Schweizer haben mit 16 zum ersten Mal Sex

Eine neue Studie zeigt: Viele junge Frauen berichten von unerwünschten Erfahrungen und sexuellem Missbrauch.

93 Prozent der Befragten nutzen beim ersten Geschlechtsverkehr Kondome: Ein junges Paar auf dem Sofa. Bild: Getty Images

93 Prozent der Befragten nutzen beim ersten Geschlechtsverkehr Kondome: Ein junges Paar auf dem Sofa. Bild: Getty Images

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In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich vieles geändert in Sachen Sexualität, insbesondere durch das Internet. Dating-Apps, Sexting und der freie Zugang zu pornographischen Inhalten sind nur einige Beispiele. Wie haben sich diese Veränderungen auf das Sexualleben der Schweizer Jugend ausgewirkt, die damit aufgewachsen ist? Dieser Frage sind Forschende der Universitätsspitäler Zürich und Lausanne (CHUV) nachgegangen. An der Umfrage beteiligten sich 7142 junge Erwachsenen im Alter von 24 bis 26 Jahren.

Zum Zeitpunkt der Online-Befragung befanden sich rund drei Viertel der Teilnehmenden in einer festen Beziehung, die durchschnittlich im Alter von 22 Jahren begonnen hatte. 95 Prozent hatten in ihrem bisherigen Leben mindestens einen Partner, die Mehrheit zwischen zwei und sieben, hiess es in der Studie.

Den ersten sexuellen Kontakt hatten die Befragten im Durchschnitt mit knapp unter 17. Die meisten Befragten (93 Prozent) verhüteten dabei, meistens mittels Kondom. Beim letzten Geschlechtsverkehr vor der Befragung verteilte sich die Verhütungsmethode relativ gleichmässig auf Kondom und Anti-Babypille, andere Methoden nutzte nur ein kleiner Bruchteil der Studienteilnehmenden.

«Es ist erfreulich zu sehen, dass ein so hoher Anteil junger Erwachsener verhütet, auch wenn natürlich eine Rate von hundert Prozent wünschenswert wäre», kommentierte Brigitte Leeners vom Universitätsspital Zürich die Ergebnisse gemäss einer Mitteilung vom Donnerstag.

Trotz der verbreiteten Verwendung von Kondomen hatte etwa jeder Zehnte unter den Befragten bereits eine sexuell übertragbare Krankheit gehabt, am häufigsten Chlamydien. Einen HIV-Test hatten fast die Hälfte (45 Prozent) durchführen lassen.

Das Internet spielt für das Sexualleben der jungen Erwachsenen in der Schweiz tatsächlich eine grosse Rolle: 62 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen hatten bereits eine Dating-Plattform benutzt. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Männer und 43 Prozent der Frauen trafen sich auch mit einer Online-Bekanntschaft, und 35 Prozent beziehungsweise 22 Prozent hatten Sex mit jemanden, den sie über das Internet kennengelernt hatten.

Fast drei Viertel berichtete, Texte, Fotos oder Videos von sich mit sexuellem Inhalt versendet zu haben. 22 Prozent gaben an, solche «Sexting»-Nachrichten bereits an Dritte weitergeleitet zu haben, wobei Männer deutlich überrepräsentiert seien, hiess es in der Studie.

Beachtenswert ist zudem, dass Frauen deutlich häufiger als Männer angeben, sexuelle Kontakte gehabt zu haben, ohne diese wirklich gewünscht zu haben, nämlich 53 Prozent gegenüber 23 Prozent. Als Grund führten die meisten an, sie hätten damit eine gute Beziehung zum Partner aufrechterhalten wollen. 16 Prozent der Frauen berichteten ausserdem von sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung, während nur 2,8 Prozent der Männer solche Ereignisse erlebt hatten.

Funktionsstörungen häufiger als gedacht

Etwa eine von neun jungen Frauen in der Schweiz berichtet von sexuellen Funktionsstörungen. Bei den jungen Männern ist es sogar jeder Dritte. 17,5 Prozent der befragten jungen Männer gab an, Probleme mit vorzeitiger Ejakulation zu haben. Der gleiche Prozentsatz berichtete von Erektionsproblemen. Nur ein Bruchteil von 0,6 Prozent bezeichnete diese Probleme jedoch als moderat oder schwer.

(oli/sda)

Erstellt: 06.09.2018, 10:44 Uhr

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