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Darf man in der Therapie lachen?

Mein Psychotherapeut hat in der letzten Sitzung einen Lachanfall bekommen. Darf er das? Was halten Sie vom therapeutischen Einsatz von Humor?

Lieber Herr M. Der Lachanfall ihres Psychotherapeuten ist das eine; therapeutischer Humoreinsatz das andere. Und zwischen beidem liegen Welten. Beginnen wir bei Ersterem: Eine gute psychoanalytische Deutung hat einiges mit einem Witz gemeinsam. Sie fällt einem zu wie eine gelungene Pointe; sie stellt einen Zusammenhang her, auf den man vorher nicht gekommen ist; sie ist treffend und absurd zugleich – so absurd eben, wie das Unbewusste aus der Perspektive des Bewusstseins erscheint. Und, nicht zu vergessen, eine Deutung wie eine Pointe sind zwar erhellend, aber keine Form der Einsicht, auf die man sich immer wieder berufen kann. In ihrer rechthaberischen Wiederholung – «Wir haben doch bereits gesehen, dass Sie . . .» – werden sie witzlos.

Das Gegenteil einer Psychotherapie als angewandte fröhliche Wissenschaft des Entdeckens neuer Zusammenhänge ist das, was sich therapeutische «Humorarbeit» nennt. «Zunehmend», teilt Humor-Care Schweiz (die Gesellschaft zur Förderung von Humor in Therapie, Pflege und Beratung) auf ihrer Website mit, «nimmt der Humor als Kommunikationsebene in der pflegerischen, betreuenden und therapeutischen Arbeit mit erwachsenen Menschen Einzug.» In «Humorberichten von der Front» erzählen Mitglieder von «Beispielen nachhaltiger Humorarbeit in ihrer ganzen Spannweite». Zum therapeutisch-humoristischen Schwurbel gehört selbstverständlich auch die «Formulierung eigener ethischer Richtlinien (Ausschluss von unreflektiertem Humor wie Sarkasmus, Zynismus, Ridikülisierung, despektierlichem Humor)». Wo bleibt der Schutz vor Passiv-Humor?

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