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Bub kann mit transplantierten Händen schreiben und spielen

Zion lebt seit zwei Jahren mit fremden Händen und Unterarmen. Was er heute kann, halten Ärzte für eine Sensation.

Mediziner haben einem Buben in Philadelphia zwei neue Hände transplantiert. (Video: Tamedia / AFP)

Zion hat mit acht Jahren gelernt, mit Messer und Gabel zu essen, sich selber anzuziehen, einen Baseballschläger zu halten und sich an einem Kletterstab hochzuziehen, sogar schreiben kann er. Eine Sensation, finden seine Ärzte – denn der Knabe benutzt für diese Alltagshandlungen zwei transplantierte Hände. Gestern veröffentlichten die Ärzte die Details der Behandlung in der Fachzeitschrift «The Lancet Child & Adolescent Health».

Ethisch musste das Experiment sorgsam begutachtet werden, das vier Ärzteteams unter Leitung von Sandra Amaral vom Children’s Hospital in Philadelphia durchführten. Die Transplantation von Händen sei kein überlebensnotwendiger Eingriff, zumal es immer bessere Handprotesen gebe, schreibt Marco Lanzetta, der unter anderem an der Ludes Universität in Lugano tätig ist, in einem Kommentar.

Mit vier Jahren todkrank

Doch der kleine Patient, ein US-Amerikaner, ist ein Sonderfall. Nach einer Transplantation muss der Empfänger Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, damit der Körper das fremde Organ nicht abstösst. Bei einem Kind sind diese Medikamente bedenklich. Langfristig können die Wirkstoffe zu Krebs führen, zu mehr Infektionen oder Wachstumsstörungen hervorrufen. Doch Zion nahm bereits seit seinem vierten Lebensjahr immunsupprimierende Medikamente ein, da er eine Niere von seiner Mutter transplantiert bekommen hatte. Im Alter von zwei Jahren war der Knabe todkrank. Eine Blutvergiftung mit Staphylokokken führte zu einem Nierenversagen und liess seine Hände und Füsse absterben, sodass sie amputiert werden mussten.

Als im Juli 2015 ein passender Spender für den Knaben bereitstand, waren zwei Ärzteteams damit beschäftigt, die Hände und Unterarme beim Spender sorgsam abzunehmen und zwei weitere Teams, um sie beim Empfänger in einer mehr als zehnstündigen Operation anzufügen. Es war eine besondere Herausforderung, die bei Kindern noch kleinen Adern und Nerven miteinander zu verbinden. Die Knochen wurden mit Schrauben und Platten vereinigt.

Schneller Erfolg und Rückschläge

Bereits nach wenigen Tagen konnte der damals achtjährige Patient seine Finger bewegen. Innerhalb eines Jahres begann der Junge, etwas auf den Handrücken und den Innenflächen zu spüren –, und nach 18 Monaten konnte er die Hände auch feinmotorisch benutzen.

Doch ganz so geradlinig verlief der Operationserfolg nicht. Zwei Stunden nach dem Eingriff zeigte sich plötzlich, dass die rechte Hand nicht richtig durchblutet war. Das Kind musste zurück in den OP, die Gefässe wurden noch einmal behandelt. Nach einem Monat kam es zu einer ersten kleineren Abstossungsreaktion, die mit Medikamenten eingedämmt wurde. Nach vier und noch einmal nach sieben Monaten bekämpfte der Körper erneut die fremden Gliedmassen. Seit Januar 2017 sei der Junge nun aber stabil mit zahlreichen Medikamenten eingestellt, schreibt das Ärzteteam.

Eine Handtransplantation von einem fremden Spender sei operativ und medikamentös nun auch bei Kindern möglich, schreiben Sandra Amaral und ihre Kollegen, zumindest was das kurzfristige Ergebnis nach 18 Monaten angeht. Um Handtransplantationen bei Kindern zu etablieren, brauche es aber noch weitere Daten von ähnlichen Operationen und die Langzeitbeobachtung der Patienten.

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