

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