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Das Déjà-vu vom Déjà-vu vom Coiffeur-Besuch

Minutenlange Sequenzen seines Alltags kamen ihm bekannt vor. Was er im Fernsehen sah, glaubte er schon gesehen zu haben. Ein junger Brite mit chronischem Déjà-vu beschäftigt die Wissenschaft.

Und wo entsteht das Déjà-vu? Hirnscan zeigt Hirnteile, die aktiv sind.
Und wo entsteht das Déjà-vu? Hirnscan zeigt Hirnteile, die aktiv sind.
Keystone

Wie in einer Zeitschleife gefangen, so fühlte sich sein Leben während Jahren an: ein 23-jähriger Brite sorgt derzeit in der Wissenschaftswelt für Gesprächsstoff. Der junge Mann litt unter einer Art chronischem Déjà-vu. Dauernd hatte er das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben; Alltagsszenen von fünf Minuten oder mehr schien er ein zweites Mal zu durchleben.

Ein Team aus britischen, französischen und kanadischen Wissenschaftlern hat sich mit dem Fall befasst. Dabei kamen sie zum Schluss, dass Angstgefühle die Ursache des Phänomens sein könnten, so die BBC. Der Neuropsychologe Chris Moulin war an der Studie beteiligt. Gegenüber dem Sender erklärt er, dass der Brite zu einem früheren Zeitpunkt unter Depressionen und Angstzuständen litt, ansonsten jedoch gesund ist. Moulin: «Der Fall dieses Mannes war bemerkenswert, weil er jung und bei klarem Verstand war, aber total traumatisiert von diesem Gefühl, sein Verstand spiele ihm etwas vor.»

Kein Radio, kein Fernsehen

Laut der Studie verschlimmerte sich der Zustand des Briten zusätzlich, je mehr ihn die Déjà-vus stressten. Einmal betrat er einen Coiffeursalon und hatte das Gefühl, die Situation schon einmal erlebt zu haben. Im nächsten Moment hatte er plötzlich noch das Gefühl, das Déjà-vu schon einmal erlebt zu haben. Moulin: «Er konnte anschliessend an nichts anderes mehr denken.»

Der 23-Jährige hörte auf, Zeitungen zu lesen, Radio zu hören oder den Fernseher einzuschalten – weil er stets das Gefühl hatte, eh alles schon einmal gelesen, gehört oder gesehen zu haben. Weil Hirnscans nichts anzeigten, vermuten die Wissenschaftler, dass die Ursache des chronischen Déjà-vu psychologisch sein könnte.

Keine abschliessende Erklärung

Generell geht man davon aus, dass zwei Drittel der Menschen mindestens einmal in ihrem Leben ein Déjà-vu haben. Ins Leben gerufen wurde der Begriff 1876 vom französischen Philosophen Emile Boirac. Abschliessend erklären lässt sich das Phänomen bis heute nicht; Theorien dazu gibt es mehrere. Eine besagt, dass Déjà-vus entstehen, wenn es zu Fehlzündungen von Nervenzellen im Hirn kommt. Eine andere sieht die Ursache für das Phänomen darin, dass vertraute Formen im Hirn falsche Erinnerungen auslösen.

Chris Moulin ist überzeugt, dass der Fall des Briten mit chronischen Déjà-vus die Forschung einiges weiterbringen könnte. Denn wegen seiner kurzlebigen Natur ist das Phänomen nur schwer untersuchbar. Seit die Studie über den 23-Jährigen veröffentlicht wurde, haben sich aber bereits weitere Menschen gemeldet, die unter andauernden Déjà-vus leiden.

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