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Impfkritiker im Aufwind

Donald Trump will mit Impfgegnern zusammenspannen. Deren Argumente sind durch zahlreiche Studien längst widerlegt.

Alte, längst widerlegte Impfkritik wird aufgewärmt.
Alte, längst widerlegte Impfkritik wird aufgewärmt.
Ralf Hirschberger, Keystone

Mit Donald Trump als neuem US-Präsident wittern Impfgegner in den USA Morgenluft. Obschon die Debatte um Autismus als Folge von Impfungen wissenschaftlich als längst abgeschlossen galt. Studien zeigen, dass dieser Zusammenhang nicht existiert. Deshalb reiben sich nun Ärzte und Wissenschaftler verstört die Augen und sorgen sich zunehmend. Denn Trump scheint frühere Äusserungen zu Impfungen tatsächlich ernst gemeint zu haben und plant diese nun umzusetzen.

Im Jahr 2014 twitterte Trump zum Beispiel, dass es viele Fälle von Autismus nach Impfungen gebe, und warf den Ärzten vor, dass sie gelogen hätten.

Ein Jahr darauf sagte er in einem Radiointerview, dass er persönlich zwei Fälle von Autismus nach Impfungen kenne. Das seien gesunde Babys, die nach dem Arztbesuch Fieber und dann Autismus bekommen hätten. «Viele, viele Leute haben dies erlebt», so Trump. «Die Autismusrate ist so hoch, wie wir das noch nie gesehen haben.» Trump möchte dabei vor allem, dass mehrere Impfungen nicht mehr auf einmal, sondern verteilt über einen grösseren Zeitraum gespritzt werden. Denn grundsätzlich glaube er an Impfungen, «zu 100 Prozent, es gibt keinen grösseren Anhänger».

Gespräche mit Impfgegnern

Vor zwei Wochen bestätigte eine Sprecherin laut der «Washington Post», dass Trump eine neue Kommission schaffen möchte, die den Zusammenhang von Impfstoffen und Autismus untersuchen soll. Es seien allerdings noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden. Für den Vorsitz einer solchen Impfsicherheits-Kommission hat sich Robert F. Kennedy junior ins Gespräch gebracht. Der bekannte Impfgegner und Neffe des ehemaligen US-Präsidenten sagte nach einem Treffen mit Trump, dass dieser ihm die Leitung angeboten und er zugesagt habe.

«Das ist sehr beängstigend; es ist schwer, jemanden zu finden, der weniger qualifiziert ist für eine wissenschaftliche Impfkommission», sagte Peter Hotez, angesehener Impfexperte am Baylor College of Medicine in Houston (Texas, USA) in der «Washington Post». «Die Wissenschaft ist eindeutig: Eine überwältigende Zahl von Belegen zeigt, dass es keine Verbindung zwischen Impfungen und Autismus gibt.» Das sage er als Wissenschaftler, der Impfstoffe entwickle, und als Vater einer erwachsenen Tochter mit Autismus. «Unsere öffentliche Gesundheit wird leiden, wenn diese aufkeimende Neo-Anti-Impf-Bewegung nicht sofort gestoppt wird», ergänzt Hotez.

Mit Andrew Wakefield sucht eine weitere umstrittene Figur der Anti-Impfstoff-Bewegung zumindest die Nähe zu Trump. Er gehörte vergangene Woche bei den Amtseinführungs-Feierlichkeiten zu den Gästen. Er sprach von «sehr aufregenden Zeiten» und dass er am Anlass nach Verbündeten Ausschau halte.

Studie mit 96'000 Teilnehmern

Wakefield ist der Autor einer 1998 im angesehenen Fachblatt «Lancet» veröffentlichten Studie, die Impfgegnern als wichtiges Argument diente. Die Veröffentlichung suggerierte, dass Masern-Mumps-Röteln-Impfungen Autismus auslösen können. Als Folge der Studie gingen die Impfraten insbesondere in Grossbritannien stark zurück.

Wakefield stützte sich bei der Studie allerdings nur auf acht Fälle. Zudem wurden später finanzielle Verstrickungen mit Anwälten bekannt, die betroffene Eltern vertraten. Fünf der Kinder in der Studie waren ausserdem Klienten der Anwaltskanzlei, die eine Schadenersatzklage gegen einen Impfstoffhersteller plante. Das Fachjournal «Lancet» distanzierte sich in der Folge von der Veröffentlichung und zog sie 2010 schliesslich vollständig zurück. Im gleichen Jahr verlor Wakefield wegen schwerer Verstösse gegen die Berufsordnung seine ärztliche Zulassung in Grossbritannien.

Zahlreiche Studien haben seit der Veröffentlichung des Wakefield-Papers einen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfungen ausgeschlossen.

Zuletzt legten im Jahr 2015 amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt «Jama» nach. In der Langzeitstudie untersuchten die Forscher um Craig Newschaffer und Anjali Jain die Daten von fast 96'000 Teilnehmern. Das Fazit: Eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung erhöht nicht das Risiko für Autismus.

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