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Sexprobleme warnen vor Herzinfarkt

Männer mit Erektionsstörungen haben ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Dass es im Bett mal nicht klappt, kann vorkommen. Doch etwa jeder zehnte Schweizer zwischen 40 und 50 Jahren hat länger als ein halbes Jahr Probleme, eine Erektion zu bekommen oder dauerhaft zu halten. Mit zunehmendem Alter leiden immer mehr Männer unter einer so genannten erektilen Dysfunktion: Bei den über 70-Jährigen ist es bereits jeder Zweite. Die betroffenen Männer haben möglicherweise nicht nur ein grosses Problem in der Partnerschaft, sondern auch in ihren Blutgefässen: Denn Erektionsstörungen können ein Warnhinweis dafür sein, dass der Betroffene in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt.

Organische Gründe

Studien zeigen, dass Männer mit Erektionsstörungen ein etwa anderthalbmal so grosses Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden wie Männer ohne Probleme beim Sex. Etwa jeder Dritte mit Verengungen in den Herzkranzgefässen hat eine erektile Dysfunktion, bevor sich die Verengungen durch Schmerzen in der Brust oder einen Herzinfarkt bemerkbar machen.

Früher dachte man, dass in den meisten Fällen psychische Ursachen der Grund dafür sind, warum es im Bett nicht klappt, beispielsweise Versagensängste, eine hohe Erwartungshaltung oder Probleme in früheren Partnerschaften. «Inzwischen wissen wir, dass eine erektile Dysfunktion überwiegend organisch bedingt ist», sagt Alexander Müller, Urologe am Universitätsspital Zürich. «Dies sind in über 70 Prozent der Fälle Veränderungen an den Blutgefässen, aber auch Medikamente oder Nervenstörungen spielen eine Rolle.»

Dass Erektionsstörungen und Erkrankungen der Blutgefässe zusammenhängen, ist nicht verwunderlich, denn beides hat eine gemeinsame Ursache: Arteriosklerose. «Die Risikofaktoren sind die gleichen: hoher Blutdruck, hohe Blutfette, Diabetes Typ 2, Rauchen und viel Bauchfett», sagt Michael Zitzmann vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie der Universität Münster in Norddeutschland. Meist würden die Erektionsstörungen den Problemen in anderen Gefässen rund zehn Jahre vorausgehen: «Wer mit 40 Jahren Erektionsprobleme hat, kann damit rechnen, mit 50 eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen.»

Dieser Zusammenhang sollte zumindest Medizinern eigentlich bekannt sein – den meisten Männern mit Erektionsstörungen ist er unbekannt. Unlängst diskutierten Experten in der Online-Ausgabe der britischen Ärztezeitung «BMJ», warum so viele Ärzte den Zusammenhang ignorieren und ihre Patienten nicht danach fragen.

Zu wenig Zeit für Gespräche

«Um das Thema Erektionsstörungen anzusprechen, braucht man Zeit», sagt Urologe Müller. Im Zuge des Kostendrucks bleibe im Terminkalender vieler Praxen jedoch wenig Platz für ein einfühlsames Gespräch. Männer mit Erektionsstörungen sollten sich jedoch nicht scheuen, das Problem bei ihrem Arzt anzusprechen. «Am besten sucht man einen Urologen und einen Internisten auf», rät Michael Böhm vom Uniklinikum im Saarland. «Möglicherweise braucht man Medikamente gegen Bluthochdruck, erhöhte Fettwerte oder Diabetes.» Wichtiger als Pillen ist, die Risikofaktoren für eine Arteriosklerose zu minimieren: Mehr Bewegung, abnehmen und das Rauchen einstellen.

Mehr Sex

Eine ganz andere Lösung stellten kürzlich Wissenschaftler aus Finnland vor: mehr Sex. Männer, die einmal pro Woche mit ihrer Partnerin schliefen, hatten halb so häufig eine erektile Dysfunktion wie diejenigen, die seltener sexuell aktiv waren. Ob häufigerer Sex allerdings das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senkt, ist fraglich.

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