Psychologie spielt Populisten in die Hände

Wir halten schlechte Nachrichten für wichtiger als gute. Das hat Folgen.

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Edgar Schuler@Edgar_Schuler

Es ist wie bei der Prinzessin auf der Erbse: Je weicher wir gebettet sind, desto intensiver erfühlen wir noch den kleinsten Störfaktor – und wälzen uns schlaflos. Je besser es der Welt geht, desto grösser erscheinen uns ihre Probleme. Alle Indikatoren globaler Armut zeigen hartnäckig nach unten, aber die Debatte über die Verelendung der Welt bricht nicht ab, sondern wird immer heftiger geführt. Und warum diskutiert Europa mit zunehmender Schärfe über die Flüchtlingsfrage, während doch die Zahl der in Europa ankommenden Schutzsuchenden abnimmt?

Sozialpsychologen der Universität Harvard haben nun experimentell bestätigt, was einem bei nüchterner Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklungen ohnehin plausibel erscheint. Wir neigen dazu, schlechte Nachrichten für wichtiger zu halten als gute. Dafür verschieben wir unsere Massstäbe nach Bedarf: Ein Problem, das uns vor seiner Lösung unlösbar riesig vorkam, scheint uns nachher als winzig – vor allem im Vergleich zum Problem, das nun als Nächstes ansteht.

Weniger Bauchgefühl, mehr Rationalität

Dieser urmenschliche Charakterzug hat seine Berechtigung. Er kann sogar überlebenswichtig sein. Er fördert die Konzentration auf die anstehenden Probleme, lässt Gesellschaften daran wachsen. Aber Politiker mit einem feinen Gespür für das Menschlich-Allzumenschliche nutzen den Prinzessin-auf-der-Erbse-Effekt schamlos für ihre Zwecke aus.

Die Harvard-Forscher vermeiden es, die politischen Implikationen ihrer Forschung beim Namen zu nennen. Sie liegen indes auf der Hand: Politiker können darauf bauen, dass sich potenzielle Wähler eher durch die Schwarzmalerei mobilisieren lassen als durch das Aufzählen erzielter Fortschritte. Weltarmut oder Flüchtlingskatastrophen eignen sich dazu bestens. Zahlen und Fakten, die Besserung aufzeigen, haben es in der politischen Diskussion schwer.

Was gegen solche Manipulation helfen könnte? Weniger Bauchgefühl, mehr Rationalität. Optimismus ist öfter angebracht, als wir meinen. Miesepetrigkeit ist seltener angebracht, als wir glauben.  

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