Jede Woche stirbt ein Patient, der auf ein Organ wartet

Rund 500 Menschen haben 2014 in der Schweiz eine Organspende erhalten – rund 70 Prozent der Organe stammen jedoch aus dem Ausland.

Organspender dringend gesucht: Eine Person füllt den Organspendeausweis aus. (4. März 2009)

Organspender dringend gesucht: Eine Person füllt den Organspendeausweis aus. (4. März 2009)

(Bild: Keystone)

Rund 500 Menschen haben 2014 in der Schweiz eine Organspende erhalten. Doch noch immer werden laut der Stiftung Swisstransplant zu wenig Organe gespendet - mit tragischen Folgen: Pro Woche stirbt im Schnitt mindestens ein Patient, der vergeblich auf ein Organ gewartet hatte.

117 Menschen spendeten im letzten Jahr nach ihrem Tod eines oder mehrere ihrer Organe, wie Swisstransplant am Freitag mitteilte. Das sind sieben mehr als im Vorjahr. Hinzukommen 124 Menschen, die eine Niere oder einen Teil ihrer Leber gespendet haben, so genannte Lebendspender.

Mit einer Spenderrate von 14,4 pro Million Einwohner liege die Schweiz aber immer noch im unteren Drittel Europas, schreibt Swisstransplant, die im Auftrag des Bundes die Organspenden koordiniert.

Dank dem Import von Organen aus dem Ausland erhielten im vergangenen Jahr insgesamt 504 Patientinnen und Patienten ein neues Organ. Die Warteliste wuchs jedoch weiter an: 1370 Personen warteten Ende 2014 auf ein lebensrettendes Organ - rund hundert mehr als noch im Vorjahr.

61 Personen, die auf der Warteliste für ein Organ waren, starben 2014. Betroffen seien insbesondere diejenigen gewesen, die ein Herz, eine Lunge oder eine Leber benötigt hätten, teilte Swisstransplant mit. Im Vorjahr waren 73 auf der Warteliste aufgeführte Menschen gestorben.

«Realistisches Ziel»

Den Mangel an Spenderorganen wollen Bund und Kantone mit einem 2013 lancierten Aktionsplan bekämpfen. Ziel ist es, bis 2018 eine Rate von 20 Spenderinnen und Spendern pro Million Einwohner zu erreichen.

Das sei ein «durchaus realistisches Begehren», schreibt Swisstransplant. Die Stiftung verweist auf die Nachbarländer Frankreich, Italien und Österreich, die mehr als doppelt so viele Spender pro Million Einwohner aufwiesen wie die Schweiz.

Konkret sieht der Aktionsplan vor, mit besser geschultem Personal in den Spitälern die Zahl der Organspenden zu steigern. Ansetzen soll der Aktionsplan in dem Moment, in dem sich Betroffene oder Angehörige mit der Frage einer Organspende auseinandersetzen müssen. Er beinhaltet unter anderem auch Verbesserungen bei spitalinternen Abläufen.

Kein Mangel an Spendewilligen

Dank diesen Massnahmen könne in «absehbarer Zeit» mit einer Zunahme von Spenderorganen gerechnet werden, schreibt Swisstransplant. An Spendewilligen mangle es in der Schweiz nicht. «Wir wissen aus der engen Zusammenarbeit mit Jugendlichen, dass über 80 Prozent zwischen 16 und 25 die Organspende befürworten», wird Swisstransplant-Chef Franz Immer zitiert.

Organe einer verstorbenen Person dürfen in der Schweiz nur dann entnommen werden, wenn sie oder allenfalls die Angehörigen zugestimmt haben. Ein Systemwechsel hin zur Widerspruchslösung hat politisch einen schweren Stand: Nach dem Ständerat sprach sich vergangenen Oktober auch die vorberatende Kommission des Nationalrats dagegen aus. Der Nationalrat hat noch nicht entschieden.

rar/sda

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