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Pest-DNA in Zähnen von Germanen entdeckt

Der gleiche Erregerstamm hat die zwei verheerendsten Pest-Pandemien der Menschheitsgeschichte ausgelöst.

Pest-Erreger Yersinia pestis unter dem Fluoreszenz-Mikroskop
Pest-Erreger Yersinia pestis unter dem Fluoreszenz-Mikroskop
Wikipedia

Auf der Suche nach den Ursprüngen der verheerendsten Pestausbrüche in der Menschheitsgeschichte sind Forscher an einer ungewöhnlichen Stelle fündig geworden. Sie entdeckten winzige Spuren verseuchter DNA in den Zähnen zweier Germanen, die vor rund 1500 Jahren der Justinianischen Pest zum Opfer fielen.

So gelang es den Wissenschaftlern, das Genom des ältesten bekannten Bakteriums zu rekonstruieren. Das überraschende Ergebnis: Die zwei schlimmsten Pest-Pandemien haben ein und denselben Erregerstamm, wie aus der Online-Ausgabe der Wissenschaftspublikation «Lancet Infectious Diseases» hervorgeht. Demnach kam die Justinianische Pest durch den Erreger Yersinia pestis in die Welt. Das sei der gleiche Erreger, der Europa im Mittelalter den Schwarzen Tod brachte.

Die beiden Seuchen entfalteten eine enorme Zerstörungskraft: Allein die Justinianische Pest soll in der Antike in Asien, Nordafrika, im Nahen Osten und in Europa die Hälfte der Bevölkerung der damaligen Welt ausgelöscht haben. Der Schwarze Tod kostete in nur vier Jahren im 14. Jahrhundert rund 50 Millionen Europäern das Leben.

Kein Zufallstreffer

«Das zeigt, dass die Pest bei mehreren verschiedenen Gelegenheiten auf den Menschen übersprang und dann Amok lief», sagt Tom Gilbert, Professor am Naturhistorischen Museum von Dänemark. Der Forscher schrieb einen Begleitkommentar zur Studie. Im Übrigen zeige die Entdeckung auch, dass «der Sprung nicht allzu schwierig war und kein reiner Zufallstreffer» gewesen sei, fügt Gilbert hinzu.

Die Pest wird in der Regel über Nagetiere übertragen, auf deren Fell sich mit Bakterien infizierte Flöhe tummeln. Derzeit gebe es 200 Spezies von Nagern, die den Krankheitserreger trügen und somit andere Tiere oder Menschen anstecken könnten, erklärt Hendrik Poinar von der kanadischen McMaster Universität. Allerdings bezweifeln Experten, dass eine moderne Pest-Epidemie so verheerend ausfallen könnte wie damals. «Die Pest wird es weiter geben, aber die heutige Antibiotika-Behandlung sollte es stoppen», erklärt Poinar, der die neuen Forschungsarbeiten betreute. Allerdings wäre Vorsicht geboten, wenn die Seuche durch Tröpfchen in der Luft übertragen würde - etwa wenn das Bakterium die Lungen erreicht und über Husten weitergegeben werde. Ein solcher Ausbruch könne Menschen binnen 24 Stunden nach einer Infektion töten.

Pest nicht ausgemerzt

Forscher müssten betroffene Nagerpopulationen stärker überwachen, mahnt Poinar. «Wenn wir zufällig irgendwo ein massives Sterben von Nagern sehen, wäre das alarmierend». Ganz ausgemerzt ist die Pest ohnehin nicht. Pro Jahr werden mehrere tausend Infektionen bei Menschen festgestellt. Die meisten Fälle treten in Zentral- und Osteuropa, Afrika, Asien und Teilen des amerikanischen Kontinents auf.

SDA/lae

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