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«Stents lassen sich nicht entfernen»

Bioresorbierbare Stents waren ein Hoffnungsträger, doch nun sorgen schlechte Resultate für einen Rückschlag. Ein Kardiologe erklärt, was dies für Herzpatienten bedeutet.

Stents sind kleine Gitter meist aus Metall, die Ärzte Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit in die Herzkranzgefässe implantieren. Seit 2012 werden dabei zunehmend auch bioresorbierbare Stents verwendet. Doch nun hat der Hersteller Abbott den Einsatz der am meisten verwendeten Gefässstützen mit dem Namen «Absorb» eingeschränkt. Dies aufgrund von schlechten Studienergebnissen. Was bedeutet das für betroffene Patienten? Fragen an Gabor Sütsch, Kardiologe am Herzzentrum Hirslanden Zürich.

Was soll ein Patient tun, wenn er das Gefühl hat, dass er einen solchen bioresorbierbaren Stent hat?

Betroffene sollten sich deswegen nicht unnötig Sorgen machen. Es reicht, wenn Patienten im Rahmen der üblichen jährlichen Nachkontrolle zum Kardiologen gehen. Dieser führt bei einem Verdacht einen Belastungstest und allfällige weitere Untersuchungen durch. Früher zum Arzt müssen Patienten nur, wenn Beschwerden wie Engegefühl oder Schmerzen im Brustbereich länger anhalten, wiederkehren und auf das Medikament Nitroglycerin nicht ansprechen. Das gilt generell für alle Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit – unabhängig davon, ob sie einen Stent implantiert haben und welchen.

Lässt sich ein bioresorbierbarer Stent herausnehmen?

Nein, das geht bei Stents generell nicht. Bei einer erneuten Verengung wird die Blockade mit einem Ballon aufgedehnt, oder man setzt einen frischen Stent darüber, der das Gefäss wieder auf die normale Grösse aufdehnt. Dafür verwendet man dann einen herkömmlichen Metallstent.

Wie findet ein Patient heraus, ob er einen bioresorbierbaren Stent in sich trägt?

Bei uns bekommt jeder Patient sowie der zuweisende Arzt einen Austrittsbericht. Ich gehe davon aus, dass die meisten Kardiologen das ebenso handhaben. Im Bericht kann der Patient dann nachschauen, was implantiert wurde. Wenn BVS oder Scaffold sowie die Bezeichnung «Absorb» und die Firma Abbott aufgeführt sind, dann wurde der betreffende Stent implantiert. Es gibt übrigens auch bioresorbierbare Stents von anderen Firmen. Sie haben sich bislang nicht durchgesetzt und sind deshalb in der Minderzahl. Es existieren auch keine vergleichbar grossen Untersuchungen wie bei «Absorb».

Sollte ein Patient mit resorbierbarem Stent nicht früher zum Arzt oder sich häufiger kontrollieren lassen?

Nein, man kann bei diesen Patienten vorgehen wie immer. Nach einer Stent-Implantation ist normalerweise nach zwei bis drei Monaten eine erste, dann jährlich eine Kontrolle üblich. Ausgenommen bei Verdacht oder Beschwerden. Dann wird engmaschiger kontrolliert.

Die Anwendung der resorbierbaren Gefässstützen wurde von der Firma Abbott eingeschränkt, weil es in Studien zu viermal mehr Gefässverschlüssen kam als mit herkömmlichen Stents. Wie gross ist das Risiko für Patienten in der Schweiz?

Ein Stent-Verschluss mit einem Gerinnsel ist nie gut und oft mit höheren Erkrankungsraten und mehr Sterblichkeit verbunden. Es kann immer auch zu einem Herzinfarkt kommen. Doch das Risiko, einen Gefässverschluss zu bekommen, ist absolut gesehen immer noch relativ gering. Auch bei bioresorbierbaren Stents, auch wenn es etwas höher liegt als bei den herkömmlichen Metallgittern.

Abbott hat Kardiologen in ganz Europa dazu aufgerufen, die nicht verwendeten Absorb-Stents zurückzusenden. Aus Ihrer Sicht kein Rückruf. Was ist es dann?

Abbott hat einzig die kommerzielle Anwendung der Stents gestoppt. Sie dürfen künftig nur noch von ausgewählten Zentren und im Rahmen eines kontrollierten Registers gesetzt werden. Der Grund ist, dass man nicht sicher weiss, wieso es in Studien häufiger zu Problemen kommt im Vergleich zu herkömmlichen Stents. Die Auswahl der Patienten, die Implantationstechniken, die lokale Nachbehandlung, die Erfahrung des Kardiologen und andere Faktoren dürften ausschlaggebend sein für Erfolg oder Misserfolg.

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