Zum Hauptinhalt springen

Der lauteste Alarmknopf der WHO

Die UNO-Behörde hat wegen des Coronavirus die weltweite Notlage ausgerufen. Das ist nicht zuletzt auch ein politisches Signal.

Die Schutzmasken sind immer dabei: Pendler in Hongkong. (Getty Images/Ivan Abreu/30. Januar 2020)
Die Schutzmasken sind immer dabei: Pendler in Hongkong. (Getty Images/Ivan Abreu/30. Januar 2020)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus als globalen Notfall eingestuft. Damit sind schärfere Massnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs verbunden. Noch sei die Zahl der Infektionen ausserhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde.

Ghebreyesus begründete die Entscheidung nicht mit den aktuellen Geschehnissen in China, sondern mit der Ausbreitung des Erregers ausserhalb der Volksrepublik. Die grösste Sorge sei, dass das Virus in ein Land mit schwächerem Gesundheitssystem gelange, das nicht die Kapazitäten zur Eindämmung der Epidemie habe.

Das Notfallkomitee empfahl unter anderem, Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen im Falle eines Ausbruchs zu unterstützen, die Entwicklung von Therapien und Impfstoffen gegen den Erregern zu beschleunigen, Forschungsdaten zu teilen und gemeinsam gegen Gerüchte und Falschmeldungen vorzugehen. Zugleich sprach sich die WHO gegen die Einschränkung von Reisen und Handel aus. (Empfehlungen an die Bürger sind auf der WHO-Webseite zu finden.)

Zuerst noch dagegen ausgesprochen

Der globale Notfall ist so etwas wie der lauteste Alarmknopf, welcher der WHO zur Verfügung steht. Er ist zum einen ein politisches Signal, das die internationale Aufmerksamkeit für die Erkrankung erhöhen und den Kampf gegen die Epidemie verstärken soll. Zugleich sind damit in der Regel konkrete Handlungsempfehlungen verbunden.

In der vergangenen Woche hatte sich das Expertengremium der WHO noch dagegen ausgesprochen, die «Notlage von internationaler Tragweite», wie sie offiziell genannt wird, auszurufen. Mittlerweile sind über 8000 Erkrankungen in 20 Ländern bestätigt, bislang sind 170 Menschen in China gestorben.

Video: Wuhan wegen Coronavirus abgeriegelt

In Wuhan sind die Coronavirusfälle sprunghaft angestiegen. (Video: Tamedia)

Aktuell dürfte die Ausrufung der Notlage auch dazu dienen, die bisherigen Bemühungen zur Kontrolle des Ausbruchs zu vereinheitlichen. «194 Länder, die einseitige Massnahmen basierend auf ihren eigenen Risikoabschätzungen ergreifen – das ist ein potenzielles Rezept für ein Disaster in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht», hatte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan im Vorfeld der Entscheidung gesagt. Es sei essenziell, dass Entscheidungen, die Handel, Reisen und die Volkswirtschaft betreffen, rational und auf der Grundlage wissenschaftlicher Evidenz getroffen werden.

Schon fünfmal davon Gebrauch gemacht

Derzeit haben etliche Länder und Firmen im Alleingang Einschränkungen beschlossen. Russland riegelt wegen des neuartigen Coronavirus seine Grenze zu China teilweise ab. Mehrere Fluggesellschaften – darunter Lufthansa, British Airways und Air France – haben vorrübergehend ihre Flüge nach China gestrichen. Unternehmen ihre Niederlassungen in der Volksrepublik geschlossen.

Wirtschaftliche und politische Isolation aber treffen betroffene Regionen nicht nur hart, sie können auf lange Sicht auch deren Kooperationsbereitschaft in Gesundheitsfragen unterminieren und dazu führen, dass Ausbrüche nicht rechtzeitig gemeldet werden. Aus diesem Grund versucht die WHO, die Hoheit über drastische Einschränkungen zu bewahren.

Der weltweite Alarm kann für jede Form von Krankheitsausbruch ausgerufen werden, wenn ein ernstes und unerwartetes Gesundheitsproblem vorliegt, das sich in in andere Länder ausdehnen kann und internationale Reaktionen verlangt.

Die Möglichkeit dieser globalen Warnung besteht seit 2007. Seither machte die WHO fünfmal von ihr Gebrauch: während der Schweinegrippe-Pandemie, dem Wiedererstarken des vielerorts bereits ausgerotteten Poliovirus, angesichts des Zika-Virus in Südamerika sowie während der Ebola-Epidemie in Westafrika und dem noch immer andauernden Ebola-Ausbruch im Kongo.

Zum Inhalt

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch