Von wegen «dumme Ziege»

Ziegen können eine komplizierte Aufgabe erstaunlich rasch lernen und sich für lange Zeit daran erinnern. Das hat ein Team von Schweizer und britischen Forschern herausgefunden.

Zwei Schritte zum Lieblingsfutter: Eine Ziege führt den Trick nach der Trainingszeit aus.
Video: Frontiers in Zoology

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Schweizer und britische Forschende berichten im Fachjournal «Frontiers in Zoology» über das Gedächtnis von Ziegen. Das Team um Elodie Briefer, die inzwischen an der ETH Zürich tätig ist, präsentierte zwölf Hausziegen, die im Buttercups Sanctuary for Goats in Kent leben, eine durchsichtige Futterkiste: Daraus mussten sie ihr Lieblingsfutter – getrocknete Penne und Graspellets – in zwei Schritten befreien, indem sie zuerst mit dem Maul an einem Griff zogen und dann mit der Schnauze einen Hebel hinunterdrückten.

Es zeigte sich, dass neun der zwölf Ziegen den Trick nach durchschnittlich zwölf Durchgängen beherrschten. Die Forscher wiederholten die Tests nach einem bis zehn Monaten, während denen die Ziegen die Kiste nicht benützten. Die Tiere erinnerten sich noch sehr gut daran und lösten das Problem innerhalb von nur zwei Minuten im Schnitt.

Nicht durch Zuschauen

«Dies deutet auf ein exzellentes Langzeitgedächtnis hin», liess sich Briefer in einer Mitteilung der Queen Mary University of London zitieren. Einige Versuchstiere durften ausserdem, bevor sie selbst die Aufgabe erlernten, anderen Ziegen beim Lösen derselben zuschauen.

Die Idee war, dass die Herdentiere die Aufgabe so schneller lernen würden. Doch es zeigte sich, dass Ziegen mit und ohne Vorbild den Mechanismus genau gleich schnell bewältigten. Das zeige, dass die Ziegen lieber alleine lernten als anderen etwas abzuschauen, sagte Briefer.

Trotz der kleinen Stichprobengrösse zeige die Studie erstmals, dass Ziegen trotz ihres relativ kleines Gehirns komplexe Aufgaben lösen können. Die Resultate könnten erklären, warum sich Ziegen so ausserordentlich erfolgreich an harte Umweltbedingungen anpassen und rasch neue Lebensräume besiedeln können.

Die Studie wurde vom Bundesamt für Veterinärwesen und vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert. (kle/sda)

Erstellt: 01.04.2014, 10:11 Uhr

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