Ernährungsempfehlungen, die widerlegt wurden

Welche Nahrungsmittel-Mythen mittlerweile von der Forschung überholt wurden.

Eier enthalten viel Cholesterin, beeinflussen aber das Blutcholesterin kaum.
Matthias Meili@MatthiasMeili

Viele Ernährungsempfehlungen sind geprägt von überholten Paradigmen und sich widersprechenden Erkenntnissen, die den Konsumenten mehr verwirren als helfen. Im Grundsatz gilt aber immer: Ein ausgewogenes und massvolles Essverhalten ist für gesunde Personen die wichtigste Regel.

Butter: 1952 postulierte der US-Ernährungsforscher Ancel Keys von der University of Minnesota die «Diät-Herz-Hypothese», welche den Startschuss für den schlechten Ruf der tierischen Fette gab. Keys war aufgrund von tierexperimentellen Studien zu der Überzeugung gelangt, dass gesättigte Fettsäuren eine der wichtigsten Ursachen für den Herzinfarkt sind. Bald war auch der Ruf der Butter mit ihren tierischen Fetten und Fettsäuren ruiniert, der Boom der pflanzlich basierten Margarine setzte ein. Doch 2004 zeigte eine schwedische Studie, dass ein hoher Verzehr an Milchfett das Herzinfarktrisiko nicht steigert. Der Grund: Milchfett enthält neben gesättigten Fettsäuren auch ungesättigte Fettsäuren, ja das Verhältnis von Omega-6-zu herzschützenden Omega-3-Fettsäuren ist sogar optimal. Weitere Studien zeigten auch, dass selbst gesättigte Fettsäuren weniger problematisch als angenommen sind.

Eier: Sie hatten lange Zeit den Ruf äusserst schädlicher Cholesterinbomben. Tatsächlich enthält ein mittelgrosses Ei etwa 220 Milligramm Cholesterin und deckt bereits zwei Drittel des täglichen Cholesterinbedarfs einer erwachsenen Person. Heute weiss man jedoch, dass das Nahrungs-Cholesterin nur einen sehr geringen Einfluss auf das Blutcholesterin hat. 2013 haben amerikanische und chinesische Ernährungswissenschaftler in einer Metaanalyse gezeigt, dass gesunde Probanden, die während Jahren bis zu einem Ei pro Tag verzehrten, kein höheres Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefässe und Schlaganfall hatten. Das Risiko für akute Hirnblutungen, die rund 5 Prozent aller Schlaganfälle ausmachen, war sogar geringer.


Ratgeber liegen falsch: Salz ist gar nicht so ungesundReich mir das Salz, bitte: Eine neue Studie widerlegt das Dogma der schädlichen Wirkung. Die höchste Sterblichkeit wurde gar bei Personen mit tiefem Salzkonsum festgestellt. (Abo+)


Wein: Als «französisches Paradox» hat es bei vielen für freudigen Applaus gesorgt: Ein Gläschen Wein pro Tag schützt vor Herzinfarkt und verlängert das Leben. Zudem soll ein vernünftiger Konsum von Wein oder Bier auch vor Diabetes Typ 2 schützen. Verschiedene Studien stützten diese Erkenntnisse. Doch neuste Untersuchungen zeigen, dass dabei die positiven Effekte überinterpretiert wurden. Es zeigte sich, dass mögliche gesundheitliche Vorteile durch nachteilige Wirkungen, etwa ein erhöhtes Sucht- und Unfallrisiko, aufgewogen werden. Ein mässiger Konsum ist also nicht gesünder als ein Verzicht.

Tages-Anzeiger

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