Schweiz besonders stark von Grippe betroffen

Die Grippewelle befindet sich auf dem Höhepunkt – und ist intensiver als in anderen Ländern. In welcher Region die meisten Menschen im Bett liegen.

Sind am stärksten von der momentanen Grippewelle betroffen: Kinder bis 14 Jahre.

Sind am stärksten von der momentanen Grippewelle betroffen: Kinder bis 14 Jahre. Bild: Keystone

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Die Schweiz wird von einer Grippewelle heimgesucht, die sich derzeit auf ihrem Höhepunkt befindet. Bereits im Dezember wurde der saisonale epidemische Schwellenwert von 68 Verdachtsfällen pro 100’000 Einwohner überschritten. Anfang Januar waren 360 von 100’000 Personen betroffen – so viele wie nie in diesem Winter.

Jetzt ist es überstanden, dachte man. Denn zum gleichen Zeitpunkt wie im vergangenen Jahr sank die Anzahl Fälle. Doch dann vermeldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) plötzlich wieder einen deutlichen Anstieg. 2003 war letztmals eine solche mehrgipflige Epidemie aufgetreten.

Gemäss der jüngsten Erhebung des BAG gibt es noch 313 Fälle pro 100’000 Einwohner. Der Trend zeigt also wieder leicht nach unten, auch bei Kindern bis 14 Jahren, die am stärksten von der Grippewelle betroffen sind. Die beiden Altersgruppen der 15- bis 29-Jährigen und der 30- bis 64-Jährigen konsultieren den Arzt jedoch auf konstant hohem Niveau.

Zudem sind grippeähnliche Erkrankungen nach wie vor im ganzen Land weit verbreitet, besonders in den Kantonen Graubünden und Tessin (Region 6 des Sentinella-Meldesystems). Dort gibt es fast 576 Fälle pro 100’000 Einwohner. Im Aargau, beiden Basel und Solothurn (Region 3), in Bern, Freiburg und Jura (Region 2) sowie in beiden Appenzell, Glarus, St. Gallen, Schaffhausen, im Thurgau und im Kanton Zürich (Region 4) sind es jeweils über 300. In letzterer Region ist die Tendenz sogar steigend.

Im europäischen Vergleich ist die Schweiz stark betroffen. Die Intensität der Grippe wird vom Europäischen Zentrum für Gesundheitsprävention und Kontrolle (ECDC) als hoch eingestuft. Nur in sechs anderen Ländern ist die Situation derzeit ähnlich prekär. Luxemburg hat als einziges Land mit einer sehr hohen Grippeintensität zu kämpfen.

In Westeuropa wurde in den vergangenen Wochen vielerorts eine niedrige bis mittelhohe Aktivität der grippeähnlichen Erkrankungen registriert. In einigen Ländern steigt die Aktivität weiterhin, andere haben den Höhepunkt der Epidemie bereits überschritten. In Teilen Asiens, in Nordamerika und Nordafrika wurde eine erhöhte oder steigende Aktivität festgestellt.

Eine Grippewelle kann laut BAG in der Bevölkerung zeitweise zu einer höheren Sterblichkeit führen als in den übrigen Wintermonaten üblich. In der Altersgruppe der über 64-jährigen Schweizerinnen und Schweizer kam es in der Woche vor Weihnachten zu dieser sogenannten Übersterblichkeit.

Bei älteren Menschen, die besonders anfällig für eine Ansteckung oder einen gefährlichen Verlauf der Grippe sind, liesse sich das Risiko mit einer Impfung wohl minimieren. Doch die Raten von Grippeimpfungen sinken in ganz Europa seit sieben Jahren kontinuierlich, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO und das ECDC heute gemeinsam vermeldeten.

Jährlich 44’000 Grippetote in EuropaSchätzung der WHO

44'000 Menschen sterben in Europa jährlich an Atemwegserkrankungen, die im Zusammenhang mit der saisonalen Grippe auftreten, schätzen die beiden Organisationen. Drei Viertel der Betroffenen sind über 65. Doch gerade ältere Menschen lassen sich gemäss der Erhebung immer seltener impfen. In der Hälfte der untersuchten europäischen Länder ist es nur eine von drei Personen.

Die niedrigen Impfraten bei Älteren und weiteren Risikogruppen gefährdeten den Schutz der Bevölkerung, vor allem wenn es zu einer Epidemie oder gar einer Pandemie komme, warnen die Organisationen. Das Ziel der WHO ist eine Impfrate von 75 Prozent bei diesen besonders gefährdeten Gruppen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2018, 18:01 Uhr

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