«Ärzten geht es nicht nur um Geld»

Small Talk

Karl Ehrenbaum möchte, dass die Menschen an seinen Veranstaltungen mehr über die Medizin und ihren eigenen Körper lernen.

<b>Karl Ehrenbaum</b><br>Der Betriebswirt veranstaltet mit seinem«Verein Gesundheitsbildung Schweiz» allgemeinverständliche Abendkurse zu medizinischen Themen. <br>

Karl Ehrenbaum
Der Betriebswirt veranstaltet mit seinem«Verein Gesundheitsbildung Schweiz» allgemeinverständliche Abendkurse zu medizinischen Themen.

Ärzte klagen oft über anstrengende Patienten, die mit einem Stapel von Internet-Ausdrucken in die Sprechstunde kommen. Sorgt Ihr Angebot nicht für noch mehr Verunsicherung?

Nein, im Gegenteil. Im Internet wissen Sie meistens nicht, ob die Informationen korrekt sind oder nicht. Untersuchungen zeigen, dass, wenn jemand Kopfschmerzen hat und im Netz nach Informationen sucht, er nach kürzester Zeit beim Hirntumor landet und sich dann davor fürchtet. Mit unseren öffentlichen Abendkursen möchten wir Patienten, Angehörigen und Gesunden gesichertes Wissen aus erster Hand vermitteln.

Weiss die Bevölkerung zu wenig über Medizinthemen?

Wenn jemand eine Segeltour macht, plant er minutiös und weiss im Voraus selbst, was er wann essen wird. Vor einer Sprechstunde machen sich hingegen die wenigsten Gedanken darüber, was sie dem Arzt genau sagen wollen, und vergessen dann die Hälfte. Wir möchten die Leute informieren, damit sie sich bewusster verhalten und möglichst lange selbstbestimmt leben können. Und sie sollen in der Lage sein, mit ihren Ärzten einen Dialog zu führen und Risikoabwägungen wenigstens zum Teil selber vorzunehmen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Referate aus?

In erster Linie wollen wir die grundlegenden Funktionen des Körpers von Kopf bis Fuss erklären. Und natürlich kommen die wichtigsten Erkrankungen und deren Behandlungen und die Prävention zur Sprache. Die Reihenfolge kann sich aus der Aktualität ergeben. Ende August hatten wir beispielsweise wegen der Abstimmung zum Epidemiengesetz das Thema Impfen aufs Programm gesetzt. Entscheidend ist aber letztlich, dass wir die Dozenten bekommen, die wir möchten. Dabei wollen wir nicht eine Werbeveranstaltung für ein Spital abhalten, sondern geeignete Fachleute aus allen Schweizer Spitälern, Hochschulen, aber auch den Bundesämtern auftreten lassen.

Referate zu Medizinthemen sind oft eine Gratwanderung zwischen Komplexität und Verständlichkeit.

Man muss die richtige Abstufung finden. Doch können die Teilnehmer jederzeit nachfragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Bei 20 bis 100 Zuhörern pro Abend ist dies gut möglich. Wir versuchen allerdings schon, einen gewissen Grad an Differenzierung zu behalten und Klischees zu vermeiden. Ärzte sind weder Alleskönner wie in der Schwarzwaldklinik, noch geht es ihnen nur um Geld und Ruhm wie in der Serie Nip/Tuck.

Bisher bezahlen Sie die Kosten für Ihr Projekt hauptsächlich aus der eigenen Tasche. Glauben Sie, dass dies auf die Dauer finanziell aufgeht.

Unbedingt. Die Menschen geben für die Gesunderhaltung generell viel aus. Schauen Sie nur, wie viel Geld die Wellness-Industrie verdient. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren und möchten das Konzept von Zürich aus auch in andere Städte tragen.


Der nächste Kurs zu Check-up und Psychosomatik findet am Do 26.9. an der Pädagogischen Hochschule Zürich statt.www.gesundheitsbildung-schweiz.ch

DerBund.ch/Newsnet

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