US-Behörden: Antibakterielle Seifen bringen nichts

Die US-Arzneibehörde FDA verbietet desinfizierende Reinigungsmittel. Die Schweiz will 2017 nachziehen. In Zahnpasta und Deos sind die problematischen Substanzen weiterhin erlaubt.

Wasser und gewöhnliche Seife genügen, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern.

Wasser und gewöhnliche Seife genügen, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern.

(Bild: Reuters Mariana Bazo)

Felix Straumann@fstraum

Sicher ist sicher. Das sagen sich viele, die sich in den Ferien oder während der Grippesaison vor Ansteckung schützen möchten und deshalb ihre Hände mit antibakterieller Seife waschen. Bringt nichts, sagt nun die amerikanische Arzneibehörde FDA. «Konsumenten glauben, dass antibakterielle Seifen die Verbreitung von Keimen besser verhinderten», erklärt FDA-Abteilungsleiterin Janet Woodcock in einer Mitteilung der Behörde. «Doch wir haben keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass diese besser sind als herkömmliche Seife und Wasser.» Im Gegenteil: Es gebe Daten, die nahelegten, dass antibakterielle Inhaltsstoffe langfristig mehr schadeten, als nützten.

Die US-Behörde verfügt jetzt deshalb, dass antiseptische Waschprodukte für den Privatverbrauch nicht mehr verkauft werden dürfen. Viele Hersteller setzen ihren Reinigungsprodukten zunehmend entsprechende Substanzen als Verkaufsargument hinzu. Sie haben nun ein Jahr Zeit, das neue Verbot umzusetzen. Laut FDA-Mitteilung hätten einige Firmen bereits begonnen, die Inhaltsstoffe wegzulassen. Nicht betroffen von der neuen Regelung sind antibakterielle Produkte in Spitälern oder Arztpraxen.

Brustkrebs und geschädigte Spermien

Unter den insgesamt 19 Inhaltsstoffen, die nicht mehr verwendet werden dürfen, sind Triclosan und Triclocarban. Sie sind die am häufigsten verwendeten antibakteriellen Substanzen und stehen seit Jahren in der Kritik. Beide werden nicht nur in Reinigungsmitteln, sondern auch in zahlreichen Alltagsprodukten wie Zahnpasta, Deos und Hautlotionen verwendet. Studien deuten darauf hin, dass sie wie Hormone wirken und so bei Mensch und Umwelt für Schäden sorgen. Laut der Vereinigung Schweizer Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz (Aefu) steht Triclosan unter anderem im Verdacht, beim Menschen Brustkrebs auszulösen, Spermien zu schädigen, Leber und Muskeln anzugreifen sowie Resistenzen gegen Antibiotika zu begünstigen. Zudem reize die Substanz die Haut. Aefu forderte deshalb 2014 mit einer Petition ein Verbot.

In der Schweiz wird Triclosan laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) ab 2017 verboten sein. Allerdings nur als antibakterieller Zusatz in Reinigungsmitteln und Seifen für den Privatgebrauch. Als Konservierungsmittel in Kosmetika ist der Stoff erst ab einer Konzentration von 0,3 Prozent verboten, Triclocarban ab 1,5 Prozent. «Der Schutz der Gesundheit der Konsumenten ist mit den heutigen Regelungen zu Triclosan auf hohem Niveau gewährleistet», versichert Marcel Marti vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Die Schweiz hat die zulässige Höchstkonzentration im Jahr 2015 erst gerade gesenkt, so wie kurz davor die EU. Auslöser seien Resultate von neuen toxikologischen Studien und eine aktualisierte Risikobewertung gewesen.

In Muttermilch und Nabelschnurblut

Unter den zulässigen Höchstkonzentrationen ist die Verwendung allerdings immer noch möglich und verbreitet. «Das Teilverbot von Triclosan kommt spät und genügt nicht», sagt Martin Forter, Aefu-Geschäftsführer, auf Anfrage. Die Substanz müsse auch bei tiefen Konzentrationen vollständig verboten werden, fordert er. Auf ihrer Website hat Aefu 2014 eine Liste mit Triclosan-haltigen Kosmetikprodukten aufgeschaltet. Neben Zahnpasten und Seifen finden sich darunter auch Socken, Hundepfoten- und Sextoyreiniger. «Die Liste ist immer noch weitgehend aktuell», sagt Forter.

Bei Triclosan steht weniger der direkte Kontakt durch Produkte im Fokus. Problematischer ist, dass der Stoff mit dem Abwasser in Seen und Flüsse gelangt und sich dadurch überall in der Umwelt nachweisen lässt. Auch im Menschen. Gemäss Aefu taucht die Substanz selbst in der Muttermilch und im Nabelschnurblut auf.

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