Ein Spenderherz vom Schwein

Genetisch veränderte Tiere sollen Organe für Menschen liefern. Wissenschaftler haben nun an Schweinen Fortschritte erzielt.

Kann Leben retten: Ein Medizinstudent arbeitet an einem Schweineherz. Foto: Matthias Rietschel (Keystone)

Kann Leben retten: Ein Medizinstudent arbeitet an einem Schweineherz. Foto: Matthias Rietschel (Keystone)

In langwieriger, gentechnischer Fleissarbeit hat ein Wissenschaftlerteam des amerikanischen Unternehmens E-Genesis Schweine erschaffen, die einmal Organe für kranke Menschen liefern sollen.

Die Geningenieure machten 62 Abschnitte im Erbgut der Paarhufer unschädlich, die als potenziell gefährlich für den Menschen gelten. Diese Erbanalgen stammen von Viren, die vor Urzeiten die Schweine befallen haben und ihre genetischen Spuren hinterlassen haben. Seit vor Jahrzehnten in Laborexperimenten beobachtet wurde, wie diese «PERV» genannten Altviren aus Schweinezellen menschliches Gewebe infizierten, gelten sie als Sicherheitsrisiko für die Xenotransplantation von Schweineorganen in menschliche Körper.

Allein in Deutschland warten Tausende schwerkranke Menschen auf ein passendes Spenderorgan. Gentechnisch an den Menschen angepasste Tierorgane sollen einst den Mangel beheben. Zusammen mit dem Genetiker George Church von der Harvard University, der ebenfalls für E-Genesis arbeitet, inaktivierten die Forscher sämtliche PERV in Zellen von Schweinen und stopften das bereinigte Erbgut in Eizellen, deren eigene DNA sie zuvor entfernt hatten.

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Aus diesen Konstrukten erwuchsen einige Dutzend Klonschweine, «die erste PERV-freie Schweineproduktion», wie es in einer Pressemitteilung des Unternehmens heisst. Das Team werde nun weiter daran arbeiten, die Xenotransplantation sicherer zu machen. Das Team stellt seine Arbeit in der aktuellen Ausgabe des Journals Science vor.

Andere Genetiker zeigen sich beeindruckt von der Fleissleistung der Forscher, doch gibt es Zweifel, ob es überhaupt notwendig ist, alle PERV auszuschalten. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA will derzeit nur einzelne der Altviren eliminiert sehen, die ziemlich sicher Probleme machen. So sieht es auch die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihren Empfehlungen für zukünftige Xenotransplantationen.

Patienten, die wegen langer Wartelisten kein menschliches Spenderorgan bekommen, könnten durch Verzögerungen sterben.

Die FDA fordert ausserdem, alle PERV eines potenziellen Spendertieres zu kartieren und den Empfänger regelmässig darauf zu untersuchen, ob alte Schweineviren wieder zum Leben erwacht sind. «Aber bislang eben nicht komplette PERV-Freiheit», sagt der Veterinärmediziner Eckhard Wolf, der an der Universität München ebenfalls daran arbeitet, Tierorgane sicher zu machen für die Transplantation in den menschlichen Körper.

Dabei komme es nicht nur auf die alten Viren an, auch ein paar Erbanlagen der Schweine müssten ausgeschaltet werden, um das Risiko zu minimieren, dass der menschliche Körper das fremde Organ abstösst.

PERV-Eliminierung als grösste Herausforderung

Auch wenn es für den Organempfänger sicher keinen biologischen Nachteil bringt, sollten doch sämtliche PERV abgeschaltet werden, so könnten einige durch die neue Arbeit dennoch das Nachsehen haben. «Es wäre kontraproduktiv, wenn durch den Nachweis, dass es möglich ist, alle PERV zu eliminieren, die Behörden die Hürden entsprechend hochschrauben würden», sagt Wolf. «Dadurch würden klinische Versuche weiter hinausgeschoben werden.» Patienten, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, aber wegen langer Wartelisten keines von einem Menschen bekommen, könnten durch die Verzögerung sterben.

Dass nicht nur die alten Virusgene bei der Xenotransplantation Probleme bereiten, ist auch den Wissenschaftlern bei E-Genesis klar. Auch sie arbeiten bereits an genetischen Veränderungen von Schweinen, die darauf abzielen, das menschliche Immunsystem angesichts des fremden Organs nicht in Aufruhr zu versetzen, erklärt Co-Unternehmensgründer Luhan Yang ein einem Beitrag in Science. Das hält er für eine grössere Herausforderung, als die PERV zu eliminieren.

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