Astronauten haben ständiges Weltraumfieber

Im bitterkalten Weltall liegt die Körpertemperatur der Astronauten konstant über 37 Grad. Machen sie Sport, wird es gefährlich.

Eine erhöhte Temperatur im Gehirn kann die Leistung einschränken und zu schlechten Entscheidungen verleiten: Sandra Bullock und George Clooney im Film «Gravity». Foto: Warner Bros.

Eine erhöhte Temperatur im Gehirn kann die Leistung einschränken und zu schlechten Entscheidungen verleiten: Sandra Bullock und George Clooney im Film «Gravity». Foto: Warner Bros.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Weltraum ist kein warmer Ort. Auch im Schatten der Internationalen Raumstation ISS kann die Temperatur locker unter minus 100 Grad Celsius fallen. Da wirkt es einigermassen paradox, dass Hitze für die Raumfahrer der Station das weit grössere Problem darstellt. Wie Wissenschaftler im Fachblatt «Scientific Reports» berichten, läuft der Körper in der Schwerelosigkeit regelrecht heiss.

Die Forscher beobachteten, dass die innere Körpertemperatur von Weltraumfahrern selbst im Ruhezustand rund ein Grad über dem irdischen Normalwert von 37 Grad liegt - eine Art ständiges Weltraumfieber. Wenn die Weltraumpiloten sich sportlich betätigen, steigt ihre Temperatur sogar häufig auf mehr als 40 Grad. Bei solchen Werten wird es allmählich gesundheitlich gefährlich.

Vermutlich hat das Weltraumfieber damit zu tun, dass der Körper überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswird.

Bei elf Astronauten und Kosmonauten, die jeweils ein halbes Jahr auf der ISS verbrachten, ermittelten Forscher unter anderem von der Charité Berlin mit Stirnsensoren die sogenannte Kerntemperatur, die im Gehirn und in den inneren Organen herrscht. Dabei scheint die Temperatur nicht schlagartig zu steigen, sobald man den Weltraum erreicht. Vielmehr wird der Körper etwa zweieinhalb Monate lang stetig wärmer, bis er sich bei 38 Grad einpendelt. Das sei bedenklich, warnen die Mediziner, schliesslich gilt schon auf der Erde, dass die Körpertemperatur bei schwerer Arbeit nicht dauerhaft 38 Grad übersteigen sollte.

Vermutlich hat das Weltraumfieber damit zu tun, dass der Körper überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswird. Der sogenannte konvektive Wärmeaustausch mit der Umwelt funktioniert schlechter. Auch durch Schwitzen wird überschüssige Hitze kaum abtransportiert, da der Schweiss weniger verdampft als auf der Erde. Das dürfte auch erklären, warum der Körper während Trainingseinheiten im All besonders schnell überhitzt. Das ist besonders fatal für künftige Weltraumflüge, etwa zum Mars.

Sehkraft kann abnehmen

Denn bei mehrmonatigen oder sogar mehrjährigen Aufenthalten in der Schwerelosigkeit müssen Astronauten unbedingt trainieren, um ihre Muskeln fit zu halten. Andererseits scheint gerade das auch gefährlich für ihre Gesundheit zu sein, oder auch für die Mission: Denn eine erhöhte Temperatur im Gehirn kann die körperliche und geistige Leistung einschränken und zu schlechten Entscheidungen verleiten.

Die aktuelle Studie ist nicht die erste, die vor den gesundheitlichen Folgen der Raumfahrt warnt. Kürzlich kamen Forscher im «New England Journal of Medicine» zum Ergebnis, dass die minimale Schwerkraft im All das Gehirn so verändern kann, dass die Sehkraft von manchen Astronauten abnimmt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2017, 15:21 Uhr

Artikel zum Thema

Die Kometenjägerin

Porträt Kathrin Altwegg hat mit der Raumsonde Rosetta die Grundbausteine des Lebens entdeckt. Physik und Glaube sind für sie kein Widerspruch. Mehr...

Der Vulkan ist angezapft

In Island haben Geologen 4,7 Kilometer weit in die Tiefe gebohrt. Es könnte der Weg zu einer völlig neuen Energiequelle sein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Punktlandung: Eine russische Raumkapsel mit drei Raumfahrern der Internationalen Raumstation (ISS) an Bord landet in der Steppe von Kasachstan. Nach fünf Monaten ist die Besatzung wieder auf die Erde zurückgekehrt. (14. Dezember 2017)
(Bild: Dmitry Lovetsky) Mehr...