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Bluthochdruck ist eine Zeitbombe

Fliesst das Blut im Körper mit zu hohem Druck, so werden Gefässe und Organe geschädigt. Oft unentdeckt, weil Betroffene zunächst nicht leiden. Bluthochdruck ist eine Zeitbombe. Rechtzeitig erkannt kann sie oft ohne Medikamente entschärft werden.

«Wie viele bei uns unter Bluthochdruck leiden, ist nicht genau bekannt», sagt Edouard Battegay, Bluthochdruckspezialist des Universitätsspitals Zürich. Einige Angaben liefert die Weltgesundheitsorganisation. Danach sollen in den Kantonen Waadt und Freiburg 6,4 Prozent der Männer und 3,7 Prozent der Frauen im Alter von 35 bis 65 Jahren schon mittelschwer an Bluthochdruck leiden. Hochgerechnet wären so in der Schweiz 165390 Personen davon betroffen. Doch diese Zahlen sind unzuverlässig.

1,8 Millionen betroffen

Markus Mohaupt, Leiter der Bluthochdruckabteilung am Inselspital Bern, verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass nur gut die Hälfte der tatsächlich Erkrankten überhaupt erkannt, geschweige denn kontrolliert und behandelt werden. Insgesamt dürfte mindestens ein Viertel der Schweizer Bevölkerung, etwa, 1,8 Millionen Menschen, betroffen sein. Viele von ihnen sind sich dessen nicht bewusst, weil es zu Beginn keine Anzeichen des Unwohlseins oder Leidens gibt. Deshalb spricht man auch von der Zeitbombe Bluthochdruck.

Ein komplexes Regulierungssystem steuert den Blutdruck (siehe auch Text unten). Deshalb ist es auch schwierig, die Ursachen bei zu hohem Blutdruck eindeutig zu bestimmen. «Leider findet man bei 80 Prozent der Patienten keine Anhaltspunkte dafür», sagt Mohaupt. Die positive Meldung jedoch ist, so Mohaupt: «Hat man keine anderen Risikofaktoren und ist auch nicht zuckerkrank, dann kann man versuchen, den Bluthochdruck ohne Medikamente zu senken, sofern er nicht stark erhöht ist.»

Wie aber entsteht der zu hohe Blutdruck? Einerseits, wenn das Herz eine zu grosse Menge von Blutflüssigkeit durch die Gefässe pumpen muss. Weil sich die Gefässe nicht beliebig ausdehnen, steigt der Druck. Bei sportlichen Tätigkeiten oder in gewissen angespannten Situationen ist ein kurzzeitiger Anstieg durchaus die Norm. Die Menge des Blutes wird aber in erster Linie vom Natriumgehalt im Körper bestimmt, den wir aktiv über die Salzeinnahme steuern. Verkürzt ausgedrückt: Bei stark salzhaltiger Nahrung schüttet die Niere mehr Volumen in den Blutkreislauf. Die Nieren nehmen also eine Schlüsselposition ein. Nierenschäden gehen oft mit Bluthochdruck einher.

Anderseits können sich aber auch die Gefässe verengen oder versteifen, speziell im Alter, aber auch bei Zuckerkranken. Weil dann das Blut nur noch mit Mühe durch die kleinen Gefässe – wie etwa die Arteriolen – fliesst, erhöht sich ebenfalls der Druck.

Erste Messungen ab 20

Bluthochdruckspezialist Markus Mohaupt rät zur ersten Blutdruckmessung zwischen dem 20. und 30.Altersjahr. Frauen sollten vor der Schwangerschaft ihren Blutdruck abklären lassen. Ist dieser nämlich zu hoch, könnte das Kind zu klein oder zu früh zur Welt kommen. In beiden Fällen könnten die Nieren des Kindes zu wenig wachsen, was die Neigung zu hohem Blutdruck stark erhöht, wie jüngste Studien des Inselspitals zeigen (vergleiche auch BZ vom 12.August).

Bei leicht erhöhtem Blutdruck soll man zuerst versuchen, den Druck ohne Medikamente zu senken, falls keine andern Risikofaktoren wie Kreislauf- oder Blutzuckererkrankungen vorhanden sind. Dazu muss man, so Mohaupt, Lebensgewohnheiten in mehreren Punkten umstellen: Gewicht abnehmen (vielfach begünstigt Übergewicht Bluthochdruck), vermehrte körperliche Bewegung, mindestens 3-mal in der Woche für je eine halbe Stunde, Salzdiät einhalten und schliesslich eine stressfreiere Umgebung suchen oder zumindest den Stress eindämmen. Stress ist nämlich ein weiterer Faktor, der bei dafür veranlagten Menschen den Blutdruck krankhaft steigen lässt. Hier spielen dann insbesondere hormonelle Faktoren eine massgebende Rolle.

Kombination bevorzugt

Was aber, wenn man die obigen Ratschläge bereits befolgt, sportlich und schlank ist? Dann gilt es, die Ursachen so weit wie möglich abzuklären und Medikamente einzunehmen. Markus Mohaupt rät zu einer Kombination, beispielsweise von ACE-Hemmern, welche die Nierenfunktion steuern, und Wassertabletten, einem Diuretikum. Müssen mehr Medikamente eingenommen werden, kommt es oft zu Nebenwirkungen wie Benommenheit, Übelkeit, Schwindel oder geschwollenen Beinen. Mohaupt sagt, dass man diese Anzeichen durch die geschickte Wahl der Medikamente verhindern kann. Es sei zudem zu bedenken, dass die medikamentöse Senkung des Bluthochdrucks zu Beginn auch Unwohlsein und verminderte Leistungsfähigkeit hervorrufen kann. «Est ist aber ganz wichtig, dass die Patienten die Nebenwirkungen melden, und dass wir als Ärzte uns für diese Anliegen Zeit nehmen», sagt Mohaupt. Deshalb, weil sonst verunsicherte Patienten die Medikamente einfach reduzieren oder gar nicht mehr einnehmen.

Auch im Alter wichtig

Wird der Bluthochdruck nicht behandelt, so schädigt er mit der Zeit fast alle Organe, insbesondere die Nieren, das Herz und das Gehirn. «Das Hirn», sagt Mohaupt, «ist leider das primär betroffene Organ.» Meistens in Form eines Hirnschlags, der, falls nicht tödlich, einen zum Pflegefall lähmt und das Bewusstsein trübt oder an den Rollstuhl bindet. Bernard Waeber, Doyen unter den Schweizer Bluthochdruckspezialisten in Lausanne, weist darauf hin, dass Bluthochdruck im Alter nicht als Schicksal hinzunehmen ist, sondern behandelt werden muss.

Edouard Battegay vom Universitätsspital Zürich: «Bluthochdruck ist im Alter eine Normalerscheinung, doch zeigte die neuste Studie dazu, dass bei über 80-Jährigen die Gesamtsterblichkeit und Herzkreislaufprobleme, besonders der Hirnschlag, signifikant abnehmen, wenn man den Blutdruck senkt.» Und Waeber ergänzt: «Die Behandlung ist ebenfalls wichtig, um die Demenz zu verhindern.»

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