Zum Hauptinhalt springen

Einzelkinder teilen häufiger

Kinder achten erst ab dem 7. Altersjahr auf das Wohl anderer Kinder, haben Zürcher Forscher herausgefunden.

Ohne Kooperation, Fairness und Ehrlichkeit würde eine Gesellschaft schnell auseinander brechen. Dass diese Spielregeln eingehalten werden, stellen verschiedene Mechanismen sicher: Behördlich verordnete Strafen für Gesetzesbrecher und soziale Ächtung all jener, die sich als Schmarotzer an ihren Mitmenschen schadlos halten.

Daneben besitzt der Mensch wie kein anderes Tier ein tiefsitzendes Bedürfnis, anderen zu helfen. Das Wohlergehen der Mitmenschen liegt den meisten von uns am Herzen. Woher dieses Bedürfnis kommt und in welchem Alter es entsteht, ist allerdings noch kaum verstanden.

Die Kinder denken vor allem an sich

Forscher um den Verhaltensökonomen Ernst Fehr von der Universität Zürich haben bei 229 Mädchen und Knaben im Alter von drei bis acht Jahren die so genannte Ungleichheitsaversion untersucht. Der etwas sperrigen Begriff bezeichnet die Forderung vieler Menschen nach einer gerechten Verteilung der Ressourcen.

Die Resultate der Studie, die in der heutigen Ausgabe von «Nature» veröffentlicht wurde, lassen aufhorchen. So dachten die drei- bis sechsjährigen Kinder vor allem an sich. Erst den sieben- bis achtjährigen war das Wohl anderer Kinder wichtig. Zudem teilten Eizelkinder signifikant häufiger als Kinder mit Geschwistern. Und bei den Kindern mit Geschwistern teilten die Letztgeborenen weniger häufig als ihre älteren Geschwister.

«Diese Befunde haben uns überrascht und sie widerlegen das gängige Vorurteil», sagt Fehr. Vielleicht liege es daran, dass sich Einzelkinder stärker um Spielkameraden bemühen müssten. «Einzelkinder müssen in ihrer Familie nicht um Ressourcen kämpfen», sagt Fehr. «Aber sie wollen Kontakt. Und den kriegen sie nur, wenn sie nett sind zu andern Kindern.»

Neid und Missgunst

Die Zürcher Forscher machten mit den Kindern drei Versuche, in denen sie Süssigkeiten zwischen sich und einem anderen, nicht anwesenden Kind aufteilen mussten. Die Kleinen konnten im ersten Versuch sich und dem Gegenüber je ein Smartie geben (1-1), oder nur sich selber eins geben (1-0). Im zweiten Versuch bestand die Wahl zwischen 1-1 und 1-2. Im dritten zwischen 1-1 und 2-0.

Je älter die Kinder waren, desto stärker waren sie am Wohl des Gegenübers interessiert und auch bereit, die Süssigkeiten zu teilen. Zwischen dem dritten und achten Altersjahr wandelt sich Eigennutz in Ungleichheitsaversion.

Dass das nicht nur positiv sein muss, zeigte die Altersgruppe der sieben und acht Jährigen. 85 Prozent dieser Kinder missgönnten dem Gegenüber zwei Süssigkeiten, wenn sie selber nur ein Stück haben konnten - Ungleichheitsaversion kann zu Neid oder gar Missgunst werden. «Faires Teilen spielt bei Kindern eine grosse Rolle», sagt Fehr. «Dass das aber solche Ausmasse annimmt, kommt für mich überraschend.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch