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Was man bei Flugangst tun kann

Jeder zehnte Flugpassagier leidet an Flugangst. Die jüngsten Unglücke mit Flugzeugen verstärken diese Angst noch mehr, weiss die Psychologin und Flugangst-Expertin Ada Nierop.

Frau Nierop, schüren die jüngsten Ereignisse die Flugangst? Klar, diese Abstürze haben die Flugangst noch weiter geschürt. Bei mir haben die Anfragen von Menschen zugenommen, die ihre Flugangst in den Griff kriegen wollen. Gerade jetzt in der Ferienzeit, wo viele ihren Flug schon gebucht, nun aber Bedenken haben.

Ist Flugangst eine starke Phobie? Ja, es ist eine enorme Angst. Die Patienten haben im Flugzeug Todesangst. Und daran leiden rund zehn Prozent der Flugpassagiere. Das ist sehr viel. Auch wenn es sich nicht bei allen gleich äussert: Die einen drücken gleich den Hilfeknopf und brauchen Betreuung, andere sitzen ganz erstarrt in ihrem Sessel.

Wie äussert sich eine Angststörung? Angstpatienten sprechen meist von sehr starken körperlichen Folgen: Herzklopfen, Schwindel, Schweissausbrüche, Benommenheit. Angst hat immer eine relativ ausgeprägte körperliche Komponente.

Was sind die Folgen? Es gibt keine Folgen. Eine Panikattacke ist an und für sich nichts Gefährliches. Ausser bei Herzproblemen. Es ist allerdings äusserst unangenehm: Wer einmal eine Panikattacke hatte, will so etwas nie mehr erleben. Im schlimmsten Fall kann sich die Angststörung auch auf andere Verkehrsmittel ausweiten.

Woher kommt die Angst? Meist sind die Leute schon im Vorfeld angespannt, steigen mit einem erhöhten Stressniveau ins Flugzeug, ein Gefährt, an das sie in der Regel nicht gewöhnt sind. Und wo sie die Verantwortung und Kontrolle gänzlich abgeben müssen. Im Zug kann man immerhin noch die Notbremse ziehen, im Flugzeug jedoch ist es absolut unmöglich, Einfluss zu nehmen.

Was kann man gegen Flugangst tun? Im Vorfeld kann sich der Patient über die wahren – geringen – Risiken informieren. Mit einer CD kann er sich ausserdem an die Geräusche im Flugzeug gewöhnen. Auch welche Bewegungen im Flugzeug normal sind, kann man im Vorfeld lernen. Im Flugzeug hilft es, sich gedanklich zuzusprechen oder Entspannungsübungen zu machen.

Das klingt nach einer langwierigen Konditionierung. Dem ist aber nicht so. Ich schlage häufig «Boostersitzungen» vor. Diese dauern zwei Stunden, in denen ich die verschiedenen Techniken vorstelle. Ich entlasse die Patienten mit einem «Nothilfekoffer», gebe ihnen Literatur zu Übungen und Techniken mit. Bereits nach diesen zwei Stunden ist es möglich, einen Flug zu überstehen. Das heisst nicht: angstfrei. Aber die Patienten können mit ihrer Angst umgehen und wissen, dass sie vorbeigeht.

Helfen bei etwas Irrationalem wie Angst auch rationale Argumente? Psycho-Edukation ist wichtig. Wichtig ist zudem zu vermitteln, dass es nie 100-prozentige Sicherheit gibt in unserem Leben. Dass es sehr sicher ist, kann ich vermitteln.

Einfach nicht zu fliegen ist aber keine Lösung? Nein. Jedes Mal, wenn ich einen Flug absage, ist die Chance grösser, dass ich nie mehr ein Flugzeug besteigen werde. Es ist wichtig, die Angst zu konfrontieren. Man darf sich selbst nicht einschränken.

Wie hoch ist die Erfolgsquote bei Flugangst-Therapien? Sehr hoch. Es werden nicht Menschen, die in Zukunft gerne fliegen. Aber sie können es durchstehen.

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