Schöpfer von Designer-Babys in China zu Haft verurteilt

He Jiankui soll – teilweise illegal – das Erbgut von durch künstliche Befruchtung gezeugten Zwillingen verändert haben.

In einem Video kündete Jiankui He die Geburt der beiden Mädchen Lulu und Nana an. (25. November 2018) Video: Tamedia
Kathrin Zinkant@zinkant

Der geistige Vater der ersten drei sogenannten Crispr-Babys, He Jiankui, ist von einem Bezirksgericht in der chinesischen Provinz Guandong zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von knapp 400'000 Euro verurteilt worden. Wie die staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Montag mitteilte, wurden zudem über zwei Mitarbeiter des Wissenschaftlers längere Haftstrafen verhängt. Der South China Morning Post zufolge wurde das Verfahren gegen den Forscher und seine Mitarbeiter geheim durchgeführt, um «bestimmte beteiligte Personen» zu schützen.

Im Urteil heisst es nun, He und seine Mitarbeiter hätten illegale Versuche zur Geburt von genetisch manipulierten Kindern durchgeführt, Dokumente gefälscht und insgesamt «die Grenze medizinischer Ethik überschritten». Die Verurteilten hätten lediglich nach Ruhm und Profit gestrebt und dafür mutwillig gegen wissenschaftliche Regeln verstossen.

He war vor gut einem Jahr mit einem Schlag berühmt geworden, als er im Vorfeld einer internationalen Konferenz in Hongkong die Geburt der ersten zwei genetisch veränderten Babys in seinem Youtube-Channel bekannt gab. Gemeinsam mit einem kleinen Team von Kollegen hatte He im Rahmen einer künstlichen Befruchtung Embryonen mithilfe der sogenannten Genscheren Crispr-Cas manipuliert. Das Werkzeug erlaubt zumindest theoretisch eine relativ präzise Veränderung des Erbguts. Erfolgt eine solche Manipulation in Keimzellen oder sehr frühen Embryonen, wird sie auch an die folgenden Generationen weitergegeben. Experten sprechen von einem Eingriff in die Keimbahn.

Nach eigener Aussage nutzte He Crispr-Cas, um die Embryonen gegen eine Infektion mit dem Aids-Erreger HIV immun zu machen. Ob ihm die dafür nötige Manipulation gelungen ist, wird von den meisten Fachleuten allerdings stark bezweifelt. Bislang ist zudem noch immer nicht völlig sicher, ob die angeblichen Crispr-Babys wirklich existieren. Zwar hatte die chinesische Staatsagentur Xinhua bereits im Januar dieses Jahres die Geburt der Zwillinge Nana und Lulu bestätigt; inzwischen soll auch ein drittes Baby aus der Versuchsgruppe geboren worden sein. Doch eine unabhängige Untersuchung der Kinder durch internationale Experten ist immer noch nicht erfolgt.

He verschwand sehr bald nach seiner Ankündigung von der Bildfläche. Zunächst wurde vermutet, es sei unter Hausarrest gestellt worden, bald gab es erste Vermutungen, dass ihm ein Prozess und eine Haftstrafe drohen könnten.

Mit seiner Ankündigung setze eine heftige internationale Debatte darüber ein, wie mit Menschenversuchen zum Eingriff in die Keimbahn künftig umzugehen sei. Zwar sprachen sich Forschungsorganisationen weltweit für eine Ächtung von Keimbahneingriffen beim Menschen aus, allerdings zeigte sich schon bald, dass es auch Wissenschaftler gibt, die dies anders sehen. So kündigte der russische Genetiker Denis Rebrikow im vergangenen Juli an, Menschen, die wegen eines erblichen Defekts taub geboren sind, durch einen Eingriff mit der Genschere zu normal hörenden Kindern verhelfen zu wollen.

Die Aufarbeitung des Falls He belegt zudem, dass auch Forscher ausserhalb Chinas über die Versuche des Biophysikers informiert waren, aber darüber schwiegen. Insofern ist mehr als fraglich, ob etwa das von der Weltgesundheitsorganisation eingesetzte Expertengremium zur Regulierung von Keimbahneingriffen die Entwicklung noch aufhalten kann.

Für He allerdings ist es nun endgültig vorbei mit dem Eingriff ins menschliche Erbgut. Nach dem Ende seiner Haft darf er sich an keinerlei reproduktionsmedizinischen Experimenten mehr beteiligen.

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