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Morgen geht es los – wirklich

Eine Studie zeigt: Wer sich vornimmt, sämtlichen Versuchungen und Ablenkungen zu widerstehen, der erreicht das genaue Gegenteil. Dabei gibt es ein Rezept für den Erfolg.

Bereits zwei, drei Stichpunkte reichen, um einer Aufgabe den Schrecken zu nehmen: To-do-Liste. Foto: Stacy Spensley (Flickr)
Bereits zwei, drei Stichpunkte reichen, um einer Aufgabe den Schrecken zu nehmen: To-do-Liste. Foto: Stacy Spensley (Flickr)

Das Leben besteht aus einer einzigen Aneinanderreihung guter Vorsätze. Morgen wird die Deckung aufgegeben, Aufgaben werden angegangen. Morgen wird alles anders, statt Zeit mit Youtube-Videos zu verplempern, wird die Steuererklärung gleich erledigt. Unangenehme Telefonate sollen geführt und Pläne strukturiert werden.

Das nächste Projekt, grosses Angestellten-Ehrenwort, ist diesmal vor der Frist erledigt. Vorsätze wie diese münden stets in herbe Enttäuschung, schon wieder so lange im Internet rumgetrödelt, bis die Zeit für die Arbeit zu knapp geworden ist. Wieder versagt. Was folgt? Der nächste Vorsatz: Zeit, an der Selbstkontrolle zu arbeiten, beim nächsten Mal, so der dringende Wunsch, wird Disziplin geübt!

Bloss nicht, könnten Psychologen dazwischenrufen, mit einem Vorsatz wie diesem ist Scheitern erst recht programmiert. Selbstkontrolle lässt sich nicht erzwingen: Wer sich vornimmt, sämtlichen Versuchungen und Ablenkungen zu widerstehen, der erreicht das genaue Gegenteil; er wird erst recht vor einer lästigen Aufgabe kneifen. Das berichten der israelische Psychologe Liad Uziel und sein US-Kollege Roy Baumeister im Fachblatt «Personality and Social Psychology Bulletin».

Die gute alte To-do-Liste kann helfen

Verlockungen lauern überall. Ständig gilt es, Disziplin aufzubringen und Zerstreuungen zu widerstehen. Da liegt der Wunsch nach mehr Selbstkontrolle nahe. Unter den Teilnehmern der aktuellen Studie scheiterten jedoch auffällig viele an der Erledigung einer unangenehmen Arbeit, wenn sie sich zuvor explizit vorgenommen hatten, sich besser im Griff zu haben. Nun liesse sich einwenden, dass sich nur Trödler und chronische Prokrastinierer mehr Selbstkontrolle wünschen, also jene Menschen, die ohnehin nichts auf die Reihe kriegen.

Doch die Psychologen konnten zeigen, dass es tatsächlich der Wunsch nach Selbstkontrolle ist, der hemmende Wirkung ausübt. Manipulierten sie ihre Probanden nämlich so, dass auch in den ohnehin schon disziplinierten Machern der Wunsch nach mehr Tatkraft geweckt wurde, scheiterten sogar diese mit höherer Wahrscheinlichkeit daran, eine lästige Aufgabe zu erledigen.

Doch es besteht Hoffnung, trotz dieser demotivierenden Nachrichten aus der Wissenschaft Vorsätze erfolgreich umzusetzen. In einer weiteren Studie hat Baumeister gezeigt, wie die gute alte To-do-Liste helfen kann, Vorhaben zu erledigen. Die Punkte auf diesen Listen sollten lediglich um einen kurzen Plan ergänzt werden, wie die jeweilige Aufgabe angegangen werden könnte. Bereits zwei, drei Stichpunkte reichen demnach, um einer Aufgabe den Schrecken zu nehmen.

Erstens fühle es sich dann so an, als sei die Arbeit fast schon erledigt, so der Psychologe. Statt stundenlang über dem Problem zu grübeln, sei es im Geist so gut wie abgehakt und damit weniger belastend. Zweitens verschiebe das den Fokus von den eigenen Charakterschwächen hin zur konkreten Aufgabe. Sich hingegen unspezifisch mehr Selbstkontrolle abzuverlangen, betont nur die persönlichen Unzulänglichkeiten.

Das alles mündet schliesslich in den Vorsatz, künftig etwas gnädiger mit sich selbst zu sein. Meine Güte, was alles möglich sein wird. Morgen wird ein neues Leben beginnen. Wirklich. Grosses Ehrenwort.

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