Studie zeigt, Salz ist unbedenklich – jetzt braucht es neue Empfehlungen

Schweizer essen nicht zu viel Salz. Welche Essgewohnheiten Ratgeber stattdessen unter die Lupe nehmen sollten.

Ratgeber müssen über die Bücher gehen: Gesalzener Fisch gilt besonders in Asien als Delikatesse. Bild: Keystone

Ratgeber müssen über die Bücher gehen: Gesalzener Fisch gilt besonders in Asien als Delikatesse. Bild: Keystone

Nik Walter@sciencenik

Wir Schweizer ernähren uns grosso modo vernünftig. Unter anderem deswegen – natürlich gibt es noch weitere Gründe – haben wir mit die höchste Lebenserwartung weltweit. Vernünftig ist zum Beispiel auch der hiesige Salzkonsum. Zwar nehmen Schweizer Frauen (7,5 Gramm pro Tag) und vor allem Männer (10,5 Gramm pro Tag) deutlich mehr als die offiziell empfohlenen 5 Gramm pro Tag ein.

Das ist aber nicht weiter tragisch. Denn eine neue Analyse einer grossen internationalen Studie belegt, dass ein Salzkonsum bis etwa 12 Gramm pro Tag, also weit über die empfohlene Dosis hinaus, zwar den Blutdruck leicht anhebt, aber gesundheitlich trotzdem unbedenklich ist (wir berichteten).


Ratgeber liegen falsch: Salz ist gar nicht so ungesundReich mir das Salz, bitte: Eine neue Studie widerlegt das Dogma der schädlichen Wirkung. Die höchste Sterblichkeit wurde gar bei Personen mit tiefem Salzkonsum festgestellt. (Abo+)


Eigentlich müssten jetzt die verschiedenen Organisationen, die uns seit Jahren vor einem zu hohen Salzkonsum warnen, über die ­Bücher gehen. Allen voran die Weltgesundheitsorganisation (WHO), aber auch die Schweizerische Herzstiftung und verschiedene medizinische Fachgesellschaften.

Doch dazu wird es so schnell nicht kommen. Denn so richtig ernst gemeint sind die 5 Gramm sowieso nicht. Der Zielwert ist offenbar rein psychologisch so tief angesetzt – 7 bis 10 Gramm seien absolut okay, sogar optimal, gibt der Leiter der Fachgruppe «Salz und Gesundheit» zu.

Gesundes Kalium

Mit anderen Worten: Beim Thema Salzkonsum besteht in der Schweiz kein Präventionsbedarf mehr. Das Geld, das in entsprechende Kampagnen gesteckt wird, wäre anderswo besser investiert. So ist etwa der versteckte Zucker in Nahrungsmitteln ein weit grösseres gesundheitliches Problem als das Salz.

Alternativ könnte man zum Beispiel auch den gesundheitlichen Nutzen von Kalium besser anpreisen. Denn die aktuelle Studie zeigt auch, dass ein höherer Kaliumkonsum mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Viel Kalium enthalten Früchte, Gemüse, Nüsse, aber auch Schokolade. Eine Empfehlung, mehr Kalium zu konsumieren, dürfte daher vielen Menschen gelegen kommen. Zumal Kalium gerade für Personen, die relativ viel Salz konsumieren, besonders gesund ist.

Video – Salz ist gar nicht so ungesund

Eine gross angelegte Studie widerlegt bisherige Empfehlungen für den Salzkonsum. (Video: Ryan Neukomm, Marc Chéhab)

Tages-Anzeiger

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