«Länger anhaltende Kopfschmerzen nicht selbst behandeln»

Neurologe Hans H. Jung über den vernünftigen Umgang mit Schmerzmitteln.

Gehen wir zu leichtsinnig mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln um?
Nicht alle Menschen sind sich bewusst, dass auch Medikamente, die man ohne Rezept bekommt, vor allem bei längerer Einnahme gefährliche Nebenwirkungen haben können.

Ab wann ist die Einnahme problematisch?
Wer an mehr als 10 bis 15 Tagen pro Monat Schmerzmittel einnimmt und das über mehr als drei Monate, der riskiert, schmerzmittelinduzierte Kopfschmerzen zu entwickeln.

Was heisst das?
Man bekommt Kopfschmerzen wegen der Schmerzmittel, die man einnimmt. Es ist ein Teufelskreis. Wenn die Betroffenen die Dosis weiter erhöhen, verschlimmert sich das Ganze. Nur ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht kann dann noch helfen.

Was raten Sie Menschen, die immer wieder mal Kopfschmerzen haben?
Das kommt darauf an, unter was für Kopfschmerzen sie leiden, ob es Migräne ist oder ob es Spannungskopfschmerzen sind.

Wie merkt man, welchen Kopfschmerz man hat?
Spannungskopfschmerzen sind drückende oder ziehende Schmerzen, häufig beidseitig. Bei Spannungskopfschmerzen hilft beispielsweise Bewegung an der frischen Luft. Bei Migräne nicht. Körperliche Anstrengung steigert den Migräneschmerz. Es ist ein pulsierender Schmerz, meist einseitig. Die ­Patienten sind häufig lichtempfindlich und leiden auch unter Übelkeit.

Wann sollte man zum Arzt wegen der Kopfschmerzen?
Länger anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen sollte man nicht in Eigenregie behandeln. Als Faustregel gilt: Wer öfter als einmal pro Woche Medikamente deswegen einnimmt, der sollte sich von einem Arzt beraten lassen. Auch bei Migräne gibt es gewisse Präparate, die man vorbeugend einnehmen kann.

Was wäre das?
Magnesium, Vitamin B2 und das Co-Enzym Q10. Auch Entspannungsübungen können helfen. Bei schlimmeren Beschwerden verschreiben wir auch Betablocker, Antiepileptika oder schmerzdistanzierende Antidepressiva. Eine solche Basistherapie kann dabei helfen, dass man weniger Schmerzmittel braucht. Aber am besten bespricht man diese Dinge mit einem Neurologen.

Mit Hans H. Jung sprach Alexandra Bröhm

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